Denkanstöße, zu Hauf

Ich habe heute in meinem Facebook- Account eine Erinnerung an eine Veranstaltung erhalten, 30 Minuten, bevor diese gestartet ist, weil ich
„interessiert mich“ angeklickt habe. Hat es ja auch. Es ist in real- time aktuell 20:31 Uhr und ich habe mir tatsächlich diesen wunderbaren, von einer Schulfreundin und zudem höchst begabten Schriftstellerin, Bloggerin und Podcasterin, Live- Stream in Form einer kleinen Mini- Salonage , ein Who- is- who handverlesener Wortakrobaten , erlesene Kurzbeiträge aus Lyrik, Prosa und Musik, angeschaut und bin- nach kurzzeitlicher Panik, da ich die Zoom- App noch nicht herunter geladen hatte und danach unsicherer Handhabung, ob Kamera an oder nicht- aufgrund der Optik, die auch der restlichen Hörerschaft nicht unverborgen bleibt- auf unsichtbar geschaltet und einfach nur insgesamt vier Beiträgen gespannt gelauscht und mich an Themen berauscht, die ich selbst schon versucht habe in Worte zu fassen aber mich nie getraut habe (da irgendwie tabulös behaftet) und jetzt wiederum darüber nachdenke, da ich soeben meinen Meistern virtuell begegnet bin. Ich fühle mich teilweise an düsterste Songs oder Lyrik meiner Jugend erinnert und bis heute hat sich bis gerade eben nichts geändert: diese unfassbare Dankbarkeit, dass es wirklich Menschen gibt, die diese „ohne- Worte- Gefühle“ in Worte fassen können; so unglaublich schön, dass es einem nur die Tränen in die Augen treibt; sei es aus Gründen der Thematik selbst oder aber weil man glücklich ist, dass endlich jemand seine unbeschreibliche Gelähmtheit durch Trauer oder Verzweiflung in Worte gefasst hat, so dass es für einen balsamgleich die puzzlegleich zerstörte Seele wieder zusammen setzt

Es geht um Verluste, die jeder in seinem Leben (wahrscheinlich) erlebt hat; durch schwere Krankheit, Suizid eines geliebten Menschen, Bekannten, oder einfach nur, dass man dies mitbekommen hat, dass einem Freund oder Bekannten so etwas widerfahren ist und man sich einer Ohnmacht gegenüber stehen sieht, die tatsächlich nicht nach Lehrbuch gemeistert werden kann, bzw. es keinerlei Regeln gibt, die man befolgen kann, um der Situation Abhilfe zu schaffen.

Ich denke als allererstes an meinen damals besten Freund, der – nicht nur gefühlt- von jetzt auf gleich tatsächlich einfach nicht mehr unter uns war. Neun Monate, ohne Vorwarnung oder Anzeichen, löschen ein erfülltes Leben aus, wie es damals die Rückseite auf Stiften gab, die vorab Geschriebenes in Nullkommanichts für immer ausradierten- nur ohne jemals wieder überschrieben werden zu können- einfach so. Es hat mich zum ersten Mal so krass erwischt in meiner sonst so unbekümmerten Art und hat nicht nur etwas in mir zerstört. Es ging ein komplettes soziales Netzwerk zu Grunde und dies ist bisher noch nicht wieder verheilt. Mit dieser Trauer umzugehen alleine ist ein unberechenbares wildes Tier, denn es passiert unvorhersehbar- eventuell für andere unpassend- aber so ist es eben: nicht umsonst wird ja hier auch von – Gefühlsausbruch gesprochen.

Man ist einfach auf sich alleine gestellt mit seiner Angst/ Wut/ Unsicherheit und Verzweiflung; nackt und ungeschützt und eigentlich doch nur einer unter vielen, denn es geht letztendlich jedem so, man spricht halt einfach nicht so gerne und öffentlich darüber.

Es ist 2005. Vorher hat man zahlreiche Verluste mitgemacht, getröstet und war auch immer bewegt, bis einem ein Mensch genommen wird, bei dessen Scheiden ein Teil des Herzens heraus gerissen wird und man vorübergehend wie in Trance weiter lebt und den tatsächlichen Sinn des Lebens in Frage stellt.

Viele sind seither gegangen, es werden stetig mehr. Über den plötzlichen Tod meines Vaters kann ich bis heute nicht gut reden, geschweige denn, dass ich es in Worte fassen könnte; ich bin leider eh nicht die Beste, wenn es um Gefühle geht. Er fehlt mir, oft.

Das Thema der dritten Laudatorin war Suizid; gepackt in eine Geschichte, die anfänglich gar nicht ahnen lässt, wodurch der Verlust entstanden ist- auf eine Art und Weise umschrieben, die etwas ganz besonderes an sich hatte- nebst dem Verlust auch die Darstellung der Hinterbliebenen sehr einfühlsam in Worte gefasst; diese Leere, den Alltag zu meistern und doch wissend, dass niemals nie irgendetwas wie bevor sein wird/ ist/ werden wird. Schlimm. Auch dies ist im engen Kreis so geschehen. Vier Monate vorher noch euphorisch über unseren Wohnmobil- Spleen auf ner 80er- Jahre- Party ausgelassen ausgetauscht und Erfahrungen geteilt und plötzlich gibt die Information über sein gewähltes Ableben, auf meiner als Party geplanten Geburtstag, eine düstere Wende, ein Schatten legt sich über alle Anwesenden, nicht nachvollziehbar der Entschluss des für immer Gehen wollens und auch Vollbringens.

