Du hast mir ’nen Strandkorb versprochen

Letzte Woche ging es los; eigentlich zum Lunch verabredet, Geburtstags- Nachhol- Essen und eigentlich aber auch einfach mal wieder sehen unter Freundinnen, nach corona- und beruflich bedingter Langzeitabstinenz kommt urplötzlich der Vorschlag anstelle dessen abends ins Open Air Theater zu Shakespeares Othello zu gehen. Ich verweise auf den ursprünglichen Plan mit späterer Erklärung, warum das für mich nicht so in Frage kommt und dem wird zugestimmt. Also treffen wir uns, vergessen wegen Dauerquatscherei und dem gegenseitigen Updates unserer beider Leben komplett die Zeit und stellen nach ein Ewigkeit fest, dass es Zeit ist, langsam nach Hause zu fahren. Zum Schluss fällt mir noch ein, dass ich eine Erklärung schulde und tue diese Kund- Othello geht seit Schulzeiten gar nicht- einem Trauma gleich ist diese Geschichte des guten alten Shakespeares für mich, verursacht durch meine tyrannisch anmutende Englisch- Leistungskurs Lehrerin, für die ich- ich schwöre- bis heute ( so sie noch lebt) nicht bremsen würde. Da mir Verständnis entgegen kommt, beschließen wir feierlich uns ein anderes Stück des Altmeisters anzugucken und die nächsten Wochenenden ins Auge zu fassen. Schwupps, kommt am Montag gleich die Anfrage, was denn mit nächstem Freitag wäre, so wir keinen Stellplatz für’s WoMo finden, da- schlimm genug- nach all dem Updaten dieses Jahr, Walter betreffend, wir tatsächlich noch nicht on the Road waren und es natürlich auch das besagte Wochenende wegen Sommerferien- Camper- Wahn wieder nicht geklappt hat. (Offtopic: bin froh, dass wir zu unserem nächsten Urlaub Anfang September was gefunden haben, aber da haben wohl aber auch nur noch drei Bundesländer Ferien) Ich sage also zu, erstmal, checke dann nebenbei die Wetterprognose für besagten Tag und stelle fest, dass Dauerregen angesagt ist, schaue mir dann aber sogleich auch die Location an und denke mir so: ganz nett, diese “ Nester“ , die zur engsten Auswahl bezüglich der Plätze stehen- strandkorbähnlich, Nester halt. Verweise auf das darauffolgende Wochenende und bekomme nur die Info, dass ausser diesem Samstag nur so‘ ne Schlechtwetterfront zu erwarten ist. Was soll’s- frei nach dem Motto: es gibt kein schlechtes Wetter, nur falsche Kleidung, hab ich zugesagt: Attacke! Buch es einfach!

Ich muss dazu sagen, dass wir zwei bei allem bislang Erlebten immer Ausnahmesituationen hatten, bzw. die meteorologischen Bedingungen nie die besten waren. So haben wir 2 Jahre hintereinander auf dem Hurricane Festival nie unser Zelt aufbauen können, da unwettergleiche Regengüsse dies jedesmal erfolgreich verhindert haben. Auto geht halt auch, würden wir so wahrscheinlich nie wieder überstehen, damals ging alles. Und so treffen wir uns bei ihr um später dann -kulturfanatisch wie wir sind-  Shakespeares “ Was ihr wollt“ Open Air zu genießen, haben ja schließlich ein Nest; für alles andere gibt es Schirme und Ganzkörperponchos, Standartartikel mittlerweile. Jippieh! Kurz vorm Losgehen ertönt ein Donnern…der Himmel sieht auch so aus, als könne er mit seinem wolkenverhangendem Dasein nicht mehr warten, seine schwere Regenlast  zu entladen- egal, los geht’s- außerdem sieht es in Richtung Ziel viel freundlicher aus. Kurz nochmal alle vorhandenen Wetterapps checken und die Extraladung Optimus in die Hosentasche gedrückt hab ich nur Hamlet im Kopf: something’s rotten in Lichterfelde…

Der Himmel hat sich leider keinen Aufschub gegönnt und war uns nicht hold; bei Ankunft gibt er ein Wahnsinnsspektakel ab und zeigt was möglich ist, wenn man sein Platzen nicht mehr zurück halten kann und einfach platzt. Wir retten uns unter die einzige Markise weit und breit, glücklicherweise die der Bar und ordern erstmal Rotwein (hab ich ewig nicht getrunken und deswegen ist mir unfassbar schnell sehr warm unter meinem Poncho- nicht dass die Temperatur stark gesunken wäre- aber es ist muckelig, so überdacht und nicht fluchtartig rum zu rennen, sondern angekommen zu sein) und stellen schnell fest, dass der Zutritt noch verwährt wird, da fleißig mit Schrubbern die Bühne getrocknet wird. Auf die Frage, ob überhaupt eine Aufführung statt findet, bekommen wir erstaunlich schnell die Antwort, dass alles außer Starkregen zum geplanten Auftritt führt. Offenbar ist Starkregen relativ, bzw. Auslegungssache, denn für unsere Verhältnisse regnet es schon recht stark. Die Frage nach der Spieldauer lockt ein kurz aufflammendes Entsetzen in unsere Gesichter: naja, auf jeden Fall bis 22:45…na klar, ist ja schließlich Shakespeare, das dauert halt…nur unter diesen Umständen echt ’ne Herausforderung! Das absolute Highlight ist allerdings der Blick durch den Zaun auf die Bühne, nebst Bestuhlung: verzweifelt versuche ich etwas Positives zu entdecken- vergebens. Es stehen zur Auswahl rote Plastikstühle (nicht abgedeckt) und Pakete, die mit handelsüblichen Müllsäcken abgedeckt im vorgeschriebenen Abstand lose vor der Bühne stehen- keine Nester in Sicht; nichts was auf muckelige Sitzgelegenheit schließt. Damn! Wir werden hinein gelassen und zum „Nest Nr.5“ geleitet; meine Freundin sieht dem Entkleiden unserer immerhin gepolsterten Stühle zu, wir setzen uns und sie sagt: Du hast mir einen Strandkorb versprochen! Ich kann dazu nicht wirklich etwas sagen, denn online sahen diese Plätze halt wie solche aus- aber sie hat diese ja gebucht, ich fühle mich trotzdem schuldig!

Es geht los und siehe da, nach 20-30 Minuten brauchen wir schon gar keinen Schutz mehr gegen das Wasser von oben- yeah! Irgendwie kann man sich auch plötzlich komplett auf das Dargebotene einlassen, hat ja auch was- wobei das gesamte Drumherum und die Organisation der Menschen mit der Situation an ihren Plätzen mir fast schon als freitagabendliche Veranstaltung gereicht hätte- ist ein wirklich gutes Stück und dabei seine Zuschauerschaft zurück zu gewinnen auch erfolgreich. Es zieht sich dann doch, so wie alle Stücke von ihm es irgendwann tun und dann ist nach 2 (!) Stunden endlich Pause, sogar trocken. Warum auch immer wir uns während dessen keine Nikotinzufuhr gegönnt haben- schließlich draußen- jetzt wird alles nachgeholt, auch die Rotweingläser werden erneut befüllt und man wappnet sich gegen die aufsteigende Kälte. Startklar für die zweite Hälfte, glücklicherweise nicht wirklich, geht auch das Geplätscher wieder los, so doll, dass wir sogar gefragt werden, ob nicht doch unter der S- Bahn- Unterführung weiter gespielt werden soll: wäre unser absolutes Highlight gewesen, alleine der Akkustik wegen, wurde aber vom all zu braven Publikum negiert und weiter ging die Show. Wir tuscheln derweil schon mehr, da die Darsteller unfassbar gegen den Geräuschpegel anschreien, wir trotzdem nicht alles mitbekommen und deswegen – wie zu Schulzeiten- Ablenkung suchen und auch echt einen Spruch nach dem anderen raus hauen, weil die Situation so absurd ist, dass es fast surreal wirkt. Als meine Freundin dann noch furztrocken sagt: „Schirme sind schon ’ne echt geile Erfindung“, kann ich nicht mehr und muss mich von umliegenden Superfans belehren lassen, dass ich doch bitte ruhig zu sein habe. Ich ersticke meinen inneren Clown mit Rotwein und beuge mich der kulturellen Obliegenheit. Irgendwie ist das Stück dann zu Ende, Durchhalten war die Devise- selbstverständlich hat es Spaß gemacht- aber nicht unglücklich darüber geben wir Applaus- konnte selber nicht klatschen, da ich die Schirmhalterin war- und bejubeln ernst gemeint auch die Leistung, bei dem Wetter- ohne Hinfallen- dies durchgeführt zu haben. Bemerkenswert war zuletzt, dass auch wir mit den Worten “ Das ist mal ein Publikum“ gewürdigt wurden und uns selbst für’s Durchhalten gefeiert haben.

