Sommer in Berlin

Aus aktuellem Anlass melde ich mich mal wieder zu Wort.  Seit genau einer halben Stunde habe ich mein nunmehr drittes PCR- Ergebnis vor liegen, welches besagt, dass ich mal wieder positiv auf COVID getestet wurde, nachdem ich die letzten Tage- erstmalig- unter heftigsten Symptomen gelitten habe und bis vor Kurzem gehofft habe, dass ich einer sommerlaunigen Grippe unterliege, welches mein wochenendliches Aktivitätsleben mehr als unterstrichen hätte und ich geneigt war zu glauben, dass es sich um sogar eventuelle Ermüdungserscheinungen, aka Körperaufschrei- Symptome gehandelt haben muss, denn das Arbeitsleben plätschert ja auch leider nicht wie ein ZEN- Brunnen an einem vorüber, ganz im Gegenteil.  Das einzige, was mich an meiner Online- Diagnose irritiert hat und – ich musste zweimal hin schauen, genauer gesagt auf das Datum,  war, dass es sich um den genauen Wortlaut, inclusive ct- Wert gehandelt hat, als beim Erstbesuch im Januar diesen Jahres. Kam mir schon irgendwie eigenartig vor, ein wenig.  Zudem kommt, dass das Ergebnis normalerweise innerhalb der nächsten 24 Stunden bereit steht, so steht es auf dem Mitnehm-Zettel, es aber gerade mal 6 Stunden vergangen sind…(ich war halt neugierig!) egal, kann ja sein, dass die Testroutine es ermöglicht, innerhalb kürzester Zeit Ergebnisse zu präsentieren, die leider Gottes, textesgleich mit dem ersten Ergebnis einher gehen. 

Diesmal aber erachte ich, trotz all der (es sind wahrlich nicht alle Gründe aufgelistet) Ungereimtheiten, dieses Ergebnis das erste Mal als anerkennenswert, denn ich habe das erste Mal Symptome und zwar nicht nur für einen Tag, sondern leide mittlerweile den dritten Tag in Folge.

Rückblick auf den letzten Freitag: ich hatte ein sogenanntes Malerfrühstück beim Handel, sitze ab 6 Uhr im Auto Richtung Wittenberg auf der A9, es sind bereits 16 Grad. Ich muss irgendwann, nicht nur meine Zigarettenpause, rechts raus fahren, denn ich friere innerlich so sehr, dass ich Eliza Konkurrenz mache und krame aus dem Kofferraum meine flauschige Fleece-Jacke heraus, drehe beim Weiterfahren die Klimaanlage auf 24 Grad hoch, volle Power und genieße, nun gut akklimatisiert, die restlichen Kilometer. 7:30 Uhr erreiche ich mein finales Ziel und beginne mit dem Aufbau der Veranstaltung. Gleich um 8 Uhr geht es los und die ersten Kunden wuseln interessiert um unseren Stand, herrlich. Ich merke erst eine ganze Stunde später, dass mir unfassbar warm wird, kann aber die Jacke nicht aus ziehen, denn ich habe Gänsepelle. am ganzen Körper und kalten Schweiß auf der Stirn. Da dies von Null auf gleich passiert, bin ich im Verdrängmodus und halte mit Informationen an die Öffentlichkeit zurück. Keine Stunde später alarmiere ich alle, die sich aber in erster Linie darüber lustig machen, dass ich seit langem kein Fleisch mehr esse und schieben es auf die was auch immer für ihnen für witzig empfundene Vegetarierschiene. Dass ich in der Sonne, bei mittlerqweile 24 Grad friere, interessiert offenbar keinen. Naja, wie auch immer. Ich fahre gegen 13 Uhr Richtung Potsdam, um mein Auto zu entladen und stelle fest, dass ich, als wirklich routinierte Fahrerin, Probleme beim Konzentrieren, aka Augen auf halten, habe. Ich komme trotzdem irgendwann dort an und treffe eine Kunden, der nach dreiwöchigem Urlaub das erste Mal meine Weg kreuzt; ich freue mich total, verzichte aber auf die ansonsten freundschaftliche Umarmung und muss sehr zeitnah das Gespräch unterbrechen, eher abwürgen, denn ich fühle mich wie ein Teller bunte Knete. Er scheint zu verstehen und wünscht mir trotzdem (er kennt meine Wochenendpläne) ein nettes Happening am Wochenende.

Ich komme zuhause an und messe als erstes Fieber, denn es kocht hinter der Hirnplatte bemerkenswert hoch und meine Augen sind stark gebeutelt, fiebrig halt. Alarm! 38,8 zeigt das Thermometer und ich kotze im Strahl, denn es geht nicht nur heute Open Air, sondern das gesamte Wochenende, inklusive Montag. Ach ja, ich habe ja noch diese super Tablettenkombo von Wick DayNight- vier Pillen über den Tag und Nacht verteilt, die einen das Leben vorübergehend erträglich machen aus dem USA- Urlaub über! Jippieh! Zack! Morgens und Mittagstablette inhaliert, hin gelegt und sage und schreibe 2 Stunden später renne ich wie ein Flummi durch unsere Wohnung und weiß gar nicht, was ich als erstes tun soll! Erik hatte ich ich beim Nachhausekommen kurz angeschummelt, indem ich leicht erhöhte Temperatur vorgegaukelt habe- er hätte mich im Leben nicht unter das Partyvolk gelassen…hab`s ihm beim gehen dann verraten, fand er trotzdem nicht so dolle. Ich aber wiederum war in Bestlaune!!! Schließlich habe ich `ne Freundin eingeladen, die bei dem Anruf über diese Info bestimmt wieder gedacht hat, dass ich absage…denkste, Puppe! Nach langem Hin und Her, wo man sich trifft, sind wir finally an der Zitadelle angekommen; mich verwundert die extremst lange Schlange, die bis auf die andere Straßenseite reicht und es dauert, bis wir erkennen, dass dies die Leute sind, die ihr Gepäck abgeben müssen…WTF? Wer geht mit einem Rucksack so groß, dass er eine Woche überleben würde, auf ein Konzert? Offendichtlich mehr als genug, mir schleierhaft! Wir schleichen uns vorbei und tingeln kurzerhand später auf dem Gelände der mir sehr geliebten Zitadelle rum. Online war kein Support zu erkennen und deswegen schmettert uns Patti herself uns ihre gesamte Größe schon beim Hereintreten entgegen! Es ist 19:50 und ich frage mich, ob die Taschenvagabunden überhaupt noch etwas mit bekommen, was mir aber- ehrlich gesagt- dann doch egal ist. Wir gehen erstmal zum, Merch und ich ersteigere tatsächlich ein Shirt, bin sonst gar kein Merch- Typ, es sei denn, es gibt Sticker oder Pins. Getränke stehen bei den Temperaturen selbstredend hoch im Kurs und meine Mitreisende guckt mich verwundert an, dass ich nur einen Drink bestelle, denn sie baut vor und hat gleich zwei am Start. Ich bin da eher Oldschool, denn mehr als nötig- und es ist echt rappelvoll in der alten Festung- geht einfach nicht für mich. Nach weiteren 90 Minuten ist der ganze Hokos Pokos auch schon wieder vorbei. Ihr Sohn hat mit dem Gitarristen immerhin “I wanna be your dog“ gespielt, alles Bekannte wurde geliefert, außer meinem extraordinären “Rock`n Roll Nigga“…schade, dass selbst eine Patti sich der politischen Zensur unterzieht. Ohne Wertung…aber ich fand`s schade! Da es noch hell ist, gerade mal 21:45 Uhr, sind wir gewillt uns ein Uber zu rufen und noch einen Absacker im Amistad zu nehmen. Irgendwie ist es dann plötzlich doch 0:45 Uhr und ich mache mich auf den Weg, denn morgen früh um 11:30 Uhr bin ich schon wieder für das Tempelhof Sounds verabredet…Festival- Wochenende!!! Ich taumel ein wenig nach Hause, denn ich bin nicht nur immer noch fiebrig, sondern zudem auch ordentlich angeschickert, war mein persönlicher Absacker doch ein Caipirinha…Oh lord!

Mein Fiebermessergebnis sagt allerdings morgens um 9 Uhr am nun mittlerweile eingetrudelten Samstag, dass ich nur noch 38 glatt auf der Uhr habe. Bestens! Morgens- Tablette rein geschmissen und ab gehts Richtung Rathaus. Ich sehe irgendwie alles andere aus als bereit aber es wird schon, denn ich freue mich wie blöde auf dieses Freundinnenwochenende!!! Eine Station an Tempelhof vorbei, Hermannstraße quasi, Freundin wartet schon seit “von- bis“ Ankunftszeit, geht es endlich los! 4 ältere Girlies on her way to paradies!

Bin pissed, dass ich meinen Schrittzähler nicht aktiviert habe, denn das gibt extra- Punkte, Weight watchere seit Januar, und das gibt gehörig Zusatzpunkte in Form von erfrischenden Cocktails zum Beispiel….just saying! Aber eine andere aus unserer verwegenen Gruppe hat diesen am Start und ich übertrage diese einfach später auf mich… let`s go! Eine von uns war gestern schon hier und pilgert gleich zum ersten Gig, während wir uns erst aklimatisieren müssen und das Gelände scouten. Sehr nett, nicht so unorganisiert wie das erste Lollapalooza damals, ganz im Gegenteil finde ich. Genug Platz, Sitzmöglichkeiten- tw auch im Schatten- und sehr abwechslungsreiches Essen, bzw. Getränke, inklusive Wasserspendern…bin begeistert!