Ich habe diesem Thema längere Zeit kein Verständnis abgewinnen können; wenn man aus gesundheitlichen Gründen 1,2 Mal oben angeklopft hat (nicht, dass ich an Himmel oder Hölle glaube, aber es ist bildlich ganz gut darstellbar- und jeder versteht, was ich meine), der Platz an der Pforte aber aus irgendeinem Grund nicht besetzt war und man deshalb wieder zurück durfte, um weiter zu machen und zu leben, war mein Horizont offenbar zu Ende, bei der Vorstellung, dass es etwas gibt, was so schlimm ist, dass es etwas so ( unheilbar) Schlimmes gibt, dass einem den Wunsch einpflanzt, dies zu beenden. Ich konnte es einfach nicht begreifen, es war mir so fremd und zugleich extrem angsteinflössend, dass ich es nicht fassen konnte. Es fällt mir immer noch schwer.

Schlimm ist, dass man sich unweigerlich als erstes um die Hinterbliebenen sorgt- nicht falsch verstehen, das ist nur allzu normal, denke ich- als zu hinterfragen, ob man nicht hätte was erahnen müssen oder es direkte Anzeichen gegeben hat, die man einfach nur übersehen hat oder nicht deuten konnte. In diesem Fall sind wir bis heute unwissend, ohnmächtig und der ein oder andere schiebt sich selbst eine gewisse Schuld durch “ Signale falsch verstanden “ zu haben in die Schuhe. Nackt, starr vor Trauer, kann ein solcher Gedanke durchaus gedacht werden. Man sollte darüber reden, sonst geht man vor die Hunde; es darf kein Tabu oder gesellschaftliches Randthema mehr sein.

Aktuell freue ich mich wie Weihnachten/ Geburtstag und alle anderen Feiertage zusammen, dass mein Bruder im Herzen, den ich nie hatte und den ich über alles liebe, es überstanden hat, dieses übel unwillkürlich zubeissende Schalentier, welches meinte auch ihn uns und der Welt zu entreißen. Ich möchte eigentlich gerne häufiger darüber sprechen, was es mit mir macht und wie krank vor Sorge ich bin, aber ich mache es nur jetzt in diesem Moment. Sonst ist es eher eine Sache, die im Verborgenen, mit sich selbst ausgemacht wird; nackt und ungeschützt, immer mit der Hoffnung, dass alles wieder gut wird und einem aus der Ohnmacht geholfen wird. Wie egoistisch ich doch bin…in dem Fall offenbar ja. Ich kann nicht anders. Es tut mir Leid.

Geruchs- Memory: Erinnerungen für die Ewigkeit

Es ist schon eigenartig wie man auf Themen kommt. Offenbar gibt es Situationen, die als persönlicher Trigger fungieren und deshalb- situativ verursacht- schwirrt einem eine Erinnerung, eine uralte, fast in Vergessenheit geratene Situation im Kopf herum, die dort bis dato auf ihren Abruf gewartet hat und eigentlich ( vielleicht schon immer) mit dem imaginären Fuß scharrend, auf ihren Einsatz lauerte. So ist es erst neulich passiert, dass ich beim Kauf meines letzten Winter- Scheibenspritzwassers ( egal, wie lange ich über diesen vermeintlichen Fach-Termini nachdenke, ich komme nicht darauf, wie sie „offiziell“ heißt, diese Flüssigkeit, die mir freie Sicht während der Autofahrt verschafft) eine Duftnote namens Winterfresh erworben habe. Komischerweise war nach Auffüllung erst ein paar Tage später der Praxisbedarf am Start und nach langem Pssspsss auf die Frontscheibe schiesst mir beim Erreichen meiner Geruchsknospen ad hoc ein Kindheitserinnerungs- deja- vu- Bild in den Kopf und ich bin komplett geflashed, dass so ein Geruch so etwas in mir auslöst. Es riecht so, wie die Bonbons, die damals in transparent-/ hellblaues Papier eingerollt waren- evtl. Gletschereis hießen ( wobei hier schon familiäres Dementi kam, denn diese Sorte hat zwar so gerochen und geschmeckt, allerdings war die Verpackung quadratisch und dunkelblau verpackt und es war ein Eisbär drauf) irgendwas mit “ Eis“ war es auf jeden Fall, so viel ist klar.

Ich gehe noch weiter in der Erinnerung dieser Bonbons, denn je nach Temperatur hatte man echt Mühe das Papier in einem Stück abzuwickeln; meist war alles so klebrig, dass man einzelne Plastikfetzen am Finger zu hängen hatte und es quasi einem Sieg gleich kam, das Bonbon tatsächlich irgendwann oral aufnehmen zu können. Man, was für ein kindheitliches Erlebnis so ein banales Utensil für’s Auto in einem hervor ruft! Geruch= Geschmack…in diesem Fall unabdingbar miteinander gekoppelt.