Ins Trockene rennend und endlich im Auto angekommen, unserem wohlverdienten Nest an diesem Abend, versuchen wir beide in der Melodie von Nina Hagen’s Farbfilm “ Du hast mir ’nen Strandkorb versprochen“ zu singen… schön, dass alles immer so besonders ist mit dir! Selbst Shakespeare haut mir ’ne dicke, fette Kerbe in unsere gemeinsamen Erlebnisse! Danke dafür und: Samstage sind für Weicheier!

There comes the neighborhood

Schon erstaunlich, was nachbarschaftliche Hilfe so ausmacht. Nur weil man manchmal, noch nichtmals zu regelmäßigen Zeiten offenbar zuhause ist, natürlich- weil man auch nicht jenseits der „warum nicht“- Welt zugange ist, deshalb ein paar Mal nicht „nein, nehme ich nicht an, weil…“ sagt und aber irgendwie heraus findet, dass man als alternitive Adresse hinterlegt ist weil man 2-3 Mal anwesend war und plötzlich ein Gefühl von DHL-/ Hermes- Shop- Dasein bekommt, da man beim Aufschließen der Wohnungstür gefühlt die Tür nicht gewohnt aufbekommt, da durch diverse Pakete versperrt, das normale in den Feierabend gleiten mit Unbehagen behaftet ist, wissend, dass die Neiborhood auf Wochentage scheisst- auf jeden Fall wenn es um abholbare, scheinbar unaufschiebbare Dinge geht- und du weißt, dass es anders herum- vielleicht auch durch erzieherische Denkweisen anerzogen, dir unangenehm wäre, selbiges zu tun, da du weißt, dass ein Sonntag zum Beispiel heilig ist, zumindest sein könnte unter der arbeitenden Bevölkerung, es aber trotz allem passiert und plötzlich um 17:30 Uhr es an der Tür klingelt, das Paket übergeben wird und dir ein schöner Restsonntag gewünscht wird mit einem Lächeln im Gesicht, was die Situation trotz allem nicht wirklich besser macht.

In your face!!!

Am besten kommt allerdings wochenendlich gelagert, wenn man gegen 19 Uhr (!) sogar noch seine Tochter vorschiebt. WTF? Was ist sooooo wichtig, dass es nicht bis Montag Zeit hat? Oder aber anders ausgedrückt: wenn wir, weil nett, an einem Donnerstag ein Paket oder ähnliches in Empfang nehmen, wird dieses erst am Sonntag abgeholt? Bin ich es oder bin ich überempfindlich? Ich glaube nein! Steht nicht jedem ein Wochenende zu ohne im Hinterkopf zu haben, dass Harry Gackson und Harry Schnackson noch irgendwann ihre Ware abholen? Wäre es zudem nicht überaus nett, wenn man ’ne Info darüber bekommt, dass man als Empfängeradresse hinterlegt ist? Ich hatte einmal eine Situation, die mir wirklich unangenehm war; letztendlich musste ich es tun, ist doch unser Hausmeister der Mensch, der zufällig auch über uns wohnt, dessen Pakete wir zu Hauf seit Monden in sicherer Verwahrung nehmen….es begab sich zu sehr weihnachtlicher Zeit, genauer gesagt, um den 2. Weihnachtstag- die Heizung ist am Abend des 1. Feiertags ausgefallen, unser Kachelofen war noch nicht repariert und es war doch recht schattig in unseren großzügigen 4 Wänden. Ich habe lange gehadert, schließlich handelt es sich um einen wohlverdienten Feiertag. Frieren war aber halt auch nicht die Alternative. Also Mut gesammelt und hoch zum Problemlöser- natürlich nicht morgens um 8 Uhr, sondern schon im Tripple- Hoodie, Schal und Handschuhe konnten wir uns noch für später aufheben, obwohl gefühlt diese Kleidungsstücke schon angebracht waren, frühen Vormittag ich den Arsch in der Hose hatte, um Abhilfe zu bitten. Unfassbares Unverständnis schlug mir entgegen, mir wurde gesagt, dass man den Schlauch (Gas betriebene Heizung, die ab und an Wassernaschub verlangt) im Laufe des Tages bei uns abgibt. Fein, denke ich. Irgendwann sagt Erik, dass er glaubt etwas gehört zu haben…siehe da! Ohne zu klopfen oder ein Zeichen von sich zu geben, hing kommentarlos der Schlauch an der Tür. Von einem Mitbewohner habe ich später erfahren, dass es als Unding aufgefasst wurde, dass ich an solch einem Tag nach Hilfe verlangt habe…Aha… hätte mir ja wohl auch vorher einfallen können…nochmals aha….sucht man sich ja auch tatsächlich aus, das Frieren ohne Heizung…Aber selbstverständlich scheint es, sonntags ab 16 Uhr bei uns Pakete abzuholen…nichts kann so wichtig sein, dass es nicht bis Montag warten kann…scheinbar ist die nachbarschaftliche Hilfe hier ein wenig ins Ungleichgewicht geraten.

Er kann froh sein, dass ich noch nie am 1.1. eines Jahres um 8 Uhr geklingelt habe, weil ich seit 2-3 Tagen ’n beschissenes Paket für ihn aufbewahre!

…Bodycount: Here comes the neighborhood…symbolisch… fuck…

Hey….ab in den Süden!

Morgen ist es soweit: ich fliege mit einer geliebten Freundin in den Urlaub- es geht nach Ibiza! Ich fühle mich aktuell wie ein Duracell- Hase: immer wieder den Handgepäck- Koffer checken, incl. dem 1l- Gefriertüten- Inhalt an flüssiger, scheinbar unverzichtbarer, Flüssigkeiten, Ausdrucke aller insgesamt 4 (vier!) nachweislich erforderlichen QR- Codes für den Kurztrip usw. und so fort. Getrieben durch vielerlei Verunsicherungen im Freundes-, Kollegen- und Bekanntenkreis bzgl. anstehender Quarantänezeiten bei Ankunft im Heimatland, diese aber tagesgenau checked und eigentlich beruhigt und doch irgendwie nervöser als sonst, bevor Corona da war. Bin ja bekanntlich kein Reisemuffel aber fühle mich echt, was das Aufgeregtheitslevel der anstehenden Reise betrifft, wie ein Newbe! Das Durchgeimpft sein nicht IST GLEICH: mir kann nichts passieren bedeutet, ist ja wohl klar. Aber es ermöglicht mir/ uns – nach gefühltem unendlich eingeschränktem Handlungsspielraum- ein gewisses Maß an Freiheit, die  für unser eins ja immer selbstverständlich war und trotz der verwöhnten Grundhaltung zu dieser Lebenshaltung uns heute ahnen lässt, wie es in anderen Ländern und Kulturen abläuft- mit dem einen Unterschied, dass diese oftmals, nicht wie wir, etwas entbehren und wie bei uns, sich darüber freuen, dass der Grundzustand einigermaßen wieder hergestellt wird, sondern sie es tatsächlich gar nicht anders kennen. Das lässt mich manchmal richtig schlecht fühlen, denn dies, was wir alle hier im Spiel des Lebens zelebrieren ist für andere reine Utopie, wenn überhaupt, also warum beklagen wir uns eigentlich?

