Internet insanity

Jippieh!!!Es geht doch noch ab in den Urlaub mit unserem wahrlich in die Jahre gekommenen Ford Transit Pirat, only 12 Jahre älter als myself, aber doch reichlich sensibler in seinen spezifischen Bereichen, als uns lieb ist. Da fällt einfach ein Kabel aus seinem Schuh- Meinereins benötigt dafür ’ne ganze Menge mehr- auf jeden Fall öfter, als dass die Uhr mir eine Schnapszahl anzeigen kann. Egal, der Schuh passte unserer Piratenbraut einfach nicht und deswegen wurden unsere Urlaubsfreuden eben verschoben; kommt vor- besonders bei mimosigen Hauptdarstellern…muss man durch und das haben wir ja alles mitgemacht (graue Haare? Übernachtalterserscheinungen? Kommen woanders her, ist doch klar!) , wissentlich, was uns erwartet, wenn wir on the road sind, Roadtripping halt. Kommen nur drei Nächte später am Platz unserer Wahl an und sind erstmals erstaunt: Das Ferienparadies am Werbellinsee ist nicht direkt am See… rückwirkend kann man keinen Vorwurf erheben, stand in der Beschreibung in Strandnähe, was auch stimmt; denn kurz über die Straße gelaufen, ist man schwupps am Badestrand. Das freut uns sehr, denn ein aufgeblasenes Kajak ist nicht flugs über die Schulter geschmissen, was die Nähe zum Wasserzugang Unsereseins also höchst positiv stimmt und davon ablässt, den direkten Zugang schmerzlich zu vermissen. Ausgestattet mit modernster High- Tec, die alleinigst der meist abendlichen Bespaßung dient, bin ich erstmals nach Ankunft irritiert, dass ich (was ich ansonsten gerne ad hoc tue) meinen Standort nicht der Allgemeinheit kund tun kann; aber schwamm drüber, gibt ja Wichtigeres! Sind ja schließlich hier, um zu Entspannen, Abzuschalten und runter zu fahren, den ganzen Alltagsstress, usw…

Offenbar ist es aber doch wichtig genug- zumindest muss man hier realistisch genug sein, bzw. sich dies eingestehen, dass man übermäßig abhängig vom permanenten Austausch mit der Welt oder auch nur ausgewählten Personen ist, offenbar vergesslich der alten Werte, die einen immerhin bis hier hin gebracht haben und die man vermeintlich aber außerhalb seines Sichtfelds geschoben hat, weil die Macht der Gewohnheit es eingeschlichen hat- als dass ich es als störend empfinde und es schade finde. Schlimm genug, oder? Auf dem See dann, mit geschützter Handyhülle ausgerüstet, mache ich dann aber auch soviele Fotos unseres Trips, wie nur irgends möglich- nicht, dass unsere Erinnerung an diesen Tag nicht genügen würde, aber man möchte es ja schon auch fest halten und ich ertappe mich dabei, dass ich schon gerne einen Überblick dem gemeinen Social Media presenten möchte…der unberechenbare Empfang später macht dies allerdings nicht möglich. Finde es wahrlich schlimm, dass mich das tatsächlich stört. Bin ich echt ein so abgestumpfter Öffentlichkeitstäter geworden? Ich beruhige mich selbst, weil ich mir sage, dass es ja nicht verwerflich sein kann schöne Momente zu teilen, schließlich bereichern die einen heutzutage zuweilen ja auch; wenn man selbst zum Beispiel nicht in der Lage ist zu verreisen, ist es fast so, als wäre man unterwegs, wenn man denn Reisefotos anderer sieht und quasi „rum“ kommt. Muss zwangsläufig an Konzerte denken, wo man als einzige Lichtquelle maximal Feuerzeuge seitens der Darsteller ins Publikum von den Bühnen der Welt gesehen hat- nowerdays oftmals wahrscheinlich 1000 Fragezeichen über den Köpfen der Darsteller, ob überhaupt noch jemand WIRKLICH der Show folgt oder doch nur noch alles durch die 12K- Linse gefilmt wird für spätere gesellige Abende konservierte Stimmung, fest gehalten in einem Video, welches ein Live- Konzert dokumentiert.