Es gibt zudem – natürlich- Düfte/ Gerüche aus der Natur, die einen immer wieder an einen Punkt zurück holen, den man – meistens- vor langer Zeit erlebt/ erfahren/ erobert hat. In den letzten Wochen erst, meteorologisch gesehen einer der schlechtesten Frühlingsanfänge seit langem, bin ich wieder Richtung Sachsen unterwegs. Links und rechts sonnengelbe Rapsfelder, die mich (jedes Jahr) geradezu auffordern mein Dach zu öffnen, bzw. meine Fenster runter zu lassen, um dem süßlichen Duft des Frühlings festlichen Einzug in meine Nase zu zelebrieren. Raps, gefolgt von Fliederbüschen sind seit meiner Kindheit Botschafter des bevorstehenden Sommers, Wegbereiter und Paten des Geruchs, der die vermeintlich schönste Zeit des Jahres einleiten und dich gefühlsmäßig um Lichtjahre Richtung Bestlaune katapultieren! Mai ist – ach nee…nicht umsonst wohl der Wonnemonat…wer hätt’s gedacht?!! ❤️

Als nächstes- um dann doch gleich absehbar zum Punkt zu kommen- fällt mir der Geruch des ungefilterten Großstadtlebens, sternenklar, nach dem ersten Schneefall, ein. Unbeschreiblich diese Luft. Fast unwirklich kommt es einem vor, denn man kennt es sonst nur aus Urlauben zwecks Skifahren, also Österreich oder Italien, diese klare und gar nicht zu einer Großstadt passenden Bergluft gleichenden puren Qualität. Man muss auch Glück haben, um dies genießen zu können, denn dies qualitative Gut ist nach kürzester Zeit wieder vorbei, zumindest in Berlin. Aber auch dieser Duft ( und die meisten von euch werden es natürlich aus der Kindheit – selbst in Berlin- in Erinnerung haben) ist ein Geruch, der einzigartig ist und einem für immer begleitet- zumindest nie vergessen ist/ wird.

Nun denn, letzten Freitag fahre ich mit meiner Schwester nach NRW, es gibt wahrlich schönere Anlässe, um die Familie zu treffen als diesen, denn wir werden unsere Oma feierlich auf die ewig andauernde Reise schicken, schöne Pfingsten. Ich unterhalte mich über vorher Geschriebenes und der Tatsache, dass ich persönlich hoffe, dass es im Haus meiner Familie, meiner Großeltern, zum Schluss meiner Oma, noch nach ihr riecht. Ich habe diesen Geruch verinnerlicht, den ich auf immer und ewig mit ihr verbinden werde, der seit Kindheitstagen gleich war. Nicht ein „alte- Leute- riechen so- typisches“, sondern meine unfassbar kreative, einzigartige und tougheste „Pippi Langstrumpf- like“ Oma- riecht- so- Duft. Unvergleichlich, so wie sie selbst. Wir kommen an, es ist früher Abend. Meine Tante und meine Mutter sind nicht die- selbstverständlich nicht, denn es ist ihre Mutter, die morgen im größeren Kreis zu Grabe getragen wird- die, wie sie sonst sind.

Es riecht leider gar nicht mehr nach Oma; dafür ist wahrscheinlich auch schon zu viel geändert, entwendet und gelüftet worden. So selten wie man sich aufgrund der immensen Entfernung der Wohnorte überhaupt nur noch sieht, desto schöner ist- trotz des traurigen Anlasses- dass wir nun endlich wieder zusammen sind. Familie über alles!!!

Der Beerdigungstag ist da, es regnet wie aus Eimern die ganze Zeit, dass es selbst Oma’s Wunsch nicht sein kann, denn sie liebte die Sonne, außer es ging um die Zucht ihres Rosengartens. Die Familie sammelt sich nach der Beisetzung in Omas Haus, um – wie üblich- über dies und das, lustige, weniger lustige und ganz anders geartete Dinge aus unserer aller Leben und Erlebnissen mit ihr zu reden und den Schmerz über all dem zu vergessen.

Meine Schwester bringt die Schirme zum Trocknen in die Waschküche und kurz darauf ruft sie nach mir. Laut, so laut, dass ich es sogar, nebst dem oben stattfindenen Trubel, mit bekomme. Ich steige die ultra steile Kellertreppe herunter- und bevor meine Schwester etwas sagen kann- rieche ich es. Sie sagt, völlig glücklich zu mir- wie gesagt, ich habe es schon beim herunter laufen bemerkt- riech mal, es riecht hier tatsächlich noch nach Oma! Ich bin innerlich vor Freude und innerem Geruchs- Memory total gerührt, dass sie es auch gerochen hat und ich umarme sie innig…. denn wir haben noch das gefunden, was wir uns erhofft haben: einen letzten tiefen Zug dieses unvergesslichen Menschen in uns auf zu nehmen (ohne Worte, oder besser gesagt: es gibt nicht genug Worte für die Bedeutung dieses Menschen in unserem Leben!) um sich auch in Jahren noch an dieses “ Zuhause- für- immer- Gefühl“ zu erinnern.

Für immer in meinem/ unserem Herzen, Käthe; Mutter und Oma aus Leidenschaft und stärkste Frau auf diesem Planeten. Frauenrechte kanntest du nicht, du hast sie selbst geschaffen! ❤️

Once in a lifetime

Damals war es noch ganz großes Kino, als wir ’96 nach Südafrika runter sind, 5 Wochen, also kein verlängertes Wochenende, so wie heutzutage. Dazu war uns unser schwer verdientes Geld und die Zeit als Studentinnen, mit der wir unser gefühltes Überdurchschnittlichleben finanziert haben, zu kostbar; gab es damals in der Pflege noch richtig Schmotter, weil keine Abzüge als Student… zusätzlich haben meine Eltern sogar noch meine Miete anfänglich bezahlt. Easy living as a freaky young student in der Mutterstadt! Hat nicht gereicht, denn Kneipe nebenher ist mit 18 losgegangen und dies hab ich auch erst knapp 20 Jahre später aufgegeben, zu sehr hat mich der soziale Psychoscheiß all die Jahre am Wochenende bereichert; froh ist man erst, wenn man los lässt und auf entspannte Art erfährt, wie es ist überhaupt Wochenenden zu haben und irgendwann glücklich ist, auf der anderen Seite des Tresens zu sitzen. Aber zurück zu der abgefahrendsten Zeit meines Lebens, denn soviel ist klar: niemals hast du mehr Zeit für Entertainment als Student! Die Einstellung hat mich kein Jahr später die Zwangsexmatrikulierung gekostet, war wohl zu lax mit der Materie umgegangen.