Meine Freundin fühlt sich gar schlecht, weil wir fliegen, unterliegt ihre Region gerade einen üblen Vorgeschmack des Klimawandels: sie lebt im aktuell stark gebeulteten Teil Deutschlands, den man- anhand der Bilder, die medial übermittelt werden, nur aus richtig krassen Tsunami- Berichten oder gar Katastrophen- Filmen kennt. Ich versuche passende Worte zu finden, aber scheitere schon im Ansatz kläglich. Aktuell laufen die Nachrichten mit aktuellen Bildern: ich bin fassungslos, mir fällt die Kinnlade herunter. Sie sagt: du kannst dir nicht vorstellen, wie sehr ich mich auf Sonne, Hitze und nochmals Sonne freue! Ich freue mich, auch für mich selbst mit; war unser erster (Erik und meiner) verschenkter Urlaub dieses Jahr im April auch ins Wasser gefallen. Kein Vergleich aber zu dem, was hier und jetzt im Westen passiert. Das ist unfassbar und erscheint unwirklich!

Ich wünsche mir, dass es absehbar Hilfe für alle Betroffenen gibt, es Linderung- soweit möglich- gibt, ein Ende in Sicht ist und die Regierung tatkräftig Mittel frei gibt, die es bitter benötigt, um ganze Regionen zu retten, bzw. Wiederaufbau zu gewährleisten.

Aber ich hoffe auch, dass wir trotzdem ein wenig Spaß haben werden, abschalten können und sogar mal frei von allem, was drumherum an schlimmen/ schlechten und unfassbaren Dingen passiert, einfach genießen können; ich wünsche es mir. Ob der Ernsthaftigkeit muss ein bisschen Freude auch erlaubt sein- auch wenn es sich komisch anfühlt.

STAY STRONG!!!

Spandau…mon amour!

Freaky friday klingt immer mehr denn je, auch in meiner Hood im frühabendlich, sommerlichen Straßenklingklang wider, mehr freaky than friday…aber schlimm genug, denn in diesem Teil der Wilhelmstadt hat es sich bis dato recht ruhig Leben lassen…Der weltbeste Pizzamann hat sich offenbar selbst mit meinem so verhassten Späti arrangiert, denn er stellt bis knapp vor unsere Haustür Tische auf und dem gut gelaunten Spandauer- genauer gesagt,  wilhelmstädter Straßen- Haute Volaute- People- steht nun nichts mehr im Wege, um sich fernab der Adamstraße zu präsentieren und mal richtig den Zamperno raus hängen zu lassen. Jippieh! Kein Wunder, dass aus der Pichi mit verschwenderischem Tatendrang eine Flaniermeile hervorgehen soll, dessen Grundgedanken ich bis dato nicht fassen konnte, der aber nun- durch ausufernde Geschäftsgebaren eines einzelnen Dienstleisters, zu Bestform motiviert und an Expansionsgedanken nicht zu stoppen ist, mir sich langsam erschließt. Ursprünglich wollte ich etwas Positives schreiben, denn als ich gerade einfach nur Hände waschen war erklingt in meinem nach Musik ausgehungertem Ohr ein Breakbeat, den jeder, der in den 90ern nicht taub war, sofort und auf Meilen erkennen würde, entgegen und ich ertappe mich dabei, dass ich selbst die glücklichste Frau auf diesem Planeten wäre, würde ich timetravelmässig ins Jahr 1996 in die Arena reisen können, um den Auftritt von Prodigy mit “ Smack my bitch up“ erneut live erleben zu dürfen. Ein knappes halbes Jahr zuvor haben uns die Chemobrüder noch an selbiger Stelle ermahnt, dass man doch jeden sein eigenes Loch graben lassen soll. Same, same but different…wie der Thai sagen würde…nur dass Keith Flint in seiner Art uns einfach dann doch mehr das Hirn weggeblasen hat.

Irgendjemand auf der gegenüberliegenden Bank hat auf jeden Fall- mich betreffend- endlich mal guten Geschmack bewiesen und hat eben dieses Lied selbst mich voller Freude hören lassen und das richtig laut. Feini. Das an sich würde ich als “ make my day“ bezeichnen aber auf der anderen Seite steht dann doch die anstehende Bedrohung durch eben solche Läden, die sogar dafür sorgen, dass komplett alle Natur, in Form von Bäumen, entfernt werden…durch angeblich abgestimmter Mittel eines Ausschusses, der sich Wilhelmstadt- e.V. nennt; gegründet um den Bürgern Gehör und Mitspracherecht zu verschaffen, letztendlich aber doch durch in der kommunalen Politik vertretende unterwandert wurde und alles, nur nichts bürgerliches mehr an sich hat und man vor vollendete Tatsachen gestellt wird, da man den Gehweg erweitern wird, Punkt. (Mein Unmut würde jetzt wahrscheinlich zu weit gehen, wenn ich noch in den Fokus stelle, dass dies alles ja online in der Wilhelmstadt- Gruppe diskutiert wurde…aber ganz ehrlich, ein Flugblatt mit Informationen hätte hier bei weitem mehr erreicht, als die Tatsache, dass ich mich auf eine- zudem nicht allen zugänglichen- Umfrage berufe, um dann vor vollendete Tatsachen zu stellen…mit der Hasskappe gerade gerückt sieht die Realität leider gerade auch nicht besser aus)

Ich mochte Spandau immer sehr gerne, lebe selbst als alte Lichterfelderin schon 25 Jahre ( Silberhochzeit dieses Jahr!)  hier…aber das, was hier entweder umfangreich in Planung ist oder aber generell über die letzten Jahre verändert wurde, passt nicht mehr mit meinem „Yeah, ich lebe hier und das für immer!“ zusammen. Stimmt mich traurig; zumal auch die geliebten Menschen hier es nicht mehr raus reißen…

5- minute- break: Mein Mann ist gerade durch die Tür und stellt fest, dass draußen echt der Pank abgeht…ich gönne den Balkonflanzen eine vornächtliche Dusche und bin mir nicht mehr sicher ob der nicen Klänge vor unserer Tür, denn wenn dies dazu führt, dass ich demnächst in einer Art spandauer Bermudadreieck- gleichen Ecke wohne, ist hier nichts mehr, was Amour verheißt. Dabei bin ich doch Fan von dem, was mich hier die letzten 25 Jahre immerhin ausharren lässt und allen Wegziehenden ein großes Fragezeichen an den Kopf werfen lässt, nicht nachvollziehbar, wieso, weshalb, warum man dem Berlin-20 Bezirk nicht den Rücken kehrt. Ein kleiner Hoffnungsschimmer bleibt…nämlich dass die Politik (die, die wirklich was zu sagen haben!) richtig entscheiden und das Geld in Projekte gesteckt wird, die es weitaus nötiger haben, als die Pichi…zuletzt stirbt die Hoffnung vermeintlich…in etwas zu verwandeln, was sie in diesem Leben nicht mehr sein wird.