Horten uns parallel zur Bühne, wo Madame S ihren ersten Gig erlebt und bin beim Essen echt begeistert von der Performance. Note to myself: ARTE Mediathek aufsuchen, um alles nochmal Revue passieren zu lassen! Unabhängiger Treffpunkt- und das gilt bis Sonntag einschließlich- ist der Radio 1 Bus, mit ein wenig Glück auch mit Sitzgelegenheit, zumindest auf dem Boden im Schatten. Der Planet brutzelt unaufhaltsam von oben, aber Petrus meint es gut, denn das wolkenfreie Himmel-Verhältnis entscheidet sich festivalfreundlich für wolkig. Wir lernen eine Bekanntschaft von Lady S des gestrigen Tages  kennen, SuSa- eine teufelswilde Frau mit 60 Lenzen am Start, die alleinig dieses Festival besucht hat und nun mit einem Rudel leben muss. Poor her. Obwohl. Es hätte sie weiß Gott schlechter treffen können, wenn ich uns so anschaue! Ich vorneweg, gedopt bis unter die Schädelplatte (infected Stammhirn!) , gepriesen ist die Combo aus Wick Day and Night…fühle mich Susa gleich, teufelsbrautig, für jeden Spaß zu haben, nur manchmal mit Verzögerung und langsam verspüre ich Cocktaillaune, yeah! Nach der Mittagspille ist vor der Nachmittagsbeschallung und so treffen wir in illuster Runde am Cocktailstand ein: Caipi, ja und zwei Mojito. S ist noch am Radler trinken, Nachwehen von gestern oder so. Das sonnige Gemüt zum inseltauglichen Kaltgetränk passt hervorragend und ich habe wirklich kurzerhand das Feeling nicht in der Mutterstadt zu sein; zu toll ist es hier mit den Mädels auf dem alten Flughafen, von dem ich tatsächlich 2 Mal den Boden verlassen habe.  Ich habe natürlich für umweltfreundliches Trinkvergnügen gesorgt, hat mir meine Lieblingsfrau letzten Geburtstag erst geschenkt, wissentlich, dass die nachhaltige Variante bei Cocktails schnell mal scheiße schmeckt, da aus Pappe.  Ausgestattet mit high on pro, survival gleich, starten wir nun endgültig durch. Jippieh! Die Idles gehen mir im Hintergrund angenehm auf den Sack, den anderen ist es glaube ich egal. Rum und Mittagsdosis vertragen sich hervorragend und wir schlendern so über` s Feld, bishin zu Maximo Park, die ich echt über 20 Jahre nicht live gesehen habe und prompt `ne Wette verliere, da ich schwöre, dass der Sänger ein Schwarzer ist und richtig abkacke…weil mit Bloc Party verwechselt…und so….aber so ist das nun manchmal eben. Tut der Sache keinen Abbruch. Die Sonne kommt kurz mal durch und ich empfinde dies als wirklich kuschelig, denn trotz Patti gestern und dem Hier und Jetzt ist mir doch häufig kalt, alles blockt so ein Unterdrücker dann doch nicht weg, offenbar. Es steht Muse auf dem Plan als Highlight und das ist es für mich tatsächlich, denn ich habe sie tatsächlich noch kein einziges Mal live gesehen. Hoch sind meine Erwartungen, obwohl es gar keine Enttäuschung geben kann, sind sie bekannt für sehr laute, laute Auftritte bekannt, was die Songauswahl fast als Nebensächlichkeit erscheinen lässt und ja, es geht gleich ohrenbetäubend los, weltklasse ! Muse liefert ab, bishin zu Foxy Lady; das brasilianische Pärchen vor mir rastet genau so aus wie ich und wir singen uns den Klassiker in unsere Gesichter und feiern, was das Zeug hält. So muss Festival denke ich und hole mir noch ein Bier- auch das muss sein, bin ich schließlich nicht zum Vergnügen hier! Lach! Fehlt nur noch eine Coverversion von Helter Skelter- ich denke, dass ich das nicht überstehe und besinne mich auf gewohntes Hammer- Material von MUSE und so lassen wir den Abend dann auch ausklingen. Sind doch echt viele Leute auf dem Feld und ich alte Freundin der geselligen Massenveranstaltungen, bin voll in meinem Element und freue mich auf die Heimreise via Öffis- könnte nicht besser sein. Leider fährt kein Taxi, Uber oder Bolt, denn die Verkehrspolizei hat nach der Luftbrücke alles dicht gemacht, der Punk regiert die Straße, Benehmen ist halt immer noch nicht angesagt- lernen die wohl nie!

Symptome: Fehlanzeige! Eher Sommer- in Berlin- Feeling und nach 8 Stunden Schlaf ist alles auch irgendwie schon wieder sommerlicher und die Vorfreude lässt einen den ganzen Heck- Meck vergessen- Frühstückspille sei Dank! Einen Kaffee und Outfit später befinde ich mich auch schon wieder auf dem Weg, der Meine wünscht mir erneut mega viel Spaß und ich sage beim Hinausgehen, dass er sich da mal keine Sorgen machen soll, denn heute tauchen zusätzlich noch 2-3 bekannte Gesichter auf und tanze gut gelaunt zum Bus. Puh. Maske ist dann doch nicht mein Ding, stelle ich immer wieder fest, ist ja zum Schutz- muss man sich immer wieder sagen, damit es nicht in Vergessenheit gerät. Geht mir tatsächlich gar nicht so schlecht heute und ich absolviere die paar Stationen bis zum Rathaus doch recht entspannt. Allerdings kratzt der Funfaktor unmerklich, zumindest nicht aufdringlich, am Allgemeinzustand und ich liebe es, dass T. genauso wortkarg ist, wie ich. Man muss auch mal schweigen können, ohne Erklärungen und so weiter.

Am Zentrum des Geschehens angekommen finde ich, dass es jetzt so richtig schmettern müsste, um leibhaftig zu erfahren, warum man denn eigentlich hier ist. Leider gibt das Line- up nur seichtes Geplänkel her, mir zu ausgeruht und gar nicht zum “wake- up“- call, der mir vorschwebt.

S, T und ich beschließen Sushi zu frühstücken, ist ja schließlich schon 13 Uhr durch, also Attacke! Was für ein Gaumenschmaus das doch ist! Yumyum…könnte `ne ganze Batterie voll von dem Zeug essen, quasi einatmen. Selbst das glibschige Algengedöns kann mir den Spaß am Verzehr nicht nehmen und ich frage nur in die Runde, ob ich das halbe Watt in den Zähnen zu hängen habe, was glücklicherweise verneint wird und so geht es mit der ersten Kaltgetränkbestellung einher, dass ich vorerst auf Essen verzichte, vorsorglich aber mit dem letzten Happen und erstem Schluck Gerstensaft, die mittagliche Dosis einwerfe, muss ja nicht leiden an so einem Tag, `ne?

Gegen frühen Nachmittag läuft mir ein bekanntes Spandauer Gesicht über den Weg, auf der Suche nach dem Rest seiner Combo. Es spielt eine mir bis dato unbekannte Band, die mir quasi mitten in mein musikalisch ausgedörrtes Herz sticht- ich bin echt hin und weg! Der Euphorie wird meine persönliche Grenze mit der Anschlussband aufgezeigt, denn ich kann beim besten Willen nicht nach vollziehen, warum Tausende hier so abgehen. Bis zum Gesang war eigentlich alles soweit in Ordnung..tsja, bis eben…T. und ich hauen uns am Radio Eins Bus in den Schatten, nutzen die Gunst der Stunde und flanieren abwechselnd noch zu den aktuell nicht stark frequentierten Toiletten und genehmigen uns noch ein erfrischendes Kaltgetränk. Man merkt, dass es Sonntag ist, denn selbst die junge Partycrowd hängt irgendwie in den Seilen, aka Schatten und pennt tatsächlich so vor sich hin.

Und plötzlich, keinen Meter von uns entfernt, erkenne ich eine mir vertraute, seit Jahren nicht mehr gehörte Stimme und blicke auf, um in ein ebenso überraschtes Gesicht zu blicken. Die Welt ist klein, Spandau noch muckeliger, so viel steht fest. Er ist mit seinem Sohn und der Runde unterwegs, auf die ich eigentlich warte, nice! Ich bin geschockt, dass der Zahn der Zeit an anderen nicht ganz so nonchalant vorbei geht, als bei einem selbst aber mache keinen Häckmäck deswegen, Zeitverschwendung wäre das. Und so labern wir oberflächliches Zeug, da der gemeinsame Zenit seit mehreren Jahren überschritten ist und ich stelle fest, dass ich das nach wie vor noch echt gut kann. Es ist mittlerweile wieder Zeit für die Nachmittagsrunde, denn ich bekomme leichte Anfälle von Ermüdigungserscheinungen; also nichts wie weg damit! T. hat mittlerweile auch die anderen entdeckt und so plaudern wir wirres Zeug von heute, damals und überhaupt vor uns hin und haben echt Spaß. Ich habe das Zeitgefühl komplett verloren und würde mir nur wünschen, dass es nicht schon Sonntag ist, denn es passt alles so wunderbar zusammen. Schön auch, dass irgendwann SuSa auf uns zu läuft, die echt coole Rudelaufstockerin von gestern, die eigentlich schon 2 Stunden vorher eintrudeln sollte, weil S. explizit auf die gewartet hat; sie hat halt echt lange auf den Kaffee gewartet und kommt heute eh schwer in die Gänge. Kann ich nachvollziehen, zumindest ist es mir aber auch nicht so wichtig, denn ich kenne sie ja quasi gar nicht. Auf Nachfrage, ob es ihr aber gut geht, sie dies bejaht, bin ich dann aber doch beruhigt- bin ja schließlich kein Unmensch!