Im Oktober erst wieder gekommen mit meinem damaligen Freund, insgesamt 8 Wochen in USA und Mittelamerika unterwegs gewesen, sind meine neue 2. Hälfte (aka beste Freundin) und ich nach Südafrika los, insgesamt 5 Wochen…ein unvorstellbares Leben hatten wir damals, es war 1996, wir waren in der wahrhaftigen Blüte unseres Lebens, fuck man, wir waren 24! What the fuck hätte uns schon passieren können? Auslöser war meine Schulfreundin  die nach’m Abi wieder in die Heimat gezogen ist. Was machst du so, hmm, keine Ahnung, willste mich besuchen? Na sicher, keinen anderen Plan für die Semesterferien; Geld war da, Freundin hatte auch genug davon, also nichts wie weg mit uns beiden. Selbst die aktuellste Liebesbeziehung meinerseits konnte nichts daran ändern, zu frisch allemal, doch auch nicht egal. Egal genug aber, um ans andere Ende der Welt zu fliegen, um die große weite Welt nicht nur auf dem Globus für immer zu bestaunen, sondern – weil alle Fakten auch dafür sprachen- einfach los zu fliegen und sich dabei wirklich frei zu fühlen. Jetzt, 27 Jahre später, fühle ich mich immer noch besonders, wenn ich über diese Zeit rede, da es auch für immer in meinem Kopf sein wird, all das, was wir damals so erlebt haben. Laut einem
Werbespruch gibt es für alles andere die Mastercard- bei uns war es damals VISA, aber ehrlich- scheiß die Wand an!

Es ist also so weit, es geht los. Sehr bizarr, da uns meine neue Liebe zum Flughafen bringt, welches der mittlerweile zum Erholungsgebiet umfunktionierte Flughafen Tempelhof ist; ich komme mir vor wie ein VIP, denn ich bin vorher noch nie von Tempelhof geflogen und selbst der Weg durch die von  Hitler’s Wahnsinn getriebenen Megahallen zum Flugzeug hin, lassen alle jemals getätigten Flüge tatsächlich im kältesten Schatten erblassen, denn es ist wahrlich ein erhebenes Gefühl, und wir lieben es; es könnte nicht besser starten. Ab in die größere Ausgabe einer Chesna, 30 Personen haben Platz, und ab nach Brüssel. Es gibt Getränke und einen kleinen Snack, heutzutage undenkbar, aber damals selbstverständlich und wir sind nicht abgeneigt. Brüssel Airport, kurzer Halt- ich gestehe, dass ich nicht mehr mehr weiß, ob wir irgendwo rein gegangen sind- wir rauchen eine Zigarette und boarden. Fette Maschine, super First Class , jugendlicher Neid kommt kurz hoch, doch selbst unsere Economy ist bequem und ab geht’s nach SA!

What a feeling! Es ist kurz nach der Regenzeit in Südafrika, dementsprechend ist es gefühlt (und auch in echt) recht tropisch. Uns gehört die Welt!!! Kein jemals zuvor erlebtes Gefühl entspricht dem, was wir ab sofort als Dauerzustand haben. Unbeschreiblich! Johannisburg ist der place- to- be für die erste Woche und meine Schulfreundin hat alles erdenkliche unternommen, um es uns nicht langweilig werden zu lassen. Apartheid hin oder her (komme ich später noch einmal drauf) , es hat uns an nichts gemangelt. Prätoria, Johannisburg selbst und alles drum herum, nebst Sun City und dem eng verbundenem Township,in dem Winnie Mandela einen Palast bewohnt, der es einem kurzzeitig schwer fallen lässt, den sozialen Hintergrund des ganzen Kampfes um Gerechtigkeit in diesem Moment zu verstehen. Aber wir sind abgelenkt und zudem im super euphorischen Urlaubsmodus. Der Planet brennt und lässt uns in jeder Sekunde spüren, dass wir keine Einheimischen sind, keine Ahnung, ob es denen wirklich besser geht aber zumindest sind sie an dieses Klima gewohnt, wir halt nicht.