Es ist jetzt tatsächlich nur einen Freitag später und ich stelle erneut fest, dass der tatsächliche angekündigte Irrsinn Einzug erhalten hat: es ist soweit, ab Mittwoch gibt es eine Vollsperrung ab Adamstraße- für kurzweilige 3 (!) Jahre. Es werden weitere 69 Bäume gefällt (angeblich im Summe mehr neu gepflanzt- yeah, danke Stadtplaner! Danke für die vorgewachsenen 2,5 m hohen Bäumchen, die natürlich alles heraus reißen, denn die jetzt 20m hohen Bäume sind dadurch gleichsam ersetzt: sag das mal den Vögeln, die dann keinen Nistplatz mehr haben- eigennützig muss gesagt sein, dass jetzt im Sommer, unser Blick ins Grün fällt, da Bäume direkt vorm Haus (2. Etage) und eine Neubepflanzung ein unschöner Ersatz sind- die Kotzgrenze ist da schon erreicht- aber nicht genug: ich habe heraus gefunden, dass selbst einige der Entscheider nicht wirklich einverstanden mit der anstehenden Umsetzung sind, dies aber notwendig ist, damit andere Projekte in Wilhelmstadt bewilligt werden und final auch in die Praxis umgesetzt werden können. Aha! Daher weht der stinkende Ausschuss- Wind also. Ich für meinen Teil werde versuchen in diesen Verein rein zu kommen, bringt vielleicht etwas, wenn ne höhere Quote an tatsächlich betroffenen Bewohnern dem politisch gewordenen Gremium inne wohnt, um dem realitätsfernen Gesockse, welches über elementare Dinge und Gelder in meinem/ unserem Umfeld entscheidet, ein dickes Kontra in elementaren Dingen zu liefern… einen Versuch ist es wert.

Denn ansonsten war es das mit meiner Liebe zu Spandau…und das fände ich echt traurig. Hoffnung und so…zuletzt sterben…

Was stimmt nicht mit mir?

Ich durchlebe aktuell eine, für alles mögliche um mich herum, sehr aufmerksam aufsaugende und ins Detail verliebte Zeit, in der ich- intensiver als sonst offenbar- sensibler auf Taten, das geschriebene und verbal geäußerte Worte und Gesten, innermenschliche Reaktionen und soziales Gebaren mittenmang meiner aktiven Umwelt und des Miteinanders, reagiere. Das fühlt sich nur semi- gut an, denn es schafft mich mehr, als das es mich in meinem persönlichen Sein nach vorn katapultiert, was ich eigentlich schade finde; man sollte doch genau dies jetzt zelebrieren und genießen, oder? Eventuell ist es ein post- pandemisches Phänomen, da jetzt, wo vieles- beinahe alles wieder möglich ist- was vorab für einen schier unendlich wirkenden Zeitraum versagt war, so akut und geballt auf einen einprasselt, dass mir das ungewohnte und unüberhörbare Gewusel um mich herum ,einhergehend mit einer derart anstrengenden Reizüberflutung, tatsächlich mein auf „stand-by- Modus“ eingestelltes Gemüt schlägt.

Ich ertrage einfach keine größeren Menschenmengen mehr, denn es überfordert mich in allen erdenklichen Formen- besonders aber ertrage ich diese ganze, auf mich soziopathisch wirkende, „hedonistische Tretmühle“ der Allgemeinheit nicht, denn offenbar ergibt sich durch das in den letzten 15 Monaten erlebten Ereignis im jeweiligen persönlichen Bereich, eine jetzige Narrenfreiheit, die freudenhausgleich nun öffentlich ausgetragen wird/ gelebt wird und ich dieser aber irgendwie keine Gemeinsamkeit abgewinnen kann.

Sollte nicht jeder aus diesem Anlass eigentlich komplett aus dem – nicht irgendeiner Logik folgenden- Häuschen sein? Sich wie ein Derwisch gleich, ohne Sinn und Verstand, wie in Trance, zum  Kreisel der wiedergewonnenen Freiheiten drehen? Seltsam, denn mir geht es halt nicht so, auch wenn ich mich wohl ebenso über die „Lockerungen“ in Form von ungewohnter, alter Normalität freue, wohlgleich nur anders und nicht ganz so menschenmassenfanatisch, wie der gefühlte Rest der Republik. In mir keimt die Frage auf, ob ich nicht insgeheim, all die Jahre einer Rolle gleich-angepasst an die Gegebenheiten- wider meiner Natur gehandelt habe und eigentlich schon immer eher wenige Menschen in meinem direkten Umfeld eher geschätzt habe, als dass es dergleichen viele waren?

Ist es schon immer so gewesen, dass ich eigentlich ein Unwohlsein im Sinne von Überforderung fühle, wenn es sich um mehr als die normale Menschenmenge in einem Raum (also übersichtlich und am besten mit selbst gewählten Teilnehmern) handelt? Und wenn ja, warum habe ich es all die Jahre so erfolgreich überspielt und ignoriert? Da ist doch irgendwas nicht in Ordnung; stimmt da eventuell irgendwas nicht mit mir? Ein kleines Beispiel meines fast schizophrenen Verhaltens sind Geburtstagsfeiern- meine in diesem Fall: vorab sei gesagt, dass ich meinem Geburtstag wirklich gerne einen besonderen Platz ein räume, ihn auch echt gerne mit einer Party huldige- mit allen, mir zum aktuellen Zeitpunkt wichtigen Menschen in meinem Leben, feiere. Doch jedes Mal, wenn es darum geht, dass nach allen Vorbereitungen, die eine Party erfordert, bin ich kurz vor einem Nervenzusammenbruch, wenn es um das Eintreffen der geladenen Gäste geht; ich würde dann am liebsten nur jeden Einzelnen, nacheinander im Bestfall, in Beschlag nehmen, um der ganzen Aufmerksamkeit, die mir zuteil wird, zu entgehen, die ich ja ursprünglich aber offenbar gewollt habe.  Aktuell nähert sich der nächste runde, in dem Fall eckige, weil 50ster dieses Jahr und ich hoffe, dass ich es schaffe, nicht einem innerlichen Kollaps zu erliegen und zu genießen- wie es sein sollte und das dann vorhandene Hier und Jetzt zu feiern- aber ich bin jetzt eigentlich schon überfordert und denke über Alternativen nach.

Als ich vor 14 Tagen zum Geburtstag eines alten Freundes im spandauer Bermudadreieck geladen war, hab ich es wirklich genießen können, denn wir waren ein kleiner illustrer Kreis, der sich in der Konstellation auch schon Monde nicht mehr getroffen hat und es war wirklich schön. Auf dem Rückweg sind wir noch an einer anderen Lokalität vorbei und beschlossen dort einen Absacker zu nehmen, denn an der anstehenden Kreuzung hätten sich unsere Wege getrennt und ein wenig Zeit wollten wir dann doch noch genießen. Dort waren- eventuell bedingt durch König Fussball- die ganzen altbekannten Gesichter zugegen, mir mittlerweile fast fremd geworden, da nicht mehr aktiv im wochenendlichen Nachtleben unterwegs, deshalb auch in teilweise überraschte Gesichter geblickt, aber ich war komplett überfordert und habe- bis auf Ausnahmen- keinem wirklich Aufmerksamkeit schenken können, denn es war mir zu viel: geballte Ladung at it’s best, too much for me.