Keine Ahnung, was danach am Start war oder ob es tatsächlich schon zum diestägigen Highlight über ging, den Strokes nämlich, keinen Plan! Fakt ist, dass es mit den Strokes los ging, die Leute mir echt übertrieben rüber kommen, denn es scheint, als wäre es das Event ihres Lebens. Ich bin schon beim über langem Intro genervt und auf dieses Gefeierte komme ich auch nicht so klar. Die Menge flippt richtig aus und es eskaliert bezüglich Standorten und dessen bei behalten. Mir ist das recht schnell zu viel, denn auch der Sänger reißt für mich diesen Quadratmeterkampf nicht raus- er scheint unfassbar betrunken, was alleine dadurch klar wird, dass er nach jedem Song mindestens zwei Minuten rum labert, was mich echt in den Wahnsinn treibt! Ich Stelle fest, dass ich gerne raus aus dem “ inner circle“ möchte und es auch nicht so übertrieben fände, wenn man absehbar das Gelände verlässt. Da ich weder komplettes Entsetzen, noch anderweitiges Kontra bekomme,laufe ich also einfach los und bemerke lautstark beim Durchqueren der Mitstreiter, dass ich echt doch ganz schön gelangweilt bin und jetzt eher Bock auf Greenday oder sogar Rage against the Machine hätte. Ich empfange einige Signale aus der Masse, die mir Recht geben und das reicht mir auch schon für heute. „Last night“ bekommen wir nicht mehr mit und es stört uns auch nicht wirklich, mich zumindest. Was mich stört ist eher, dass gegen 21:35 keine einzige S-Bahn unser Gleis beehrt. Nach unfassbaren 20 Minuten beschließt S. schließlich ein Uber zu rufen und so laufen wir gegen den Strom aller Festivalflüchtlinge wieder runter zur Straße, um Tom absehbar zu okkupieren, der uns hoffentlich heile nach Hause bringt, unser Fahrer. Ein normaler Bus hat zudem noch eine Panne und blockiert den kompletten Abschnitt des T- Damms…voll mein Ding. Aber hey, ganze 40 (!) Minuten später sind wir am Rathaus und ich muss fest stellen, dass alles echt viel komplizierter geworden ist, als es mal war. Denn, Tom während der Fahrt gefragt, ob er mich nicht einfach nach Abschmeißen der Mädels weiter fahren könnte, quasi nach Hause, muss ich mir anhören, dass dies nur nach erneuter Online- Anmeldung erfolgen kann, sonst halt nicht. Aha. Soso. Na, dann wohl nicht! Leider sehe ich am Rathaus ohne Brille nicht gut genug und so renne ich dem Bus entgegen, der eigentlich meine Straße anfährt, nur dieser nicht- obwohl der Fahrer mich mit ungläubiger Miene dich noch rein lässt- ich dann, keine 150 Meter später wieder aussteigen muss, denn dies ist nicht der reguläre Bus und dieser endet hier. OMG!!! Ich komme irgendwie doch noch Zuhause an und bin fix und fertig und so gar nicht mehr in Open Air Stimmung, wie noch vor ein paar Stunden, aber safe at home! Es stehen nunmehr nur noch 6 Stunden auf der Uhr, bevor der verrückte Wecker wieder alles kaputt macht und ich haue mir die Nachttablette rein, in der Hoffnung, dass sie wirkt! Rockn’Roll!!!

Wem das gefallen hat, der kann sich auf mein erstes Buch freuen, denn dies ist der grobe Stil…🙏🤘

Ich bin gestresst…

Nach der Party ist vor der Party! So war es schon immer…irgendwie. Nur, dass die empfundene Aklimatisierungszeit zwischen diesen gesellschaftlichen Verpflichtungen, zumeist selbst gewählt und der persönlichen Zeitlinie freiwillig hinzugefügt, irgendwie durch die Finger rinnt, minutenhaft dahin gleitet und plötzlich gehäuft, sich einem einen unabgewaschenden Haufen an Geschirr gleichkommend, vor die Füße schmeisst und wie ein Berg vorkommt, der unbesiegbar erscheint.

Man wird ja auch nicht jünger…obwohl letztes Wochenende dem Tribut der Zeit wieder keinerlei Respekt gezollt wurde und auch irgendwelche physikalischen Grundregeln ausgehebelt wurden. So ist es nunmal, welcome to my life! Auch, wenn ich erst am Sonntag wieder in der Lage war, in geraden Sätzen zu denken, geschweige denn zu reden, war es mir jede Sekunde wert! Und so soll es auch sein!

Allerdings stelle ich fest, dass ich, die eigentlich gerne alles Erdenkliche plant, mich diesmal verkackter Weise verzettelt habe; aufgrund der Pandemie hat sich unser Kühlschrank als undurchschaubarer Konzerte- Abgrund heraus gestellt. Ich will mich nicht beklagen, sind doch 16 Konzerte im Laufe diesen Jahres noch am Start, so es der weltweite Status es derzeit zu lassen sollte. Aktuell scheint alles im Lot und so muss es aber auch wirklich, endgültig bleiben! Ich habe zum Nachholgeburtstagstermin ein Cure- Ticket geschenkt bekommen. Jeder, der mich kennt, würde ein komplettes Ausrasten vor Freude als Spontanreaktion erwarten, bin ich doch mit diesen Jungs groß geworden. Meine verhaltene erste Frage war, wann denn dieses statt findet. Verunsicherung seitens der Geschenkegruppe. Ich musste erstmal klar stellen, dass ich Monate in diesem Jahr habe, die gar nicht mehr gehen, da zu viel durch Verschiebungen auf mir teilweise undurchsichtige Daten verlegt wurden. Herbst, Oktober ist die Antwort- zudem mitten in der Woche. Puhhh…JA! Da kann ich; und jetzt: aussergewöhnlicher Freudentaumel, ob der Tatsache, dass ich Fat Bob, aka Robert Smith schon das 7te Mal live sehen darf! Aha, das erste Mal für die Mitreisenden…kein Problem denke ich, besser spät als nie! Gebongt!

Es ging schon vor der Feier letzten Freitag los, als ich anfangs der Woche tatsächlich mal alle Karten genauer ins Visier genommen habe und fest stellen musste, dass genau einen Tag vorher ein von 2020 verschobenes Konzert, genau da statt findet. Ich war nicht nur der 30 Grad in Berlin außer Rand und Band, sondern hatte auch noch ein Tagesevent in Form von Wiedereröffnungsfeier in Luckau von 7- 15 Uhr am Start…Schlafen 1-2 Stunden vor dem Event ging dann aber irgendwie doch nicht, so dass “real-time- Situation“ am Start war: Arbeiten, Essen und los! Kreuzberg aka Auto- jede Minute auf dem Heimweg zählt später; gepriesen ist mein Auswärtskennzeichen (!) , wir haben wirklich abenteuerlich vor dem Festsaal Kreuzberg geparkt, ohne Ticket oder sogar Abschleppen. Grandioses Event!!! Nach maximal 3 Tönen des ersten Songs rastet der ausverkaufte Saal komplett aus!! Vergessen all der Stress vorher und die Tatsache, dass morgen mein persönliches Highlight ansteht! Der Bass zieht mir fast meine Sandalen aus und ich bin froh, dass wir einigermaßen Bewegungsfreiheit haben- alles andere wäre eine Qual gewesen…gefühlte 45 Grad sind im Raum und innerhalb von 5 Minuten bin ich komplett nass geschwitzt- yeah! Endlich wieder back to life!

Dieses Event hat mich auf jeden Fall daraufhin sensibilisiert, dass ich bitterböser Weise fest stellen musste, dass es irgendwie mit meiner “ach-so-beliebten-Planung“ diesmal nicht so hin haut. Ich habe daraufhin erstmal meinen Arbeitskalender mit unserem einzigen Konzerteabgleichs-Kalender an der Badezimmertür verglichen und musste voller Entsetzen fest stellen, dass ich diesen in keinster Weise mit meinem beruflichen Dasein abgeglichen habe…zur Strafe bin ich an insgesamt 3 Abenden im Juni genau einen Tag vorher auf üblen Konzerten und ich bin leider nicht am nächsten Morgen in Berlin unterwegs…Katastrophe!!! Zudem folgen Einladungen über Einladungen, so dass ich in der Woche nach Pfingsten 2 Tage zum Erholen habe, der Rest steht in den Sternen, zumindest bezüglich Meisterung des Ganzen. Müssen denn tatsächlich ALLE Bands innerhalb von 10 Tagen ihre Konzerte nach holen? Offenbar. Hat sich nirgends einer mal Gedanken gemacht, ob des Geschmacks der Leute, dass es hier zu Schwierigkeiten kommen könnte? Oder aber, man geht davon aus, dass Menschen über 40 (hahaha) sowieso nicht zu all den Konzerten gehen und deswegen innerhalb von 10 Tagen 6 (!) Konzerte als Nachholtermin fest legen….ich flippe aus! Ich bin gestresst, wirklich!

Montag fragt mich meine langjährige Freundin, ob ich Bock auf Gästeliste hätte beim Lolla Palooza. Ich so: Wann ist das denn? Ich checke mal das Line-up. Line-up gecheckt und festgestellt, dass es nicht mein Ding ist. Ich bin sowas von ein Gästelistentyp; Dank ihres Sohnes habe ich schon echt viele geile Gigs mit genommen. Aber diesmal muss ich echt passen. Ehrlich gesagt , ist es das erste Jahr in meinem Dasein, dass ich nur unter erschwerten Bedingungen noch zusätzliche Konzerte zu lassen würde. Allein der Juni entpuppte sich als der allerschwerste…8 Konzerte innerhalb von 12 Tagen…WTF??? Gestern werde ich gefragt, ob ich nicht mit in die Zitadelle (Heimspiel) zu NOFX und anderen Punk- Bands will. Ähem, no…ich muss Verneinen. Zu viel, ist zuviel. Genau so verhält es sich in der ersten Juli- Woche. Da sagt Faith No More ab und zeitgleich entdecke ich, dass Jack White am selbigen Tag die Hauptstadt beehrt und schlage zu, schlimm genug, dass ich ihn während der White Stripes nicht live gesehen habe, aber der Kelch geht dann doch manchmal an einem vorüber; umso cooler, dass er jetzt kommt, zumal wir ja gerade eben noch in Nashville in seinem Third Men Record-Store waren. The Chats spielen allerdings am direkten darauf folgendem Dienstag ihr Nachholkonzert im SO36 und am Freitag dieser Woche sind wir in München, um zu erfahren, was Axls derzeitige Meinung zu Michelle und dem Civil War ist…

Zwischendurch habe ich noch Abitreff, zig Grillfeiern- auf die ich mich echt riesig freue, und Geburtstage im Überfluss…habt Nachsicht mit dieser alten Frau, die ihr Freundin nennt, denn ihre Kapazitäten sind (scheinbar) doch nicht unerschöpflich, obwohl es so scheint! “Krasser Zwinkersmiley!“ (noch nicht erfunden)

Ab September ist die Welt wieder in Ordnung, glaube ich zumindest, dann lasst uns 7me gerade sein lassen und vielleicht auch 11e….bis dahin bin ich echt gestresst, zumindest, was gesellschaftliche Dinge betrifft!