Und so ergibt es sich, dass ich nach einer Spritztour mit dem Cabrio schon vor der Weiterreise denke, dass ich mich absehbar schlangenmäßig von meiner überschüssigen Haut trennen muss, nicht ausgemalt, was noch schlimmer kommen kann, als dass man die Verbrennungen seines Lebens von sich getragen hat. Weit weg von der Realität, die mich dann heimgesucht hat, bewegen wir uns per Flieger nach Kapstadt, von wo aus unser richtiges Abenteuer erst los gehen soll. Angezogene Handbremse ist kein Ausdruck für die erste Zeit in Kapstadt, die Stadt der Superschönen und coolsten people ever met auf diesem Planeten. Ich war es jedenfalls nicht, eher so die „ich schäle mich dreimal, bis ich irgendwann wieder aussehe, dass es sozial erträglich ist“ und das hat echt gedauert. Glücklicherweise war in unserem Hostel ein Typ, der offenbar noch fester stand als ich als rollender Stein, und mich normal behandelt hat- Back Gammon spielen und dabei ’ne Ananas rauchen haben evtl. dazu bei getragen, nichts genaues ist überliefert- so dass ich mich tatsächlich 5 Tage nicht außerhalb der Backpackerlodge in Kapstadt bewegt habe. 1000 Spiele später und einem Gefühl des ewig bleiben wollens  haben wir es tatsächlich zusammen raus in die Stadt der Models und Reichen geschafft! Insgesamt, soviel muss vorgegriffen werden, haben wir abzüglich meiner Pell- Woche tatsächlich 2 1/2 Wochen in dieser Stadt verbracht, also ausreichend Zeit, um alles in und drumherum von Capetown zu erkunden; auch erleichternd, dass ich plötzlich wieder ein Gesicht hatte, welches nicht bei der kleinsten Bewegung aufplatzt und eine Fratze hervorruft; Südafrika hat sich von seiner schönsten Seite gezeigt und wir haben alles, was uns vor die Füße fiel, ausgehungert in uns aufgesogen und uns vom Erfahrungen sammeln ernährt. Ein Leben, wie man es sich zuhause einfach leider nicht vorstellen kann. Nearly a teenage- dream, hätte auch klappen können, denn wir haben irgendwann Leute kennen gelernt, die uns nicht abgeneigt waren, keinen Plan, ob tatsächlich was draus geworden wäre, aber der Ansatz war da… Dr. Greenthumb hat garantiert seinen üblichen Shit dazu beigetragen…who knows!? Aber wir reden heute manchmal noch darüber, was es mit unseren Leben gemacht hätte, hätten wir zu all dem ja gesagt. Und unter uns, es gibt kein besseres Alter, um dem deutschen Land den Rücken zu kehren! Haben wir aber nicht, wer weiß, für was es gut war. Alleine darüber nach zu denken macht mich irgendwie traurig, obwohl ich hier und jetzt so super glücklich bin, ich denke einfach seit längerem nicht mehr drüber nach, Fakt.

Wir sind ,als Teil des alltäglichen Lebens, ins Kino zu ner Doublefeature gefahren, vorher natürlich ordentlich was aus unserem Fundus geraucht- in Südafrika hat man damals Schlaftabletten rein gebröselt, was deswegen überaus hilfreich bei Filmen wie Heat und Casino ist….wir reden hier von 7 Stunden Film…den 2ten Film haben wir auch gar nicht mehr gesehen, uns war nach Baden gehen- ab zur Waterfront! Gleich mal nen halben (Höhe nicht dramatisch, 60m, deswegen halb) Bungeesprung hingelegt, man gönnt sich ja sonst nix,  auf dem Rückweg dann durch die City gecruised und einfach fett Spaß gehabt. Soll ja auch so sein! Nur manchmal fällt uns die unglaubliche Grätsche zwischen Arm und Reich auf, meistens allerdings laufen wir im Zwist liegenden Schwarzen über den Weg, die sich lauthals zoffen.

Wir reisen also durch dieses schöne Land, nehmen ein nach Woodstock benanntes Festival mit und schwimmen im eiskalten Wasser mit Pinguinen, vorher bestaunen wir noch andere Touri- Autos, die sich von dahergelaufenen Affenhorden beklauen lassen und fühlen uns, in der Tat, jeden Tag mehr als würde uns alles gehören, so frei sind wir von allem, was uns in der Heimat wahrscheinlich viel zu schnell wieder in die Maschinerie trudeln lässt, so dass wir auch sehr erfolgreich nicht daran denken. Manchmal überkommt mich ein verliebter Gedanke an den Menschen, den ich erst kurz vorher ins Herz geschlossen habe , aber dieser verfliegt glücklicherweise alsbald auch wieder, zumindest tut er nicht weh. Wir lernen ebenso verrückte Menschen wie uns kennen, die alle auf der Suche nach dem Sinn des Lebens sind und deswegen durch die Welt reisen- und wahrscheinlich hat jeder Dritte es auch nicht mehr nach Hause geschafft, da er- im Gegensatz zu uns die Eier hatte, um seinem Bauchgefühl mehr Bedeutung zu zumuten, als wir es taten , aber es war wirklich wie im Paradies. Keinen Gedanken an das, was kommt oder einen erwartet, bzw. einfach nur machen, wonach einem gerade ist…es war tatsächlich ein Zustand, der gerne von Dauer hätte sein können. War er aber nicht…weil wir halt nicht den Mum hatten, dies umzusetzen, auf dass wir aber eigentlich richtig Bock hatten. Bis zum letzten Tag haben wir aber auch nichts durchblicken lassen, geschweige denn, dass wir uns gegenseitig irgendwas eingestanden haben; und ich war sogar schon kurz davor meine Mama anzurufen, um ihr zu offerieren, dass sie mein komplettes Hab und Gut zu Geld machen soll, weil ich tatsächlich nicht mehr zurück komme, da es einfach der wahrhaftige Traum hier ist; in der Tat aber leider nicht so weitsichtig war, wie erhofft, und deswegen nach einer letzten Woche in Johannisburg doch am Airport stand, um die Heimreise anzutreten, sodass alles mit dieser Entscheidung  vorprogrammiert war. Wir mussten sogar die Hälfte unseres Bob Marley Gedächtniskrauts am Airport in die Tonne hauen, passiert halt, waren gar nicht so wild an Start, also kein Ding. Berlin, der Ort der finalen Destination, natürlich wieder VIP- mässig in Tempelhof gelandet, ist schneller erreicht, als uns lieb ist. Auch ein ebenso verknallter Typ wie ich in ihn kann dem doch fühlbaren Ende eines Traums nicht wirklich positiv entgegen wirken, obwohl ich mit einem Strauss Rosen in Empfang genommen werde. Peng. Landung. Hitler- Gedächtnis- Rundgang zum Exit und ab in irgendeine Bar, denn nach Hause wollen wir nicht, zumindest hat es noch Zeit. Ein paar Prosecco später am Winterfeldplatz und der Gewissheit, dass wir nicht im Viertel unseres Vertrauens den weltbesten Schwarma essen, bringen wir die Frau, die ich eigentlich nicht verlassen möchte, da sie der einzige Beweis für das erlebte Abenteuer für mich ist, nach Hause und sind kurze Zeit später bei mir. Ist doch ganz schön; ich berichte natürlich nicht über meine über Bord geschmissen Auswanderungspläne, das bleibt ein Geheimnis, ein sehr schönes.