Den Fokus auf einzelne, mir vertraute Menschen, bzw. Freunde zu setzen, ist mir das liebste und trägt enorm zu meinem persönlichen Wohlbefinden bei. Vielleicht ist auch der berufliche Aspekt hierbei nicht ganz unwichtig, wie mir soeben bewusst wird. Permanent mit und von Leuten umgeben, erreichbar bis zur Schmerzgrenze und unweigerlich mit allen Facetten des menschlichen Seins konfrontiert, kann es wahrscheinlich dazu führen, dass man im privaten Bereich zum Misanthrop mutiert, nur dass das Gleichgewicht ausser Kontrolle geraten ist, bzw. die Prioritäten verschroben sind und man in einer schlechten Variante der altbekannten Matrix gefangen ist. Ist es in echt nicht ganz einfach und man muss nur zurück in eine Zeit des unbeschwerten Umgangs im Berufsleben, wo einem der Anspruch auf persönliche Kontakte vehement wichtiger war, als die Zufriedenheit und Bestätigung im tagesgeschäftlichen Tun, wo man, nur um normal leben zu können, eine Tätigkeit ausgeübt hat und diese sogar gerne- aber mehr Freude in der Freizeit aufbrachte?

Es stimmt mich nachdenklich. Vielleicht geht es ja irgendjemanden auch ähnlich- ich würde mich dann über Feedback freuen!

Und ihr so? 1,2,3…

Ich bin nicht so für esoterische Dinge zu haben, glaube nicht wirklich an Horoskope und die wahre Bedeutung der Sternzeichen incl. deren noch genauere Ausmachung eines Charakters bezogen auf den Aszendent und den Lebensverlauf, weil er so vorbestimmt ist. Dafür gibt es zahlreiche Gründe, die sich in den letzten Dekaden  angesammelt haben und auch lebhafte Beweise, warum ich dieser Materie skeptisch gegenüber stehe. Aber was mir in den letzten drei Jahren aufgefallen ist- und das war vorher evtl. auch schon so, nur habe ich nicht bewusst darauf geachtet, sind Zahlen, in meinem Fall Uhrzeiten, die sich immer und immer wiederholen. Ich stehe am Wochenende auf, es gibt nur zwei Tage in der Woche, wo mein Blick nach dem direkten Wachwerden nicht mit dem automatisierten Griff zum Handy und dem checken der Uhrzeit erfolgt; der Blick fällt in der Küche auf die Herduhr (digital) und die roten Ziffern grinsen mir ihr 08:15 ins Gesicht, nicht zum ersten Mal, bleibt aber nicht bei diesem sich oftmals wiederholendem Phänomen und nicht nur dieser Uhrzeit. Ich bemerke dies und beschließe, dem mehr Aufmerksamkeit zu schenken. Vielleicht schon länger als drei Jahre her aber trotzdem erst mit dem 08:15- Moment in den Fokus gerückt, ist die Uhrzeit im Auto, die- Mensch, ich weiß es doch auch nicht, aber es ist auffällig- häufig, wenn ich das Bedürfnis nach der Zeit verspüre, mir 09:12 Uhr anzeigt, mein Geburtsdatum. Ich bin tatsächlich kein uhrentragender Leut, obwohl ich -noch tatsächlicher- echt ein paar Exemplare besitze, gesammelt in dem Glauben, sie irgendwann zu tragen, es aber niemals tun werde, weil lästig. Offenbar ist mir meine innere Uhr genug und wenn nicht, schaut man halt auf’s Handy oder aber auf die Digitalanzeige im Auto, die in meiner Timeline bemerkenswert oft, die gleichen Zahlen präsentiert. Seltsam? Ich finde schon, ignoriere es aber für ’ne Weile, bis es- ohne fanatischen Hintergrund, also ohne Überprüfung und verfolgungswahnähnlichem Gebaren- selbst mir suspekt vorkommt. 10:15 und 16:12 Uhr gesellen sich zu den mittlerweile bekannten 2, 3 Uhrzeiten hinzu…die eine der Geburtstag meiner Schwester, die andere verbinde ich- und hier ist der Kreativität keine Grenze gesetzt- mit einem meiner Cure- Lieblingsliedern, 10:15 saturday night. Keine Ahnung, was- und ob überhaupt- es zu bedeuten hat, ich für meinen Teil bin sensibisiert…wenn jetzt irgendjemand was mit meinem Sternzeichen Schütze, Aszendent Schütze, chinesisch Schwein, also Doppelschwei, damit in Verbindung setzen kann oder kopfschüttelnd zuhause sitzt und mir beim Rest meines Lebens alles Gute wünscht, nur zu, bitte nur nicht um 08:15, 09:12, 10:15 oder 16:12 …ich höre es mir an, ja, das tue ich. Aber seltsam finde ich jetzt schon, ohne an irgendetwas zu glauben.

Bin für Erfahrungsberichte/- Kommentare dankbar. Wenngleich ich nicht esoterisch unterwegs bin, so glaube ich trotzdem nicht an Zufälle…bitte berichtet über eure Erfahrungen, so ihr welche habt. Danke!

#gefangeninderuhrzeitenschleife#helpmeout

Bekloppt im Kopp

Jaja, das Wetter kann einen schon bräsig in der Birne machen, zumindest erscheint es aller Orts aktuell so, mein Empfinden auf jeden Fall und kein Ende in Sicht. Von der anfänglichen gut gelaunten Mitbürgerschaft ob dem neu gewonnenen Freiheitsgefühl in fast allen Bereichen ist mit Erreichen der sommerlichen Höchsttemperaturen wohl auch gleich die Aggressivität zurück gekommen, Hand in Hand mit einer Prise leichtsinnigem Verhalten und teilweise offenkundiger Aussetzer des Denkzentrums.  Ich bin echt geplättet von all den Verkehrsakrobaten, die mich täglich bis zu 1 1/2 Stunden im gnadenlos von oben brennenden Planeten im Stau stehen lassen und während ich so um mich herum in die umliegenden Autos schaue bekomme ich obendrein ( gut hörbar, weil warm und dadurch alle Fenster herunter gelassen) noch Beziehungsprobleme, Eltern- Kinder- Gekeife und Beschwerden beruflicher Natur über dies und das via Freisprechanlage mit, was nach spätestens 30 Minuten wahrlich noch nichtmals zu meiner kurz vorher noch vorhandenen Belustigung beiträgt und mich glauben lässt, dass die Grundstimmung im Allgemeinen offenbar nicht die beste derzeit ist. Ich befürchte allerdings, dass sich das gar nicht wirklich gravierend geändert hat und auch, bevor Covid19 Einzug erhielt, schon omnipräsent war; es nervt mich ungemein und führt leider unweigerlich dazu, dass ich mich in meinem – von Beginn an vorhandenen, quasi in die Wiege gelegten „Gut- drauf- sein“ – angestachelt fühle, ab sofort besonders freundlich, grinsend und gelassen durch das Leben zu tingeln; sei es nur, um dem massenverbreiteten Muffeltum entgegen zu wirken ( wie bei einer Mission „Momo- gleich“ gegen die grauen Männer) , ein Statement zu setzen in dieser wirklich umgreifenden Schlechtlaunigkeit und Gestresstsein eine Stefka- würdige Daseinsberechtigung zu liefern. Morgens gleich, kurz vor 8 Uhr im Supermarkt- ich denke, dass eine Erfrischung in Form eines Eis eine gute Idee ist, die Kundschaft zudem erfreut- stehe ich also mit 14 Florida- Eis- Packungen an der, für diese Uhrzeit knackig besuchten Supermarktkasse und frage freundlich ( Kühltasche selbstredend dabei), ob ich nicht vorgelassen werden kann; hab ja nur Eis und der Kassenbandbefüller vor mir, niemals endende, aus dem Wagen heraus schaufelnde Lebensmittel, grummelt irgendetwas und nickt mir irgendwann zu, zustimmend, aber mit den Worten “ wenn es denn sein muss“. Ich denke kurz “ bis du dein Zeug fertig auf’s Band gestellt hast, sitze ich schon auf halber Strecke zu meinem “ Sie haben ihr Ziel erreicht“ und bedanke mich trotz des mürrischen Zuspruchs und wünsche noch ein schönes Wochenende. Und so sitze ich kurze Zeit später – genauso wie alle anderen bei 35 Grad- im Auto und versuche all dies um mich herum wertfrei zu betrachten, ohne Voreingenommenheiten oder typisches Schubladendenken ( denn diesen Score hat heute schon der Mann im Supermarkt erfüllt) über die mich umzingelnden Stereotypen; das gelingt bis auf Ausnahmen ganz gut und ich ich grinse bei 10 km/h beim Vorbeifahren in diese fremden Autogesichter, so als ob mich dies alles nicht im geringsten berührt und ich einfach nur – tatsächlich ist das ja auch oftmals so – gut gelaunt bin und mich über das Hier und Jetzt freue. Wahrlich nicht uninteressant. Neue Lieblingsbeschäftigung dadurch bedingt, ist neuerdings die Reaktionen zu analysieren: meistens entgegnet man mir mit einem entnervt drein blickenden Ausdruck, wahrscheinlich der aktuellen Situation im eigenen Gefährt geschuldet, der verwundert wirkt, so ein fröhliches Gesicht zu sehen oder aber es verblüfft tatsächlich, in einem 4 km langen Stau einem so gut gelaunten Menschen zu begegnen, oder aber, das war mir ein sogenanntes inneres Oktoberfest, die lauthalse Stimme eines Mädchens von der beengten (weil drei Kinder hinten) Rückbank, die zur fahrenden Mama sagte: „Guck mal, die Frau da drüben lacht so doll! Geht es der gut? „