Düstere Zeiten…

Never ever in my lifetime hätte ich folgende Dinge annähernd in Betracht gezogen: Eine weltweite Pandemie diesen Ausmaßes: historisch gesehen passiert dies round about alle 100 Jahre, soviel ist bekannt. Trotzdem war ich mir felsenfest sicher, dass dies in einer so umfangreich geplanten und vermeintlichen Zukunftspräsenz, ready to enter den Mars und für alles gewappnet kommenden Irrsinns, nicht passiert, nicht so. Die 2020er haben aber noch viel mehr vom Nichtgedachten, niemals erahnenden, meinem persönlichen Horror in petto: seit kurzem herrscht Krieg. Kurz vor der Haustür und so unwirklich, dass es urst- eigene Ängste empor kriechen lässt, die sich durch selbst erwählte Wochenendablenkungen nicht weg denken lassen. Ein Alptraum wird wahr: es ist Krieg!

Eigentlich herrscht immer Krieg, irgendwo auf der Welt. Aber nicht so greifbar und erdrückend wie jetzt. Ich bin kein Russland- Experte, ich bin keine Journalistin, die von der Pike auf dieses Phänomen studiert hat und geschult Kommentare hierzu (und in den letzten 20 Jahren) abgeben kann; da bin ich Lichtjahre entfernt von, das gebe ich gerne zu. Was ich aber sicher sagen kann, dass mich die jetzige Situation massiv in Unruhe versetzt und ich tatsächlich seit genau 34 Jahren, fast punktgenau, der Zeitpunkt gekommen war, als das AKW in Tschernobyl geleckt hat und daraus ein erstes, endzeitliches, globales Armageddon passierte; das erste Mal, dass ich über filmisch vorgelebte Endzeitszenarien nachdachte, meine Phantasie hier ihr Übriges erledigte und ich an mich halten musste, um sprichwörtlich nicht komplett durch zu drehen. Und da war Terminator noch Geschichte. Just saying. Und dies alles aber geschieht JETZT! Dieses Zeitalter der neuen 20er ist gerade geschlüpft. In was für einer Dunkelheit dies gerade geschieht ist allen – glaube ich- aber bislang nicht zu greifen. Man wird übermannt von Ereignissen, die man sonst nur aus Geschichtsbüchern kennt. Während unsere Jugend sich teilweise geghostet fühlt, kehrt ein Geist der Vergangenheit wieder zurück: der Sensenmann geht um, mitten in Europa. In Gestalt eines Menschen, der verlorene Zeiten zurück wünscht und deswegen zur alleinigen Macht seines Landes greift: dem Militär. Man kann sagen, was man will. Dieser Mensch (und verzeiht mir meine naive Herangehensweise) will die alte UdSSR zurück, aus Gründen, so absurd sie erscheinen; um was? Dem Westen endlich Kontra zu bieten, weil er jahrelang die Füße still gehalten hat? Um genau jetzt evtl. zu demonstrieren, dass das „neue“ Russland durchaus in der Lage ist, um als Global – Player mit zu halten in diesem Irssinn an Anerkennung? Ich weiß es nicht. Mein Vergleich geht auch Richtung Hitler, der auch fanatisch, grundlos, Dinge durch setzen wollte, die ad absurdum geführt wurden.

Ich sehe meinen Opa vor mir, der voller Stolz im Kampf bei Stalingrad in letzter Instanz die Kurve bekommen hat und per Fahrrad Richtung Deutschland los geradelt ist, mit Einschusslöchern im Körper, die ihn immer mit Stolz erfüllt haben und niemals über den kranken Scheiß, der damals wirklich im Nachgang berichtet wurde, auch dazu ausgesagt hätte. Er war einfach nur froh der Hölle entkommen zu sein. Totalitarismus war noch nie gut für die Menschen und den Rest der Welt.

In dieser eh global katastrophalen Ausgangssituation trifft mich der Tod eines sehr geliebten Menschen dann doch abrupt: Robby hat den unerbittlichen Kampf gegen Gevatter Krebs verloren. Informationen über dies Ereignis sind um ein Vielfaches schlimmer, als dass der Nachrichtendienst schlimme News verbreiten kann. Eine wirkliche Welt stürzt in sich zusammen. Buchstäblich. Wissend über den Zustand und das Ausgehen zieht eine solche tatsächliche Begebenheit einem die Schuhe unter dem Boden weg. Und fast nur Robby weiß das: dies ist in meinem Leben echt nicht all zu häufig passiert. Umso mehr bei seinem Abgang dieser Bühne, die er so unfassbar geliebt hat, wie nur ich es von mir gerade behaupten kann. (Falls dies irgendjemand liest und anderer Auffassung ist, so sei dies so. Will und wollte keinen damit verletzen.) Er liebte das Leben und war einer der spontansten Menschen, denen ich je begegnet bin. Da genau bestand unsere gegenseitige Liebe glaube ich: nimm den Moment einfach mit! Warum warten? Wir haben nie gewartet und – bis auf wenige Ausnahmen – auch dieses nie bereut! Mit ihm geht ein mir sehr, sehr wichtiger Mensch. Ich habe so etwas in 2005 schonmal mit gemacht; nur ist es diesmal ein wenig anders. Intimer. Persönlicher. Nicht der Öffentlichkeit Preis geboten.

Dein letztes Geschenk an mich war dein Erscheinen an meinem 50. Geburtstag im PlanB. Ich danke dir von Herzen im Nachhinein dafür, denn ich habe erfahren, dass du danach nicht mehr außerhäusig warst. Was für eine Anstrengung Du auf dich genommen hast…mir fehlen die Worte. Du hast zu unserem letzten Treffen gesagt, dass du es echt Scheiße findest, dass wir immer über Eriks Geburtstag und/ oder unserem Hochzeitstag verreisen. Haste Recht, unfair den Leuten gegenüber, die uns/ ihn gerne gefeiert hätten. Hast aber auch gleichzeitig immer – und auch unseren letzten- jetzigen Plan geliebt und hast uns nur für unser gebuchtes Slash- Konzert in SC verflucht, da du das letzte in Berlin an Finlandia verloren hattest und mich mit einer Kusshand verabschiedet, der ich dir vorab zugeworfen habe….das schönste Geschenk, was du mir hättest geben können, geliebter Bruder! Ich liebe dich sehr! Krieg, Pandemie und Robby…es kann nicht härter kommen. Nicht möglich. Not in this lifetime

Resümée 2021

Was für ein Jahr geht hier nun zu Ende? Eines, in dem vieles erneut auf die harte Probe gestellt wurde und man Kräfte mobilisiert hat, von denen man dachte, dass die Batterie derer schon lange aufgebraucht ist, um sich dann doch auf zu rappeln und weiter zu machen. Eines, in dem Freude und Leid sehr dicht beeinander lagen: Verluste von geliebten Menschen eingeschlossen, bis hin zu Existenzniedergängen aber auch gleichzeitig Freude am Leben und Überleben in diesen Tagen allerorts, vor allem über den Kampf gegen die Zeit.
Ein Jahr, in dem sich beruflich gezeigt hat, dass man sich neuen Herausforderungen stellen musste, die vor 2 Jahren (und ich selbst nie im Leben damit gerechnet habe, dass dies in meiner Timeline mal passieren würde) undenkbar waren: Rohstoffmangel ist das neue Hexenwerk in der Industrie und dem verarbeitenden Handwerk; dafür, dass fast nichts mehr vorhanden war, sind wir alle sehr glimpflich aus der Nummer heraus gekommen.
Ein Jahr des politischen Umbruchs und globalen Veränderungen. (Das soll hier mal ohne weitere Ausführung stehen bleiben)
Ein Jahr, in dem unser persönlicher Joker bzgl. unbeschwertes Reisen, aka Walther, doch mehr Wehwehchen hatte, als uns lieb war und demnach auch die Urlaubstage, bis auf einige sehr schöne Ausnahmen, verschwendet vorkamen.
Ein Jahr des Älterwerdens (klar, wird man jedes Jahr, richtig) ; ein Jahr der Nullen quasi; schon ein besonderes Älterwerden. Man denkt zweifelsohne über das Erreichte nach; die Menschen, die einen mit zu dem gemacht haben, was man heute ist und entdeckt an sich (eventuell), dass dies noch lange nicht alles gewesen ist und man ja eh erst viel, viel später erwachsen wird und deswegen einer blümeranten und vielversprechenden Zukunft ins Auge blickt. (Außerdem ist die Party ja nur verschoben!)
Ein Jahr der Spaltung und des Auseinanderdriftens unter Freunden, Bekannten und im Berufsleben, im Kollegen- und Kundenkreis; das wichtigste Gut der Menschen, die Gemeinschaft, ist vor dem Kollaps und der Graben wird immer tiefer. Das traurigste an diesem Jahr war allerdings, dass es offenbar nur noch ein zentrales Thema gab und man sich glücklich schätzen konnte, nur über Belangloses- wie zum Beispiel das Wetter- zu sprechen oder gar optimistisch in die Zukunft blicken und sich auf das zu freuen, was da alles noch kommt. Fehlanzeige! Wie ein Geschwür kriecht diese Spaltung in jede Zelle der Gesellschaft und man möchte und kann es nicht mehr hören, bzw. ertragen und ist oftmals aber schon zu müde, es zu ändern.
Vieles hat dieses Jahr mit uns allen angestellt aber ich möchte mich auf diesem Wege auch herzlichst bei meinem Mann, meiner Familie, meinen Freunden und sonstigen Weggefährten bedanken, dass sie es trotz all der Widrigkeiten, zu einem sehr schönen gemacht haben! Bleibt gesund, rutscht gut rein und auf ein schönes 2022!!!