Gestern erst haben wir beschlossen, dass wir im Sommer eine Woche auf Ibiza zusammen verbringen wollen, das erste Mal seit 1996. Ich piss mir jetzt schon in die Hose vor Freude, denn es kann nichts schief gehen- uns gehört eh schon alles, das steht seit Kapstadt fest. Aber wie damals werden wir uns wieder für die Heimreise entscheiden… vielleicht auch besser so, sind ja schließlich keine 24 mehr. Erik würde mitziehen, ein wichtiges Detail.

Love you! Aber wer war nochmal Klaus???🤪

Asleep / to the toughest woman on earth, I love you so much!

Sing me to sleep
Sing me to sleep
I’m tired and I
I want to go bed
Sing me to sleep
Sing me to sleep
And then leave me alone
Don’t try to wake me in the morning

‚Cause I will be gone
Don’t feel bad for me
I want you to know
Deep in the cell of my heart
I will feel so glad to go

Sing me to sleep
Sing me to sleep
I don’t want to wake up on my own anymore
Don’t feel bad for me
I want you to know
Deep in the cell of my heart
I really want to go

There is another world
There is a better world
We’ll there must be
We’ll there must be
We’ll there must be…..

Bye
Bye
Bye, hmm

Dann like mich doch am Arsch!

Freunde kommen und gehen im Laufe eines Lebens, das ist nunmal so. Früher, wo man noch jedem und allen gefallen wollte, dachte man ja, dass die, die einem nur annähernd Aufmerksamkeit entgegen brachten, automatisch Freunde sind. Es ist geradezu faszinierend, dass ein gewisses Alter erst erreicht werden muss, wo sich die Einstellung dazu offenbar ändert.

Der Klassiker an Freundschaften entwickelt sich ja zu Schulzeiten. Klar, man durchlebt den aufregendsten Teil seines Lebens miteinander, all die Höhen und Tiefen des jugendlichen Daseins, hin zum Erwachsen werden. Wobei “ erwachsen werden“ für mich nicht so passen will. Vernünftig sein, verantwortlich sein für sich und sein Tun ok, aber erwachsen? Kann man auch später noch werden, denke ich.

Aber der schulfreundschaftliche Weg ging durch die Schwerstpubertät hin zum vermeintlichen Erwachsensein. Das schweisst zusammen und wird, egal was passiert, auch immer in besonderer Erinnerung bleiben! Aber selbst diese Freundschaften können sich aus den Augen verlieren, ganz ohne Absicht, einfach durch unterschiedliche Pläne, die die Zukunft bereit halten soll, verbunden mit Wegzug in eine andere Stadt oder anders gearteter Dinge.

Der nächste Freundeskreis gestaltet sich um den ersten Freund herum, wenn dieser nicht in der selben Klasse ist. Der ist cool, die sind cool und umso cooler ist es, wenn sie einen auch cool finden. Man bewegt sich ausserhalb der gewohnten Umgebung, fremder Bezirk und trotzdem im Bann dieser Clique, die um so vieles mehr zu einem passt, als es der Rest im vertrauten Schulalltag her gibt. Aus diesen Kreisen entstehen oftmals Bindungen, die tatsächlich von Dauer sind und die einen lange durch die nächsten Stationen des Lebens begleiten; bis heute, wenn auch mit Unterbrechungen, weil man einfach gleich tickt, das Leben parallel verläuft und, dass ist natürlich elementar wichtig, man sich mag, so wie man ist und mit den Macken des anderen bestens vertraut ist. Nicht umsonst hält eine Freundin/ ein Freund so etwas über Jahre überhaupt aus! Es ist trotzdem die Jugend, die zu diesen Bindungen führt und langfristig bindet. Es geschehen aber noch wirklich unglaublich verrückte Situationen, die zufällig erscheinen, doch im Nachhinein Bestimmung sind oder waren; anders kann ich mir das Zusammenfinden mit einer meiner später engsten Freundinnen nicht erklären. Wilde Zeiten, die Mittneunziger, alles war möglich und wir wollten überall dabei sein; haben wir auch ganz gut hin bekommen würde ich behaupten. Und alles, während wir uns beruflich um alte Menschen gekümmert haben; und das mit Leidenschaft, ernsthaft! Widersprüche waren damals eh Gang und Gäbe…also passte das ganz gut! Anfang/ Mitte 20 war die Welt auch noch in Ordnung und an Vernunft nur eher am Rande zu denken.