Ja, das tut es, mehr denn je. Ich wünschte, ich könnte meinen Teil dazu beitragen, um dies populärer, bzw. der Allgemeinheit zugänglich zu machen, im nächsten Leben vielleicht. Bis dahin ertrage ich einfach die “ bekloppt- im- Kopp“- Menschen um mich herum und hoffe, dass es dabei bleibt…es sich nicht verschlimmert.

Mein Dank gilt hier T.D., mein Obi-Wan quasi…auch ohne Einhörner schaffe ich das, ganz sicher! 🤗

Haters

Hass ist so ein schweres Wort. Laut Duden bekanntlich als Abneigung, Verabscheuen von Personen oder Dingen , Feindschaft bis hin zum Ekel definiert aber heutzutage so viel mehr, da es im Gegensatz zu früher viel mehr Kanäle und offizielle Wege gibt, diesen Kund zu tun und die im schlimmsten Fall sogar eine Existenz zerstören können oder aber als Instrument missbraucht werden, um den größtmöglichen Schaden zu zu fügen. Ich kann hier und jetzt gar nicht auf alle Bereiche eingehen, die diesem Gefühl aktuell Raum zur Entfaltung gewähren aber -aus gegebenem Anlass- beschränke ich mich auf Social Media- umfangreich genug, denke ich. Im Gegensatz zu meiner Kindheit/ Jugend/ jungem Erwachsenalter würde ich sogar behaupten, dass das Wort Hass doch tatsächlich eher selten im Alltag vorkam; vielmehr war dies, wenn überhaupt, eher mit Gefühlen von Neid, Ängsten und  Verletzungen einhergehend, wahrscheinlich aber nie durchdacht und deshalb als Hass definiert. Hat man “ I hate…“ irgendwo an eine Wand geschmiert gelesen, wusste man eigentlich, dass es sich meist um eine verlassene/ betrogene/ verletzte Person handelt, die ihr Ventil in solch einer Botschaft gefunden hat. Berichtigt mich, aber die wenigsten ( Tendenz eher gen Null) haben auf sich in offiziell krimineller Art an der besagten Person jemals gerächt…auch wenn dieser Gedanke das ein oder andere Mal einem durchaus durch den Kopf schoss. Wobei ich selbst damals echt geschluckt habe, als in einem „Freunde-Heft“, wo jeder diverse Rubriken ausfüllen konnte, unter “ was ich nicht mag“ meinen Namen gefunden habe. War quasi auch schon ein fast öffentliches Mobbing, da es jeder lesen konnte, jetzt wo es mir spontan wieder einfällt. Krass. Verdrängt. ( Alleine deswegen sinniere ich so gerne vor mich hin, denn irgendwas kratzt am Elefantenhirn und das finde ich echt super! Es bleibt halt kaum etwas verborgen, egal wie schlimm damals…toll!) Nun ja, man darf die medialen und viralen Entwicklungen natürlich nicht vergessen, die zu dieser Omnientwicklung beigetragen hat, Facebook zum Beispiel hat wahrscheinlich nicht umsonst noch keinen Dislike- Button eingeführt, der- mal ehrlich- oftmals weniger  verursachen würde als die Kommentare, die so offenkundig unzensiert online gestellt werden, als dass man einfach etwas „nur nicht mag“. Heute zumindest (vielleicht gar nicht so wichtig, für mich hat es allerdings gereicht) habe ich einen Artikel kommentiert, in dem von einem Mann berichtet wurde, der seit 4 Monaten im Gefängnis sitzt, weil er seit 25 Jahren keine GEZ- Gebühren bezahlt- ohne jemals ein Empfangsgerät zu besitzen und sich vehement weigert, die geforderte Summe von 1827€ zu entrichten. Mein Kommentar: „Willkommen in Deutschland“ wurde keine 5 Sekunden später durch folgende Antwort kommentiert: „Na wenn es ihnen hier nicht gefällt, die Grenzen stehen jedem offen.“ Ja, es ist kein Hass, der mir entgegen geflutet ist aber ich dachte in diesem Moment nur und das war auch die Antwort: „Hey wow, so jetzt gleich, ja? Hatte erst kurz überlegt, ob ich noch hinzu fügen soll, dass ich trotzdem eigentlich gerne in Deutschland lebe aber dann hätte ich dieses persönliche Schmankerl verpasst.“ Was soll das? Gibt es tatsächlich Leute, die zuhause sitzen, um genau eben solche Kommentare zu dissen oder wenn nicht, aus unfassbar überschwänglichem Zeitkontingent heraus, darauf wartend, dass jemand wie ich es tat, einen Kommentar hinterlässt, wo im gleichen Atemzug- zumindest versucht wird- anzufeiden oder in einfachster Variante ausgedrückt gleichwohl nur pöbeln will. Die Antwort ist ja. Es ist wie ein rudelsuchendes Konglomerat an Gleichgesinnten, die nur auf diesen Moment zu warten scheinen, es denjenigen einfach mal so richtig zu zeigen, bzw. teilweise unqualifizierten Dreck in die sich aktiv austauschende Suppe zu mischen- ich behaupte hier und jetzt, dass dies sich aus rein feindseligen Gründen abspielt…bzw. (erneut) Aufmerksamkeit durch Negativbeiträge in Form von Beleidigungen (im Bestfall) oder gar diskriminierenden Äußerungen erworben werden will/ soll, was weiß ich noch…

Fraglich bei all den Richtlinien (ich bleibe einfach mal bei FB, der Einfachheit halber) empfinde ich, dass der Stichwortkatalog offenbar recht oberflächig gestrickt ist. Ich möchte und werde hier nichts Genaueres ansprechen aber ein Artikel aus unserem Thailandurlaub wurde wegen Fremdenhass bzgl. der Richtlinien gesperrt, ein Ding der Unmöglichkeit- wo hingegen alle sich zu Aufhetzung und Hasstiraden- Berufenen frei austoben können. Zweifelhaft…oder zumindest ein zu vereinfacht gestricktes Stichwortgesuche im weltweit größten Netzwerk. Hat jemals einer versucht eine Person zu melden? Es gleicht einer vermeintlich anonym angedachten Anzeige wegen Sichtung von Verherrlichungen bekannter Zeichen des 2. Weltkriegs: Anzeige gemacht, Sturmtrupp durch die privaten Gemächer folgend inbegriffen und dann heraus gefunden, dass diese durchaus nicht anonym bleiben wird; eine Aufklärung später einem mit geteilt wird, dass es bei Anhörung vor Gericht durchaus zur Gegenüberstellung kommen kann und man seitdem in Todesangst lebt, weil das nächste Klopfen an der Tür auch der besagte, von einem selbst angeklagte, Kahlköpfige von gegenüber sein könnte und nicht das erwartete Paket von Amazon. Tsja, kann halt passieren, musste mit rechnen. Wahrscheinlich wird man nicht direkt an den Pranger gestellt aber es muss ein Fragenkatalog beantwortet werden, der einem kurzzeitig die Frage stellen lässt, wer hier wen anzeigen möchte. Es fehlt eigentlich nur noch, dass wie im Film “ Minority Report“, die FB- Agents an Seilen aus dem Nichts herunter gelassen werden, um den Ort des Geschehens zu sichern- wünschenswert, es wäre so einfach wie eine Nummer zu blockieren und nie wieder belästigt zu werden.