Man lernt nie aus!

Irgendwie dachte ich, dass ich mir kurz vorm Geburtstag mal was Gutes gönnen sollte und habe beim Friseur meines Vertrauens, der seit geraumer Zeit eine Kosmetikerin bei sich aufgenommen hat, einen Termin vereinbart., zwei Tage vor dem für mich feierlichen Ereignis. Man, tat das gut, sich 1 1/2 Stunden das Gesicht kneten, säubern und behandeln zu lassen! Bis sie eine sogenannte Milie entdeckt hat. Ich selber fand, dass sich das ganz niedlich anhört und sagte übereinstimmend, dass diese ja dann auch weg darf; nicht ohne aber darauf hinzuweisen, dass ich kein Streuselkuchen am übernächsten Tag sein wollte. Nein, nein! Das geht morgen wahrscheinlich schon wieder weg. Beruhigt auf diese Information habe ich mich wieder komplett entspannt und den therapiegleichen Klängen aus der Anlage gelauscht. Super! Meine Süße kleine Milie hatte sich aber leider als besonders anhänglich heraus gestellt und so doktorte meine vor kurzem erst vertraut gewordene Frau an mir rum…bis zu dem Zeitpunkt, als ich dachte, sie reißt mir mein Kinn ab. Autschn! Nichts desto trotz erwies sie sich als optimistisch und garantierte mir, dass es nicht so schlimm werde. Naja, gesagt getan, es war vollbracht und ich hatte ein komplett überarbeitetes Gesicht im Spiegelbild; kleine Rötungen sind ja normal, klar!

Schwupp die wupp ist es auch schon Mittwochmorgen und ich gehe unbefangen ins Badezimmer und mich trifft fasst der Schlag! Aus dem roten Punkt ist ein beachtlicher Wunden Erg gewachsen und ich muss fast heulen, denn schließlich sah ich vorher irgendwie besser aus. Gepriesen ist die Maskenpflicht! Nachmittags suche ich dann aber doch eine Drogerie auf und muss die circa 30 Jahre jüngere Kassiererin nach ner Empfehlung zu einem Abdeckstift befragen: den, den ich schon vorher ausgesucht habe und fragend hoch halte, bejaht sie und sie sogar selbst schon gute Erfahrungen damit gemacht. Fein! Gekauft.

Ab nach Hause und testen, was so geht; könnte schlimmer sein!

Der Geburtstags morgen ist da und ich muss gestehen, dass dieses „Ich lass es mir mal Gutgehen- Ding“ vielleicht nicht das beste Timing hatte und tarnen mich, so gut es geht eben mit dem neu erworbenen Allesverdecker. Wäre morgen meine geplante Party, wäre ich vermutlich kurz vor einer Klage bzgl. der Gesichtsexpertin aber so starte ich langsam in die zweite Jahreshälfte und hab Mal wieder etwas dazu gelernt: niemals, wirklich niemals neue Dinge ausprobieren, wenn etwas Wichtiges ansteht!

Happy Birthday to me! 🥂

Handwerkermangel

Echt super, wenn man aus dem Urlaub zurück ist und fest stellen muss, dass der Boiler defekt ist; dies aber auch nur, weil eben dieser über der Toilette angebracht ist (unter der Decke halt) und man sich wundert, dass es auf die Schulter tropft. Klasse. Die Hausverwaltung umgehend mit Beweisbildern, die das ganze Ausmaß belegen, via Mail informiert und Wasser abgedreht, damit es nicht üble Ausmaße annimmt. Natürlich vergisst man ab und an, dass das Wasser abgedreht ist und das führt unweigerlich zu Situationen, in denen du dich – alleine dadurch bedingt- wunderst, wie oft man so überhaupt Wasser aufdreht, bzw. benötigt. Das Wochenende hat uns gezeigt, dass wir hier noch Verbesserungsbedarf haben bezüglich Sparen der Ressourcen. Montagmorgende sind nach Urlauben eh schon die unbeliebtesten aller Wochenanfänge, besonders wenn es mittlerweile rostig auf die Schulter tropft. Leider bekomme ich erst Dienstag eine Antwort auf meine Bekanntgabe unseres Problems und eigentlich auch nur die Info, dass sich Firma XY bei uns melden wird. Fein, denke ich, immerhin. Es ist mittlerweile Mittwoch als der erwartete Anruf eingeht und es wird nach einem Termin gesucht; aufgrund der aktuellen Situation, die Mitarbeiterprobleme impliziert, werde ich darüber in Kenntnis gesetzt, dass es leider vor nächster Woche nicht klappen wird. Allerdings nur deshalb, weil Nachmittagstermine nicht in Frage kommen. Klar, arbeite auch nicht gerne am Nachmittag, kann aber nicht an mich halten, ’nen Spruch zu machen, der gepflegt ignoriert wird. Nun denn, besser als nichts akzeptiere ich kommenden Dienstag um 7 Uhr. Die Woche vergeht mit viel Ärger über das ständige An- und Abstellen des Haupthahns und die unglaubliche Tatsache, dass es nur morgens geht und deswegen so lange dauert bis was passiert. Egal, pünktlich um kurz nach 7 Uhr klingelt es und ein Mann Ende 50, so mein Eindruck, schleppt sich zu uns in den 2. Stock, leise vor sich hin fluchend und ich denke mir so, dass es offenbar nicht sein Tag ist, bzw. dieser vor kurzem schon ruiniert wurde. Kurzes „Hallo“ und direkt vis à vis ins Bad, um fast umgehend fest zu stellen, dass dies ja ein Blablabla von Boiler ist, ihm was komplett anderes zugetragen wurde und er nun erstmal so ein Teil besorgen müsste. Mach doch, wenn das die Lösung ist. Ach ja, bevor er wieder abgedampft ist, stellt er noch fest, dass er das eh nicht alleine hin bekommt und weg ist er. Um 8:15 Uhr wundere  ich mich dann doch, dass ich noch nichts gehört habe und rufe in der Zentrale an, um zu erfahren, dass heute eh keiner mehr kommt (hat mein Kollege etwa nicht Bescheid gegeben? Immer diese Mitarbeiter…tut ihr Leid) und weil das Modell bestellt werden muss und die Verwaltung dies auch erst genehmigen muss, da höher preisig, müssen wir eh erstmal abwarten, um einen neuen Termin zu finden. Aha, klar, verstehe. Eine ganze Woche später bekomme ich die postive Info, dass die Hausverwaltung den Vorgang abgenickt hat und besagtes Teil bestellt wurde, könne aber dauern. Erneutes Aha! Mein Mann findet den aktuellen Stand der Chose mittlerweile auch nicht mehr lustig aber wir können ja eh nichts tun, leider. Die Nummer geht in die dritte Woche und der Termin ist gefunden, um dem Ganzen endlich ein Ende zu bereiten. Besagter Vorsichhinflucher quält sich die Treppen rauf und hat tatsächlich einen Kollegen im Schlepptau- Chefkoch von Southpark in Persona! Da bin ich mal gespannt, denn unser WC ist eh schon schmal geschnitten und ich bezweifle, dass der gestresste Ältere das hin bekommt, bzw. muss er dies, denn Chefkoch wird dem körperlich nicht gewachsen sein, es sei denn er ist ein Schlangenmensch. Alleine der Abbau des defekten Gerätes gestaltet sich wohl umständlicher als erwartet, zudem er hilfreiche Tipps des Kollegen ignoriert und lieber ausufernd Kraftausdrücke vor sich hin schleudert, die mich auf die Geduldsprobe stellen. Ich muss gestehen, dass ich nicht die Wunsch- Kundin von Handwerkern bin, denn ich schaue gerne zu, weil es Neuland für mich ist und frage halt auch ab und an was, weil ich es nicht verstehe.  Nach einer gefühlten Ewigkeit ist das alte Ding endlich ab und ich stelle mich zur Verfügung, denn es läuft echt viel Wasser aus in dieser Wand verbliebenem Konstrukt und dem Rohr. Wären die nur zu zweit hätte es ’ne Flutung gegeben. Oh man, was für eine surreale Situation! Das Anbringen der neuen Gerätschaft ist auch nicht ohne, denn das Gefluche im Klo nimmt kein Ende. Als ich nach Vorwarnung, ob der anstehenden Bohrung den Putz unter der Decke, wegen Durchbohren der Wand, über unsere Küchenregale rieseln sehe, bin ich innerlich doch schon ein bisschen angepisst, unterdrücke dies aber. Das zweite Bohrloch wirkt gut, doch hämmert er den Dübel durch die Wand und es rieselt wieder vor sich hin. Chefkoch versucht die Situation zu retten und beschließt die anstehende Aktion zu übernehmen. Harald, wie ich seit ein paar Minuten weiß, rennt zwei, drei Mal zum Auto runter und da ich eine am Fenster rauche, sehe ich, dass er rückwärts in unseren Hausflur fährt, auf den Hof nehme ich an. Es knallt, scheppert und Harald kommt mit knallroter Wutfresse wieder zurück und berichtet, dass er sich den Aussenspiegel abgefahren hat. Ich frage, ob ich kurz auf die Toilette darf und bin froh darüber, denn sonst hätte ich mir garantiert in die Hose gemacht. Das hier gleicht einer Live- Conedy- Show und langsam finde ich Gefallen daran. Ganze 1 1/2 Stunden später ist es vollbracht. Das Bad gleicht einem Schlachtfeld und ohne nach ‚ nem Lappen zu fragen, verlassen sie ihre Baustelle. Ach, vorher noch grinsend anmerkend, dass ich nicht die Einzige bin, bei der durch die Wand durch gebohrt wurde. Was soll man dazu noch sagen? Ich bin unfassbar erleichtert, dass es überstanden ist und fahre endlich auf meine Kundentour in den so schräg beginnenden Tag. Ach ja! Harald fragt tatsächlich noch, ob ich wirklich zur Arbeit fahre und ich antworte, dass ich heute mal ’ne Ausnahme mache, weil ich ansonsten assozial Zuhause herum sitze und auf Termine wie diesen warte. Erik kommt nach Hause und- ohne Scheiß- sagt umgehend, dass es aus dem Boiler tropft. Ich flippe ein wenig aus und rufe die zuständige Firma an. Mitleidiges Verständnis kann mich nicht wirklich beruhigen, denn auf der Suche nach einem neuen Termin, schlägt sie plötzlich einen Nachmittag vor, worauf ich ihr sage, dass das jetzt nicht sein kann, denn es geht ja nicht nachmittags und ich jetzt nur früh könnte; sie daraufhin sagt, dass das aber schade ist, denn dann geht es erst wieder in einer Woche und ich kurz vorm Amoklauf bin, denn ich kann fürwahr kein Verständnis mehr aufbringen für diese Absurdität aber sichere mir den Termin dann doch und wünsche sogar noch einen schönen Feierabend.