Tsja, und dann ging es in den Bezirk, aus dem alle, die ich dort irgendwann kennen gelernt habe, weg gezogen sind und ich habe meine neue Heimat gefunden. Liebe hin, Liebe her. Hier passierten Dinge, Beziehungen und Techtelmechtel, wie es die BRAVO Lovestory nicht besser in Worte und Bilder hätte fassen können. So verhält es sich offenbar auch mit Freundschaften. Es ist ein bisschen so, wie damals, als er cool war und das coolste war, dazu zu gehören oder aber man dachte, dass man Freunde hat, weil hier Sympathie und Status noch ganz groß geschrieben wurde. Ich bin hier auf ein Phänomen gestossen, was mich irritiert. Schwarmlogik und Schwarmverhalten, die/ das sich mir nicht erschließt oder aber auch nicht zu begreifen ist. Egal, was genau vorgefallen ist- mehrfach, nur anders irgendwie- immer das gleiche Procedere. Person X gerät in Situation Y, womöglich mit Person V, was eigentlich legitim ist, aber irgendwie nicht ins Gesamtbild der Aute Volaute, selbst dazu erchoren, passt oder unstimmig ist, weil….wird urplötzlich aus der vermeintlich freundschaftlichen Runde ins Exil verbannt, ohne Erklärung des „warum“ und „weshalb“, ist dann einfach so. Punkt. Mit ein bisschen Glück erfährt man über Umwege, dass XV in Ungnade gefallen sind, weil das, was vorgefallen ist, ja überhaupt nicht gehe! Soso! Wurden XV denn mal befragt, warum, wieso, weshalb? Nein, aber ist doch offensichtlich; außerdem denken alle so. Na gut, ist dann wohl so. Irgendwie ein bisschen einseitig, die ganze Schose, ich denke mir meinen Teil.

Ich habe leider einige dieser vermeintlichen Freunde durch wahrscheinlich eben geschildertes Schwarmverhalten verloren und weiß bis jetzt nicht warum. Hat mich lange beschäftigt, weil diese – mir zumindest- echt am Herzen lagen. Aber so ist es hier wohl. Werde ich eh nicht mehr in Erfahrung bringen. Schön allerdings, wenn der Moment kommt, wo es einem egal ist, oder es einen zumindest nicht mehr verletzt, bzw. beschäftigt, ein zuweilen wahrlich langwieriger Prozess, und man bereit ist, innerlich den Mittelfinger zu strecken und sich inbrünstig denken kann: Dann like mich doch am Arsch!

Das tut gut und hat fast etwas therapeutisches an sich; irgendwie stellt man dann auch fest, dass einem – wie durch Zauberhand- eigentlich auch gar nichts mehr fehlt und es einem besser geht! Schade nur, dass der Weg dahin ein so holperiger war!

Ich glaube, dass ich rückwirkend dies alles sogar richtig gut finde, bin ja weiß Gott nicht die, die aktiv Leute um sich scharrt, weil sie im regelmäßigen Turnus alle um sich haben muss. Dafür habe ich einfach zu viel mit Menschen zu tun, als dass ich aus fehlenden sozialen Kontakten verwahrlose. Ganz im Gegenteil: die dadurch komprimierten, gefilterten und verbleibenden „heiligen Grale“ der Freundschaft haben mich wohlwissend als Freundin gewählt, so wie ich sie und erwarten keinerlei Gegenleistung oder dass gar andere Sperenzien unsere unregelmäßig regelmäßige Vertrautheit stören. Das liebe ich, das beruhigt mich. Weil ich nicht irgendeiner Denke entsprechen muss oder überhaupt auf die Idee kommen müsste, annähernd etwas zu sein, was ich einfach nicht bin.

Tsja, irgendwie will mir hierzu kein passendes Ende einfallen, zumindest schießt mir nichts Stimmiges in den Kopf. So bleibt dieser Gedankenerguss wohl unvollständig…

Zuhause ist das Wort, trifft es wohl am ehesten, dieses Gefühl, was mich so sehr an die Gralhüter bindet. Heutzutage ein wirklich zu hütender Schatz, unbezahlbar, dafür bin ich unfassbar dankbar!

Späti

Lese auf FB gerade, dass eine Seite aufruft, den besten Späti aller Bezirke zu küren; mit kleiner Geschichte und am besten Fotos, um dem ganzen mehr Authenzität zu verleihen. Prinzipiell ein echt netter Ansatz, sind sie doch die Geschäfte, die einen bei akutem Bedarf Abhilfe schaffen, sei es in erster Linie mit Alkohol- hab noch nie jemanden Käse oder Eier kaufen sehen- ist ja schließlich auch ’ne Daseinsberechtigung. Allerdings kann ich aus aktuellerem Anlass ( jetzt doch schon bestimmt 2 Monate her) nicht wirklich ein gutes Wort an diese Einrichtungen verlieren.

Wir haben unten im Nebenhaus ein solches Geschäft, schon seit über 10 Jahren eigentlich und bis vor einiger Zeit- wahrscheinlich in Summe dann doch schon ein paar Jahre- hatten wir kein schlechtes Verhältnis zueinander. Man kaufte zwar aktiv nichts mehr, denn dazu sind Frankfurt/ Oder – Besuche beim Handel dann doch verlockender, als die teure Variante beim Späti zu erwerben,- wenn man denn Raucher ist ( ja, es gibt noch Raucher)- und auch die Parties lassen im Laufe der Jahre nach, in denen kaltes Bier als Nachschub von Bedarf ist. Also alles in allem eine “ Leben und leben lassen“- Situation. Asis waren sie von Anfang an, die Besitzer, hat halt nur erst später angefangen zu stören. Asi deswegen, da plötzlich gefühlt Ansprüche angemeldet wurden, bzw. ein Verhalten an den Tag gelegt wurde, was sich nur beschreiben lässt, wie Sido einst über seinen Block gerappt hat…klar, ist ja eben auch nur Spandau, aber Grenzen im Benehmen gibt es auch hier!