Heute allerdings, nach unendlichem Fußmarsch durch das größte zusammenhängende Waldgebiet der Republik auf der Suche nach nur einem pisseligen Jagdschloss, welches ab Startpunkt unseres „ausgeschriebenen“ Wanderwegs (auch hier hat sich später herausgestellt, dass dies gar nicht mehr so heißt- wobei selbst der „neue“ Zweck, Hotel nämlich, ebenso wenig schilderhaft aufgezeigt wurde), ich tatsächlich von Kindheit an einen inneren Kompass verpasst bekommen habe und ansonsten Großmeisterin des Schilderlesens und – deutens bin, vorbei an allen richtungsweisenden Hinweisen, verblüfft darüber, dass der Ort, den wir wirklich nicht zu Fuß erkunden wollten, der ist, der plötzlich nur noch 1,1 km entfernt ist, sind wir nun nach über 4 Stunden in einem Ort namens Eichhorst angelangt und nach erforderlicher Nahrungsaufnahme überglücklich, dass wir über unsere “ Mobilen Daten“ Kontakt und viel wichtiger, Informationen verfügen, die uns irgendwie das Gefühl geben, wieder in der Zivilisation angekommen zu sein. Ich poste in Form von mehreren Fotos begleitet, trotzdem unsere Tageserfahrung und freue mich diebisch darüber, dass ich endlich in der Lage bin auf Messages zu antworten, was mir vorher nicht möglich war, ich aber innerlich schon befürchtet habe, dass durch erfolgte “ Lesebestätigung“ mein Gegenüber dachte, dass es mir nicht wichtig genug war, bislang zu antworten. Und jetzt kommt der Punkt, an dem ich bemerkt habe, dass etwas echt nicht in Ordnung ist- mit mir, der Zeit, in der wir gerade leben- und dem ganzen vermeintlich normalen Zwang, dem man (sicherlich immernoch selbst bestimmend, doch irgendwo auch fremd gesteuert) unterliegt…und folgt. Schlimm. Ich finde es echt schlimm, dass ich so ferngesteuert bin- glücklicherweise nicht immer, aber oft genug, wie mir scheint- als dass ich ein schlechtes Gewissen bekomme, so ich nicht zeitnah auf diverse Dinge reagiere. Firmenmäßig hab ich- Dank meiner Therapie bzgl. Burnout- einen echt gesunden Weg gefunden: man muss nicht immer sofort ans Telefon gehen oder umgehend auf E-Mails antworten, warum auch? Im persönlichen Umfeld sollte es doch auch so sein, oder? Wenn nicht da, wo dann eigentlich, sollte einem Verständnis entgegen geschleudert werden- also warum verfahre ich dort nicht genau so?

Wir sind zurück nach unserem schier unendlich scheinenden Dauerspaziergang, back home quasi. Unsere Nachbarn befragend, ob sie denn Empfang haben, die Antwort darauf semi- befriedigend ist, denn sie lautet: nur partiell, auch nur zwischen diesen (sie zeigt drauf) zwei Bäumen, die genau in ihrem Wohnwagenterrassenbereich liegen: ich könne ja, wenn es dringend ist, an diesen Ort kommen. Ich sage nur, dass sie sich nicht erschrecken sollen, wenn ich plötzlich- ohne Vorwarnung- an ihrem Teppich stehe, um Nachrichten zu empfangen oder welche zu senden und denke unweigerlich an “ Die Kinder des Zorns“, nur eben ohne Maisfeld. Klar, denke ich, mache ich sowieso nicht, bin ja/ will ja kein Eindringling sein; finde es aber doch echt amüsant, dass ich einfach so, ohne Ankündigung bei denen am Platz stehe, um Internet insanity zu zelebrieren. WTF???

Eigentlich bin ich schon stolz wie Bolle (Oskar wurde mir wortfindungskreativ vorgeschlagen…hahaha! War einer von euch schonmal stolz wie Oskar?), dass ich mein Diensthandy nicht bei habe, denn dann schaut man ja doch schnell mal, was Kunde XY oder Kollege XY von einem will… Abhängigkeit kennt keine Grenzen, nur die mobile offenbar. Good night, good fight. Schorfheide….off.

Veröffentlicht von stefkasays

Ich wollte schon immer schreiben. Über die kleinen Dinge im Leben, die einen manchmal an den Rand des Wahnsinns treiben können. Über große Dinge, die einfach zum alltäglichen Dasein dazu gehören und die Beachtung finden sollten, um nicht in der Versenkung der Unwichtigkeit zu landen. Dies ist ein persönliches Sammelsurium der Kostbarkeiten, die einen unweigerlich begleiten und die einem tagtäglich vor die Füße fallen.

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