Harald schleppt sich erneut die Stufen hoch und ist dieses Mal wieder allein unterwegs. Ich zeige ihm die undichte Stelle und präsentiere ihm die Real- Situation und er sagt, dass es eigentlich nicht sein kann. Ja, finde ich auch! Er reinigt ein Rohr, schraubt irgendwas vor sich hin fester als es vorher war und verlässt die Wohnung. Bis, ja, bis Erik erneut fest stellt, dass alles beim Alten ist. Aufgrund meiner kurzen Haare, fällt mir nicht übertrieben auf, dass sich diese vor Wut lösen und ich erwische glücklicherweise sogar noch jemanden im Büro der Firma. Frau Soundso ist schon im Feierabend und die Dame am anderen Ende der Leitung will mich vertrösten: ohne mich! Kurze, versucht entspannte Schilderung des Permanentdilemmas mit einem klitzekleinen Unterton, ob der Unfähigkeit des Mitarbeiters und des einen Monat umfassenden Auftrags nunmehr für die Abhilfe des immer gleichen Problems. Da sind die aber eisern; obwohl die halbe Firma meinen Vorgang mittlerweile kennt, schlägt mir ein unfassbar gleichgültiges Ding entgegen, welches mir klar machen will und soll, dass ich echt froh sein kann, dass so zeitnah ein Mitarbeiter wieder zur Verfügung steht, denn schließlich bestünde aktuell ja eine Notsituation und diesbezüglich Handwerkermangel. Ich schlucke meine überschüssige Wut nur trocken herunter und freue mich auf den neuen Termin nächste Woche und frage mich, ob denn nach professioneller Erledigung einer Baustelle eventuell mehr Handwerker zur Verfügung stehen würden, als es offenbar erforderlich ist und denke mir aber nur meinen Teil.

Harald hat einen mir Unbekannten dabei, Mitte 20, der sich sofort ins Wohnzimmer setzt und meine Plattensammlung bestaunt und mir ungefragt gleich seine halbe (zeitlich bedingte, da sehr jung) Lebensgeschichte erzählt. Harald- kaum der Wiederholung wert- schafft es auch in den zweiten Stock. Er überlässt umgehend dem Neuzugang den Vortritt, nicht aber ohne vorher wieder Gott und die Welt und den technischen Fortschritt zu bemosern und dieser findet alsbald den Knackpunkt des ganzen Dramas. Jippieh! Eine nicht eingebaute Brücke war der Fehler und nach erneuter Testphase steht fest, dass zumindest dieses Problem behoben ist- leider haben sich dadurch auch weitere offeriert. Ich harre nun schon zwei ganze Stunden aus und erfahre urplötzlich, dass es ein Grundproblem im Küchenabfluss zu geben scheint und es noch dauert. Zwei komplette Schränke ausgeräumt später, unzähligen Bohrungen und neue Rohre verlegend mit sich bringend, scheint das Komplettprogramm endlich überstanden. Himmel, hilf! Der Musikaffine fragt mich nebenbei noch auf die zahlreichen Konzerttickets am Kühlschrank aus und erzählt stolz von diversen Aussetzern auf seinen ersten Konzerten, während Harald zum hundertsten Mal irgendein Pamphlet ausfüllt und fies vor sich hin hustet. Ich frage final, ob es denn das nun endlich gewesen sei und verabschiede mich mit den Worten, dass ich echt froh wäre, ihn nie mehr wieder zu sehen; er lacht nur hüstelnd und sagt, dass er weiß, wie ich es ja meine…betont aber, dass dies eine der heftigsten Dinge seit Jahren für ihn war und die beiden aber auch weiter müssten, denn die Uhr tickt. 3 1/2 Stunden später schließe ich die Tür hinter mir und beginne meinen Alltag und hätte anstelle dessen nicht unübel Lust mir einen zu Trinken, nicht auf Harald, sondern auf die Zukunft im Handwerk, denn diese sieht stockenduster aus!

Warum sich das neue „Normal“ so seltsam anfühlt

Mittwoch letzte Woche ging es los: nach 21 Monaten hat unsere Firma zu einer Tagung ins Mutterschiff eingeladen und der Ruf des Captains wurde von der durstigen Anhängerschaft mit Wohlwollen erhört. Balsamartig rann der Aufruf zum gruppalen Meeting unsere Gehörgänge hinab und die Tatsache, dass es ein Treffen außerhalb von Teams- Sitzungen im realen Leben wieder gibt- es quasi einen bekannten Menschen, aka Kollegen, nicht in virale Quadrate auf Bildschirmen gepresst zeigt, sondern in 3D- Optik, weil leibhaftig in Persona, hat zumindest bei mir zu einer Aufregung gesorgt, die unbeschreiblich ist und doch auch ein Staunen über das Vermissen und Realisieren dessen, dass so etwas in diesen Tagen wirklich besonders ist, hervor gebracht hat. Schlimm, dass einem selbst im vor kurzem verbrachten Urlaub die österreichische Maskenfreiheit ungewöhnlich vorkommt und man dem bekannten Braten erstmals nicht wirklich trauen will. Umso schöner, dass selbst in einem Kurzurlaub diese Bedenken dann doch recht fix der aufkommenden Leichtigkeit des Seins, weil unbeschwert urlaubend, weichen und man wie vor 2020 einfach die Natur aufsaugt und sich gedankenlos einen Berg runter stürzt, ohne an irgendwas anderes zu denken- bis man dann wieder in der eigenen Republik eintrudelt, weil der Wagen nach Sprit verlangt und man sich dabei ertappt wieder zurück zum Wagen laufen zu müssen, da man die Unbeschwertheit, aka Maske aufsetzen müssen, hinter der Grenze gelassen hat. Dauert offenbar immer ’nen Moment, um das Gesamthirn zu informieren, bzw. ist das hoffentlich ein Beweis für Entspannung, weil Urlaub. Keine Ahnung. Wir haben auf jeden Fall kurzerhand ein paar Tage mit ungewohnter aber Alter- Welt- Freiheit verbringen dürfen und sind verwirrt, dass uns dies tatsächlich so irritiert. Was soll nur werden? Ist demnächst- so die Welt es zulässt- allem nur noch mit Skepsis zu begegnen oder aber erlangt man erst nach ein paar Tagen die Entspannung, die einem normalerweise ansonsten sofort nach Ankunft, bzw. Eintreten einer Situation ins Gesicht springt?

Update: kurz nach Verlassen unseres Urlaubortes erhob die österreichische Regierung wieder straffere Maßnahmen im Alltagsleben.

Unser Firmentreffen, um darauf zurück zu kommen, war unfassbar gut. Ohne eine Diskussion los treten zu wollen; die wenigen, die jeden Morgen ein Testzentrum aufsuchen mussten, hielten sich in Grenzen- wobei mir persönlich die Ausgelassenheit der Mannschaft bzgl. Abstand und „Ich bin geimpft, Hey ho- Mentalität“ ein wenig seltsam vorkam, zumindest hatte ich dafür teilweise kein Verständnis. Kein Wunder, dass die Auflagen in Summe nicht spürbar gelockert werden. Zumindest so, dass die alte, aktuell noch verrückt wirkende Personalität eines jeden wieder durchprescht, wie eine ungebremste D- Lok, ohne jegliches Nachdenken über sein Handeln wieder freie Fahrt aufnimmt und sich erst durch selbst gesetzte Grenzen einschränkt. Das wünsche ich nicht nur mir.

Ich dürste so unfassbar nach dem alten Ich, welches unbekümmert, nicht verwundert über Gebaren anderer und vielleicht auch planlos durch die Welt tingelnd, wochenendlich abschaltend das pure Leben genießt und weiß, dass es für immer so sein wird. Nie war Normalität wichtiger als jetzt.

Get behind me Satan!

Definitiv eine Sache, mit der man offenbar klar kommen muss; ist halt so! Das sind ja jetzt auch nur nicht statistisch erhobene eventuelle Spätfolgen, die man mal genauer beleuchten sollte.