Der vehement negativ durch Texte huschende oder gar Berichte sabotierende Mob bleibt davon leider oftmals unberührt. Schade. Es wird hier -vielleicht ungewollt aber aus eigener Erfahrung ungerecht bewertet- eine Plattform gestärkt für solche, die sich gerne über anderer Gedankengut beschweren, dieses zerreißen oder aber versuchen verletzende Worte (wenn es denn mal dabei bliebe) für alles und jeden zu finden, aus Gründen, die man nur erahnen kann und diese aufzuhalten oberstes Gebot sein sollte. Denn eins ist klar: haters are not welcome! Auch wenn der derzeitige Trend Richtung Influenzer geht- haters are not. Mobbing/ Hass ist ein Ausdruck von Gefühl welches nicht weiter instrumentalisiert werden darf; wenn negative Gefühle nur noch in verletzender und teilweise vernichtender Form Bestand haben, dann lasst uns hoffen, dass die Empfänger mental stark genug sind, um dies an sich abprallen zu lassen oder sogar in den Kampf zu ziehen wagen gegen diese – meist- anonyme Feigheit, dem Netz geschuldet und Unterschlupf bietender virtueller Masse voller Grauzonen (selbst 50 shades wären hier nicht übermäßig viel, sondern leider eher ein Anfang), schlüpfrig wie ein in Vaseline getauchter Stab, den heraus zu ziehen sich schwieriger gestaltet, als das Entfernen von Excalibur seinerzeit.

…und man selbst überdenkt so oft Kommentare zu x- beliebigen Themen, nur um nicht anzuecken oder gar den Eindruck zu erwecken, man würde jemanden zu Nahe treten…

Das kann man, wenn es so sein sollte, unabdingbar quasi, persönlich klären- das ist ehrlich, fair und auch definitiv die anständigste Art, um Unklarheiten aus dem Weg zu räumen. Ansonsten wird hier nur Feigheit geschult, anonym und beiweite nicht das, was aus uns allen werden soll/ sollte.

…beim Suchen (unwillkürlich) nach einem Song namens „Haters“ war das erste Ergebnis TLC, Haters, von 1992…aktuell wie eh und je…R.I.P. Left Eye

Sonne im Herzen

Gestern war ein wirklich schöner Tag. Nicht nur, dass der kalendarische Sommer schon einen ganzen Tag alt ist, eben dieser fühlt sich auch endlich so an und lässt ungeahnte Energie aufkommen! Ich hüpfe gleich mal vor dem Wecker aus dem Bett, begleitet vom pichelsdorfer Vogelorchster und bin selbst ohne ersten Kaffee und morgendlicher Zigarette spontan in Bestlaune und einem inneren urlaubigen Gefühl, was eventuell mit der einen Tag zuvor gebuchten Reise nach Ibiza zusammen hängen könnte, welches mich dazu verleitet heute mal léger und farbenfroh zur Arbeit auf zu brechen, mutiger Weise sogar in meiner Huckleberry Finn- Latzhose. Gewagt. Aber die erste Begegnung mit einem Kunden bestärkt mein Unterfangen, heute allen mein sonniges Gemüt richtig unter die Nase zu reiben, denn ich „sehe ja so nach Urlaub aus“ und wie „toll es ist, morgens gleich so gut gelaunt zu sein“ ( bekannterweise ist der gemeine Deutsche morgens ja eher muffelig, da kann das schonmal auffallen) ! Ich beschließe meinem Auto heute auch was zu gönnen und fahre in die naheliegende Waschstraße, sauberes Gefährt passt auch viel besser zum Sommer. Es ist nur ein Auto vor mir dran (So ’ne Vordränglerin, die erst vor die Waschstraße fährt und dann erst ihr Ticket holt. Mag ich nicht aber was soll’s, heute nicht aufregen!) und die Schummeltante fährt rein und es will einfach nichts passieren bezüglich Waschvorgang. Die Tür geht auf und sie ruft lautstark “ drücken sie mal den Knopf!“ und das tue ich; sehe aber, dass die Karte klemmt. Bevor ich irgendwelche Zeichen geben kann hat sie wohl das Schild entdeckt, wo drauf steht, dass man doch bitte Hupen soll, wenn etwa nicht in Ordnung ist. Mir fallen fast die Ohren ab, denn es hallt wie in einer Höhle und ist so unerträglich laut, dass mir der Kopf schwirrt. Da sie auf meine winkenden Zeichen nicht reagiert und offenbar Gefallen am Hupen gefunden hat und dieses ohne Pause mittlerweile tut, beschließe ich einfach im Shop Bescheid zu geben- denn heute lass ich mir durch nichts die Laune verderben. (Wobei ich sagen muss, dass einfach weg zu fahren und sie dort hupend sich selbst zu überlassen wahrlich ein netter Gedanke wäre. Denn ich glaube sie hätte noch ganz lange dort verweilt, schon aus Angst, dass es dann doch losgeht! Muss ich mir unbedingt für solch kommenden Ereignisse merken!) Hilfe ist also im Anmarsch und ich empfange eine Entschuldigung wegen des Hupüberhörens und freue mich, dass es weiter geht, genieße die Sonne und warte auf meinen Einsatz.

Der Tag verlauft sehr angenehm. Ich erfahre von Zuhause, dass unser Internet nun wieder funktioniert (immerhin 4 Tage ohne) und unsere alte Vogelgruppe wieder zum Trinken und Baden erscheint; ist mir fast schon unheimlich, soviel Positives. Beim Haare schneiden erfahre ich, dass STAU die Abkürzung für STehende AUtos ist und bin wirklich froh, dass man nie aus lernt und erst recht nicht dümmer stirbt und freue mich über meine wiedergewonnene Sommerfrisur; um eine Kissenfüllung an Wolle auf dem Kopf erleichtert lässt sich auch gleich die anstehenden Hitze besser meistern. Meinen letzten Termin erreiche ich fast ’ne halbe Stunde früher und suche mir einen Platz in der Sonne um Vitamin-D zu tanken; dringend notwendig, denn es gibt keinen Menschen in Berlin, der so blass ist wie ich.

Nach einer Stunde erfahre ich zudem, dass ich auf einem guten Weg bin und meine unfreiwillige Auszeit letztes Jahr nicht mehr vorkommen wird, zumindest nicht in solcher Form und auch nicht absehbar. Voller Glücksgefühle und einem echt verdammt guten Tag fahre ich nicht nur mit Sonne von oben, sondern auch im Herzen nach Hause. Das Leben ist schön!