Internet insanity

Jippieh!!!Es geht doch noch ab in den Urlaub mit unserem wahrlich in die Jahre gekommenen Ford Transit Pirat, only 12 Jahre älter als myself, aber doch reichlich sensibler in seinen spezifischen Bereichen, als uns lieb ist. Da fällt einfach ein Kabel aus seinem Schuh- Meinereins benötigt dafür ’ne ganze Menge mehr- auf jeden Fall öfter, als dass die Uhr mir eine Schnapszahl anzeigen kann. Egal, der Schuh passte unserer Piratenbraut einfach nicht und deswegen wurden unsere Urlaubsfreuden eben verschoben; kommt vor- besonders bei mimosigen Hauptdarstellern…muss man durch und das haben wir ja alles mitgemacht (graue Haare? Übernachtalterserscheinungen? Kommen woanders her, ist doch klar!) , wissentlich, was uns erwartet, wenn wir on the road sind, Roadtripping halt. Kommen nur drei Nächte später am Platz unserer Wahl an und sind erstmals erstaunt: Das Ferienparadies am Werbellinsee ist nicht direkt am See… rückwirkend kann man keinen Vorwurf erheben, stand in der Beschreibung in Strandnähe, was auch stimmt; denn kurz über die Straße gelaufen, ist man schwupps am Badestrand. Das freut uns sehr, denn ein aufgeblasenes Kajak ist nicht flugs über die Schulter geschmissen, was die Nähe zum Wasserzugang Unsereseins also höchst positiv stimmt und davon ablässt, den direkten Zugang schmerzlich zu vermissen. Ausgestattet mit modernster High- Tec, die alleinigst der meist abendlichen Bespaßung dient, bin ich erstmals nach Ankunft irritiert, dass ich (was ich ansonsten gerne ad hoc tue) meinen Standort nicht der Allgemeinheit kund tun kann; aber schwamm drüber, gibt ja Wichtigeres! Sind ja schließlich hier, um zu Entspannen, Abzuschalten und runter zu fahren, den ganzen Alltagsstress, usw…

Offenbar ist es aber doch wichtig genug- zumindest muss man hier realistisch genug sein, bzw. sich dies eingestehen, dass man übermäßig abhängig vom permanenten Austausch mit der Welt oder auch nur ausgewählten Personen ist, offenbar vergesslich der alten Werte, die einen immerhin bis hier hin gebracht haben und die man vermeintlich aber außerhalb seines Sichtfelds geschoben hat, weil die Macht der Gewohnheit es eingeschlichen hat- als dass ich es als störend empfinde und es schade finde. Schlimm genug, oder? Auf dem See dann, mit geschützter Handyhülle ausgerüstet, mache ich dann aber auch soviele Fotos unseres Trips, wie nur irgends möglich- nicht, dass unsere Erinnerung an diesen Tag nicht genügen würde, aber man möchte es ja schon auch fest halten und ich ertappe mich dabei, dass ich schon gerne einen Überblick dem gemeinen Social Media presenten möchte…der unberechenbare Empfang später macht dies allerdings nicht möglich. Finde es wahrlich schlimm, dass mich das tatsächlich stört. Bin ich echt ein so abgestumpfter Öffentlichkeitstäter geworden? Ich beruhige mich selbst, weil ich mir sage, dass es ja nicht verwerflich sein kann schöne Momente zu teilen, schließlich bereichern die einen heutzutage zuweilen ja auch; wenn man selbst zum Beispiel nicht in der Lage ist zu verreisen, ist es fast so, als wäre man unterwegs, wenn man denn Reisefotos anderer sieht und quasi „rum“ kommt. Muss zwangsläufig an Konzerte denken, wo man als einzige Lichtquelle maximal Feuerzeuge seitens der Darsteller ins Publikum von den Bühnen der Welt gesehen hat- nowerdays oftmals wahrscheinlich 1000 Fragezeichen über den Köpfen der Darsteller, ob überhaupt noch jemand WIRKLICH der Show folgt oder doch nur noch alles durch die 12K- Linse gefilmt wird für spätere gesellige Abende konservierte Stimmung, fest gehalten in einem Video, welches ein Live- Konzert dokumentiert.

Heute allerdings, nach unendlichem Fußmarsch durch das größte zusammenhängende Waldgebiet der Republik auf der Suche nach nur einem pisseligen Jagdschloss, welches ab Startpunkt unseres „ausgeschriebenen“ Wanderwegs (auch hier hat sich später herausgestellt, dass dies gar nicht mehr so heißt- wobei selbst der „neue“ Zweck, Hotel nämlich, ebenso wenig schilderhaft aufgezeigt wurde), ich tatsächlich von Kindheit an einen inneren Kompass verpasst bekommen habe und ansonsten Großmeisterin des Schilderlesens und – deutens bin, vorbei an allen richtungsweisenden Hinweisen, verblüfft darüber, dass der Ort, den wir wirklich nicht zu Fuß erkunden wollten, der ist, der plötzlich nur noch 1,1 km entfernt ist, sind wir nun nach über 4 Stunden in einem Ort namens Eichhorst angelangt und nach erforderlicher Nahrungsaufnahme überglücklich, dass wir über unsere “ Mobilen Daten“ Kontakt und viel wichtiger, Informationen verfügen, die uns irgendwie das Gefühl geben, wieder in der Zivilisation angekommen zu sein. Ich poste in Form von mehreren Fotos begleitet, trotzdem unsere Tageserfahrung und freue mich diebisch darüber, dass ich endlich in der Lage bin auf Messages zu antworten, was mir vorher nicht möglich war, ich aber innerlich schon befürchtet habe, dass durch erfolgte “ Lesebestätigung“ mein Gegenüber dachte, dass es mir nicht wichtig genug war, bislang zu antworten. Und jetzt kommt der Punkt, an dem ich bemerkt habe, dass etwas echt nicht in Ordnung ist- mit mir, der Zeit, in der wir gerade leben- und dem ganzen vermeintlich normalen Zwang, dem man (sicherlich immernoch selbst bestimmend, doch irgendwo auch fremd gesteuert) unterliegt…und folgt. Schlimm. Ich finde es echt schlimm, dass ich so ferngesteuert bin- glücklicherweise nicht immer, aber oft genug, wie mir scheint- als dass ich ein schlechtes Gewissen bekomme, so ich nicht zeitnah auf diverse Dinge reagiere. Firmenmäßig hab ich- Dank meiner Therapie bzgl. Burnout- einen echt gesunden Weg gefunden: man muss nicht immer sofort ans Telefon gehen oder umgehend auf E-Mails antworten, warum auch? Im persönlichen Umfeld sollte es doch auch so sein, oder? Wenn nicht da, wo dann eigentlich, sollte einem Verständnis entgegen geschleudert werden- also warum verfahre ich dort nicht genau so?

Wir sind zurück nach unserem schier unendlich scheinenden Dauerspaziergang, back home quasi. Unsere Nachbarn befragend, ob sie denn Empfang haben, die Antwort darauf semi- befriedigend ist, denn sie lautet: nur partiell, auch nur zwischen diesen (sie zeigt drauf) zwei Bäumen, die genau in ihrem Wohnwagenterrassenbereich liegen: ich könne ja, wenn es dringend ist, an diesen Ort kommen. Ich sage nur, dass sie sich nicht erschrecken sollen, wenn ich plötzlich- ohne Vorwarnung- an ihrem Teppich stehe, um Nachrichten zu empfangen oder welche zu senden und denke unweigerlich an “ Die Kinder des Zorns“, nur eben ohne Maisfeld. Klar, denke ich, mache ich sowieso nicht, bin ja/ will ja kein Eindringling sein; finde es aber doch echt amüsant, dass ich einfach so, ohne Ankündigung bei denen am Platz stehe, um Internet insanity zu zelebrieren. WTF???

Eigentlich bin ich schon stolz wie Bolle (Oskar wurde mir wortfindungskreativ vorgeschlagen…hahaha! War einer von euch schonmal stolz wie Oskar?), dass ich mein Diensthandy nicht bei habe, denn dann schaut man ja doch schnell mal, was Kunde XY oder Kollege XY von einem will… Abhängigkeit kennt keine Grenzen, nur die mobile offenbar. Good night, good fight. Schorfheide….off.

Urlaubsfreuden

Schon komisch, dass ich die Nacht vor Reiseantritt- und es ist offenbar vollkommen egal, ob es nach Übersee geht oder an die Müritz- nicht gut, bzw. unruhig schlafe, weil ich allerlei Situationen vorab durchlebe und warum auch immer im Kopf 1000 Male alle Eventualitäten durch spiele. Eigentlich kein erholsamer Start für den anstehenden Urlaub. Letzte Nacht zum Beispiel habe ich panisch den Erstaufbau unseres Vorzelts, der wegen WoMo- Dilemma letztes Jahr kurz vor der Eifel abgesagten Campingurlaubs nicht statt finden konnte, durch gespielt; gehofft, dass es tatsächlich passt- wobei wir auch dies bestimmt 100 Mal abgemessen haben und erst dann gekauft haben, also absolut safe… eigentlich. Letzte Nacht hat dieser Gedanke mich dann doch auf Trab gehalten und mir ein unerholtes Aufwachen beschert. Glücklicherweise hat die Gewohnheit des Alltags mich schon um 5:30 Uhr aus dem Bett getrieben, sodass zumindest am Morgen noch ein kleines Nachholschläfchen drin war; eilig haben wir es heute nämlich nicht, vor 15 Uhr können wir unseren Stellplatz nicht nutzen. Abgesehen davon ist so ein müder Reiseantritt spätestens bei Antritt der Fahrt (wir freuen uns wirklich wie blöde nach einem Jahr endlich mal wieder mit Walther auf Tour gehen zu können!) wie weggeblasen, denn schließlich lohnt bei Ankunft nicht nur ein glasklarer See, sondern allein der Weg dorthin ist bekanntlich schon ein Erlebnis. Also haben nach gemütlichem Rumschlumpen die restlichen Dinge verstaut und es geht zum Einkauf. Man, obwohl ich schon zwei Mal in dieser Woche schon Dinge hingebracht und verstaut habe, sind wir jedesmal echt überrascht, was man für ne Woche so alles (vermeintlich) braucht! Aber hey, dafür heisst es wahrscheinlich auch Wohnmobil, man fährt schließlich mit seiner Wohnung durch die Gegend; dementsprechend sind wir ausgestattet. Egal, nach einer Stunde des Einrichten und Verstauens sind wir startklar und bereit für den lang ersehnten Trip. Schwupp, der Motor springt sofort an (wahrscheinlich liegt das an unserem eigens hierfür erworbenen und gesegneten Buddha- Anhänger aus Thailand) und wir gehen auf die Piste- Bestlaune trifft unsere Stimmung ganz gut. Ganze drei Kilometer weiter (gerade mal so raus aus Falkensee) bei 70km/h will Walther plötzlich nicht mehr beschleunigen und wird langsamer, bis er dann komplett aus geht. Jegliche Euphorie ist verflogen, ersetzt wird diese spontan durch rasende Wut und Fassungslosigkeit, die aktuell noch gar nicht in Worte zu fassen ist. Leider springt er auch nicht wieder an und so rufen wir bei unserem Service- Center an und dieser verspricht sofort zu kommen, um uns ab zu schleppen. Na toll, ist ja nicht so, dass Walther gerade ein Komplettupgrade bekommen hat und wir eigentlich davon ausgegangen sind, endlich ein Sorglospaket unterm Hinter zu haben, um den Grund der Anschaffung endlich nutzen zu können. Ich bin mittlerweile sprachlos vor Wut und Verzweiflung, bin froh, dass ich nicht komplett die Fassung verliere, als klar wird, dass erneut nur der ADAC weiter helfen kann und bekomme gerade noch die GPS- Daten am Telefon für mein Gegenüber durch, welches mir dann schnell mitteilt, dass alle Daten von uns im System sind- selbstredend, denn genau vor einem Jahr wurden wir das letzte Mal abgeschleppt! Den Campingplatz cancel ich sogar auch noch, Superpower! Glücklicherweise dauert das Eintreffen des gelben Engels nur 30 Minuten und er freut sich umso mehr, als er erfährt, dass unsere Werkstatt quasi gleich um die Ecke ist- irgendwie freut uns das auch, denn viel schlimmer wäre es in der Pampa gewesen, ohne die Möglichkeit an unseren PKW zu kommen, denn die Werkstatt hat bekanntlich am Wochenende zu- obwohl, dafür bekommt man ja sogar einen Leihwagen…ich will nicht genauer drüber nachdenken…und das alles nur 25 Minuten von unserem Zuhause entfernt! Jut, Papierkram erledigt und akribisch alle vor 2 Stunden erst eingeräumten Dinge wieder verpackt und ins Auto geräumt- läuft! Ich stelle fröhlich fest, dass wir glücklicherweise uns ja noch haben, während der Meine unseren Urlaub jetzt schon schwinden sieht- erneut. Unser Schrauber stellt beim Umpacken fest, dass sich ein Kabel gelöst hat und er auch wieder anspringt, der „neue“ Motor. Mir mittlerweile egal. Ich möchte, dass am Montag jemand rein guckt und ausserdem: wie kann es sein, dass sich nach 3 km ein Kabel löst??? Ich bin im Kopf schon am Planen, wo wir bis unser Österreich- Trip losgeht, so hin fahren können und fühle mich spontan so unglaublich müde und erschlagen, dass ich umgehend ins Bett gehen werde, wenn wir wieder zuhause sind.

Home, sweet home! Alles wieder verstaut und ein wenig beruhigter, beschließen wir, dass wir Walther doch nicht verkaufen, sind uns aber einig, dass kein Cent mehr reingesteckt wird und hoffen, dass es nur dieses Kabel war- denn von Mittwoch an wären wir auf dem zweiten Campingplatz…und das wollen wir wirklich erleben!

So ist dies nun ein fast normaler Samstag geworden; Urlaub ist jetzt erst ab Montag, denn wir müssen nicht arbeiten gehen…anstelle des Zubettgehes öffne ich mein erstes Bier- verdient hab ich es mir. Prost!

Verrückt?!?…wirste gemacht!

Komm mir gerade vor wie Karla Kolumna: schön regelmäßig zum Freitag die Story raus gehauen; mit dem einzigen Hintergrund, der nicht auf KK schliesst,dass kein Elefant die Titelfigur der Geschichte ist und auch im folgenden die Namen der Protagonisten nicht dem Gleichklang folgen, so wie es der wortreiche Erguss es ebenso nicht tut, so hoffe ich. War heute auf einer Hochzeitsfeier- ja, bin auch noch ausser mir vor Freude, dass dies heuer tatsächlich schon wieder statt finden kann/ darf und auch als solche durchgeführt wird/ wurde/ statt fand- mittlerweile wurde, denn es begab sich an einem Freitag des Wochenendes, also schon einen ganzen Tag alt und genauso lange her.Ein Wirrwarr aus allen Alters- und Gesellschaftsschichten tummelt sich zu dem einzig zusammen kommenden Grund und Anlass, nämlich die Liebe zweier Menschen in allen denkbaren Variationen der Kunst zu zelebrieren, ohne den Fokus auf sich selbst zu richten, sondern selbstlos im Gleichklang des nur positiver Gedanken gleichen Stroms der Liebe zu versinken und dieses auch auszustrahlen. Ich liebe das: man lernt komplett neue Menschen kennen, genauso wie man ewig aus dem aktiven Leben fern gebliebene Leute plötzlich wieder trifft; es ist ein Füllhorn der Überraschungen, jedes Mal auf’s neue…und es wird niemals uninteressanter, schließlich bereichern einen ja genau diese Begegnungen und machen das Leben ja irgendwie auch aus. Man findet zueinander, früher oder später im Verlauf des Abends und stellt vorher ungeahnte Zusammenhänge im hier und jetzt zusammen laufenden Dasein fest, prinzipiell könnte man jetzt sagen: ja klar! Das ist doch der Grund dafür, dass People- XYZ zusammen geladen wurden, gerade weil es eben diese Gemeinsamkeit gibt, nämlich das freundschaftliche Kennen des einen oder des anderen- aber dies allein reicht ja nicht aus, um dass man am Ende auch zueinander findet, finde ich. Ist es nicht ein Glücksspiel bezüglich der Freunde, guten Bekannten, dass man hofft, dass diese- weil es das Paar verbindet- auch diese Verbundenheit auch untereinander schafft?

Diesmal hat es hin gehauen- Ausnahmen gibt es – natürlich- auch hier. Aber ich muss ja schließlich keine Freunde für’s Leben finden, so dass eine illustre Menge an Menschen, denen man seine Aufmerksamkeit schenkt, übrig bleibt und man dadurch einen wirklich gelungenen Abend verbringt und Gedankenaustausche/ Anregungen für jeweilige Situationen, sowie Lebenserfahrungen- egal wie unterschiedlich geartet- austauscht und mit einem echt gutem Gefühl die Location verlässt, mit dem Wissen, dass man vielen der eben kennen gelernten, tollen Personen ohne diese Feierlichkeit niemals begegnet wäre und allein dies den Abend sehr besonders macht, bzw. gemacht hat. Irgendwie hat es mir ja geschmeichelt, zu hören, dass man verrückt sei- offenbar in allem, einfach durch sein Dasein. Es ergab sich sogar ein Aufzählen einiger Gäste mit dem Zusatz: und Stefka. Naja, irgendwie auch nicht uncharmant, denke ich…positiv erscheint mir die Erwähnung meines Namens bezüglich der restlichen Teilnehmerzahl und bin kurzzeitig diesbezüglich auch nicht irritiert, warum auch, will ich ja nicht so sein wie die Allgemeinheit oder die breite Masse, also alles gut, oder? Allerdings schwirrt mir seit Ankunft in unseren heimischen Gefilden (später als gedacht- aber ist es nicht immer so?) beim allerletzten Bier, ein nicht weg denkbarer Gedanke durch den Kopf: warum verrückt? Ich? Was an mir kann vermeintlich anderen gegenüber verrückt wirken, was offenbar (tatsächlich) nicht negativ behaftet zu sein scheint oder aber anders ausgedrückt, unterscheidet mich von anderen?

Mein Ansatz hier ist ein ganz einfacher und ebenso trauriger, falls dem so ist – nämlich dem nach der Grundsätzlichkeit im anscheinend Auffälligen, welches als solches bei mir einfach nicht durch geht und niemals akzeptiert werden wird. Bin ich so anders, gar verrückt, wenn ich einfach so bin, wie es mir beliebt oder ist es schon „sich die Freiheit nehmen“, ohne Gedanken einfach so zu agieren, wie selbstverständlich, dass es anderen als aufdringlich anders, im Mundgebrauch andersartig, seltsam vorkommt? Oder aber- und das wäre noch schlimmer- ist es sogar mein Verhalten als Frau, welches anderen als ungewöhnlich vorkommt? Ist ja nicht so, dass ich wirres Zeug von mir gebe oder gar abnormes Verhalten an den Tag lege; halte mich durchaus für gesellschaftsfähig- alles andere hat ’ne tatkräftige Begründung, so es entgleisen  sollte (aber selbst diese Momente sind passé, ja… doch, sind sie). Ich fände- egal wie- alles gleichermaßen schlimm, denn wie kann es heutzutage sein, dass man mit Verhalten auffällt, welches vermeintlich Usus ist? Ein Mann, dessen Frau einfach nur sie selbst ist, fällt durch ihr Verhalten negativ auf und im schlimmsten Fall flippt dieser sogar genau deswegen aus oder weiß nicht wohin damit oder umzugehen? Super Sache! Genau mein Ding! Vielleicht war ich schon immer emanzipiert ohne jemals öffentlich von Emanzipation zu sprechen- weil es mir niemals in den Sinn gekommen ist, oder wäre, davon bewusst (nach Definition betrachtet) Gebrauch zu machen- da es eh “ gottgegeben“ ist, dass zu tun, was einem beliebt. Oder aber ich bin tatsächlich eine Frau, die allen anderen Frauen entgegen, durch unweibliches Gebahren auffällt…kann ja nichts dafür, dass ich gefühlt mehr Cojones habe, als viele andere Mitbewohner dieses Planeten oder aber einfach nur der Realität ins Auge sehe, da eine „Vogel Strauss- Mentalität“ einfach nicht förderlich ist…hmmm, noch seltsamer dieser Gedanke und auch nicht wirklich infrage kommend. Ich frage mich also, was mich so “ verrückt“ im Gegensatz zu anderen macht. Mut am Tun und Sein? Kann es das sein? Ich bin echt ratlos diesbezüglich… weiß nur, daß mein Mann mich auch für leicht verrückt hält- eine Erklärung ist er mir bis heute schuldig- ich glaube, dass es eher in Richtung meines Gedankens geht, nämlich dass ich halt einfach keine Frau bin, die sich- egal wie- unterordnet und einfach lebt…so, wie es sein sollte…in meiner Welt. Ansonsten nehme ich halt einfach irgendwann an, dass ich verrückt bin…weil ich dazu gemacht wurde und es offenbar keine plausible Erklärung dafür gibt…verrückt, oder?