Denkanstöße, zu Hauf

Ich habe heute in meinem Facebook- Account eine Erinnerung an eine Veranstaltung erhalten, 30 Minuten, bevor diese gestartet ist, weil ich
„interessiert mich“ angeklickt habe. Hat es ja auch. Es ist in real- time aktuell 20:31 Uhr und ich habe mir tatsächlich diesen wunderbaren, von einer Schulfreundin und zudem höchst begabten Schriftstellerin, Bloggerin und Podcasterin, Live- Stream in Form einer kleinen Mini- Salonage , ein Who- is- who handverlesener Wortakrobaten , erlesene Kurzbeiträge aus Lyrik, Prosa und Musik, angeschaut und bin- nach kurzzeitlicher Panik, da ich die Zoom- App noch nicht herunter geladen hatte und danach unsicherer Handhabung, ob Kamera an oder nicht- aufgrund der Optik, die auch der restlichen Hörerschaft nicht unverborgen bleibt- auf unsichtbar geschaltet und einfach nur insgesamt vier Beiträgen gespannt gelauscht und mich an Themen berauscht, die ich selbst schon versucht habe in Worte zu fassen aber mich nie getraut habe (da irgendwie tabulös behaftet) und jetzt wiederum darüber nachdenke, da ich soeben meinen Meistern virtuell begegnet bin. Ich fühle mich teilweise an düsterste Songs oder Lyrik meiner Jugend erinnert und bis heute hat sich bis gerade eben nichts geändert: diese unfassbare Dankbarkeit, dass es wirklich Menschen gibt, die diese „ohne- Worte- Gefühle“ in Worte fassen können; so unglaublich schön, dass es einem nur die Tränen in die Augen treibt; sei es aus Gründen der Thematik selbst oder aber weil man glücklich ist, dass endlich jemand seine unbeschreibliche Gelähmtheit durch Trauer oder Verzweiflung in Worte gefasst hat, so dass es für einen balsamgleich die puzzlegleich zerstörte Seele wieder zusammen setzt

Es geht um Verluste, die jeder in seinem Leben (wahrscheinlich) erlebt hat; durch schwere Krankheit, Suizid eines geliebten Menschen, Bekannten, oder einfach nur, dass man dies mitbekommen hat, dass einem Freund oder Bekannten so etwas widerfahren ist und man sich einer Ohnmacht gegenüber stehen sieht, die tatsächlich nicht nach Lehrbuch gemeistert werden kann, bzw. es keinerlei Regeln gibt, die man befolgen kann, um der Situation Abhilfe zu schaffen.

Ich denke als allererstes an meinen damals besten Freund, der – nicht nur gefühlt- von jetzt auf gleich tatsächlich einfach nicht mehr unter uns war. Neun Monate, ohne Vorwarnung oder Anzeichen, löschen ein erfülltes Leben aus, wie es damals die Rückseite auf Stiften gab, die vorab Geschriebenes in Nullkommanichts für immer ausradierten- nur ohne jemals wieder überschrieben werden zu können- einfach so. Es hat mich zum ersten Mal so krass erwischt in meiner sonst so unbekümmerten Art und hat nicht nur etwas in mir zerstört. Es ging ein komplettes soziales Netzwerk zu Grunde und dies ist bisher noch nicht wieder verheilt. Mit dieser Trauer umzugehen alleine ist ein unberechenbares wildes Tier, denn es passiert unvorhersehbar- eventuell für andere unpassend- aber so ist es eben: nicht umsonst wird ja hier auch von – Gefühlsausbruch gesprochen.

Man ist einfach auf sich alleine gestellt mit seiner Angst/ Wut/ Unsicherheit und Verzweiflung; nackt und ungeschützt und eigentlich doch nur einer unter vielen, denn es geht letztendlich jedem so, man spricht halt einfach nicht so gerne und öffentlich darüber.

Es ist 2005. Vorher hat man zahlreiche Verluste mitgemacht, getröstet und war auch immer bewegt, bis einem ein Mensch genommen wird, bei dessen Scheiden ein Teil des Herzens heraus gerissen wird und man vorübergehend wie in Trance weiter lebt und den tatsächlichen Sinn des Lebens in Frage stellt.

Viele sind seither gegangen, es werden stetig mehr. Über den plötzlichen Tod meines Vaters kann ich bis heute nicht gut reden, geschweige denn, dass ich es in Worte fassen könnte; ich bin leider eh nicht die Beste, wenn es um Gefühle geht. Er fehlt mir, oft.

Das Thema der dritten Laudatorin war Suizid; gepackt in eine Geschichte, die anfänglich gar nicht ahnen lässt, wodurch der Verlust entstanden ist- auf eine Art und Weise umschrieben, die etwas ganz besonderes an sich hatte- nebst dem Verlust auch die Darstellung der Hinterbliebenen sehr einfühlsam in Worte gefasst; diese Leere, den Alltag zu meistern und doch wissend, dass niemals nie irgendetwas wie bevor sein wird/ ist/ werden wird. Schlimm. Auch dies ist im engen Kreis so geschehen. Vier Monate vorher noch euphorisch über unseren Wohnmobil- Spleen auf ner 80er- Jahre- Party ausgelassen ausgetauscht und Erfahrungen geteilt und plötzlich gibt die Information über sein gewähltes Ableben, auf meiner als Party geplanten Geburtstag, eine düstere Wende, ein Schatten legt sich über alle Anwesenden, nicht nachvollziehbar der Entschluss des für immer Gehen wollens und auch Vollbringens.

Ich habe diesem Thema längere Zeit kein Verständnis abgewinnen können; wenn man aus gesundheitlichen Gründen 1,2 Mal oben angeklopft hat (nicht, dass ich an Himmel oder Hölle glaube, aber es ist bildlich ganz gut darstellbar- und jeder versteht, was ich meine), der Platz an der Pforte aber aus irgendeinem Grund nicht besetzt war und man deshalb wieder zurück durfte, um weiter zu machen und zu leben, war mein Horizont offenbar zu Ende, bei der Vorstellung, dass es etwas gibt, was so schlimm ist, dass es etwas so ( unheilbar) Schlimmes gibt, dass einem den Wunsch einpflanzt, dies zu beenden. Ich konnte es einfach nicht begreifen, es war mir so fremd und zugleich extrem angsteinflössend, dass ich es nicht fassen konnte. Es fällt mir immer noch schwer.

Schlimm ist, dass man sich unweigerlich als erstes um die Hinterbliebenen sorgt- nicht falsch verstehen, das ist nur allzu normal, denke ich- als zu hinterfragen, ob man nicht hätte was erahnen müssen oder es direkte Anzeichen gegeben hat, die man einfach nur übersehen hat oder nicht deuten konnte. In diesem Fall sind wir bis heute unwissend, ohnmächtig und der ein oder andere schiebt sich selbst eine gewisse Schuld durch “ Signale falsch verstanden “ zu haben in die Schuhe. Nackt, starr vor Trauer, kann ein solcher Gedanke durchaus gedacht werden. Man sollte darüber reden, sonst geht man vor die Hunde; es darf kein Tabu oder gesellschaftliches Randthema mehr sein.

Aktuell freue ich mich wie Weihnachten/ Geburtstag und alle anderen Feiertage zusammen, dass mein Bruder im Herzen, den ich nie hatte und den ich über alles liebe, es überstanden hat, dieses übel unwillkürlich zubeissende Schalentier, welches meinte auch ihn uns und der Welt zu entreißen. Ich möchte eigentlich gerne häufiger darüber sprechen, was es mit mir macht und wie krank vor Sorge ich bin, aber ich mache es nur jetzt in diesem Moment. Sonst ist es eher eine Sache, die im Verborgenen, mit sich selbst ausgemacht wird; nackt und ungeschützt, immer mit der Hoffnung, dass alles wieder gut wird und einem aus der Ohnmacht geholfen wird. Wie egoistisch ich doch bin…in dem Fall offenbar ja. Ich kann nicht anders. Es tut mir Leid.