Naja, um mich jetzt nicht in alten Zeiten und dem damit verbundenen passiven Stress zu befassen, rutsche ich doch lieber gleich in den aktiven und aktuellen Stress rüber- geht ja schließlich um den Späti des Jahres. Wie aus heiterem Himmel hat wohl die Asi- Familie den Laden an- bis zu dem vermeintlichen Tag- unbekannte Fremde abgetreten.

Ich komme mit Mann im Schlepptau vom Einkaufen nach Hause, es ist Freitag und Parkplätze zu dem Zeitpunkt eher Mangelware. Ich entdecke in unserer Einfahrt eine „wird eher knapp Lücke“ und sehe dann, dass ein Wagen nur zwei Parkplätze vor der Einfahrt, offenbar frei wird: der Mann packt Dinge in den Kofferraum und geht zur Fahrertür, sieht dann aber, dass ich wieder ausparken will und den Blinker setze…um mir dann zu offerieren, dass er nicht heraus fährt; ich merke, dass das ein beschissenes Spiel am Start ist und gestikuliere nur, dass es echt nicht ok ist. ( Und das ist nur die halbe Wahrheit, denn die Vorbesitzer haben schon dieses Ding drauf gehabt, sich immer mit drei Autos die Parkplätze frei zu halten. Ich bin ehrlich gesagt außer mir und würde am liebsten aus dem Auto springen und richtig ausrasten. Weil es einfach nicht cool ist und eher unter die Rubrik fällt, assi zu sein….ich könnte einfach ausflippen. Punkt.)

Es kommt noch besser, denn der Sohn – ich gehe davon aus, dass es der Sohn ist- kommt vor den Laden gelaufen und wirbelt mir mit abwiegelnder Geste zu, dass ich hier nicht parken kann/ könnte. Da wir TK- Dinge dabei haben und das Wochenende vehement an die Tür klopft, fahre ich los, um einen anderen Ort für das Gefährt zu finden, wir werden auch fündig.

Klarer als sternenklar jedoch die Situation beim “ um die Ecke und zu unserem Haus laufen“: der Wagen ist weg und es klafft mir diese riesige Lücke im Parkhafen entgegen, in die sich nun, mit einem Transporter, der vermeintliche Sohn versucht ein zu lotsen. Das will ihm nicht so recht gelingen, denn er stellt sich dann in unsere doch nicht ausreichend Platz bietende Lücke unserer Einfahrt, meinem Ausgangspunkt des ganzen Dilemmas. Ich gehe erst normal rein ins Haus, schwer bepackt, da Omnieinkauf getätigt, Männe schleppt den Rest rein und ist schon auf halber Treppe, als ich kund gebe, dass ich doch nochmals raus gehe, um meinem Groll wegen des Parkplatzfreihaltens freien Lauf zu lassen.

So warte ich also in der Haustür, bepackt mit Taschen im Fußbereich, damit der Einkauf nicht flöten geht, darauf, dass der Typ eingeparkt hat. Innerlich bin ich schon nervlich am Ende, es gibt nichts, was mir verhasster ist, als Leuten eine Ansage zu machen, aber nun habe ich mich dazu entschieden und warte also. Die nachfolgende Situation ist so bizarr und trifft mich eiskalt in meinem vorgefertigten Plan, dass ich für das Verhalten meinerseits keinerlei Erklärung finde: er parkt ein, steigt aus- sieht mich die ganze Zeit dort stehen – und haut folgendes zu mir raus: (O- Ton) haste keine Hobbies? Was glotze denn so, du alte Fotze? Verpiss dich!

Ich glaube in dem Moment, dass ich im falschen Film bin, ich habe spontan die Wüste Gobi im Mund und in der Kehle, bekomme fast keine Luft mehr, bin kurz vor einem Herzriss. Ich bin so fassungslos, dass ich ihm nur entgegen schreie (spätestens da bin ich nicht mehr ich selbst), dass er derjenige ist, der sich verpissen soll.

Klack. Die Tür geht zu und ich gehe hoch zur Wohnung. Ich kann keines der Dinge, die in meinen Taschen sind, ausräumen, denn mein Puls erstickt mich fast und ich kann nicht klar denken. In einer anderen Welt- einer bösen- würde ich nochmals runter gehen und ihm nonverbal klar machen, was ich ursprünglich sagen wollte. Aber ich bin lieber fast eine halbe Stunde wie auf Droge und versuche zu atmen, denn ich kann es echt nicht fassen, was da eben passiert ist. Ich gehe irgendwann auf den Balkon, um die Blumen zu gießen und schaue automatisch runter und eben welcher, der sich mir so unsagbar gut als neuer Besitzer des Spätis vorgestellt hat, schaut hoch und sieht, dass ich ihn sehe und steigt in sein Auto, um es um zu parken, denn es gilt Parkverbot in unserer Einfahrt.

Ich habe ihn seitdem echt nicht mehr gesehen, nur den Vater, der ja nicht wegfahren wollte. Das Autogeschiebe um den Parkplatz läuft natürlich auf vollen Touren. Ich habe keiner meiner geplanten Aktionen umgesetzt, sondern einfach mal Ruhe bewahrt; freue mich darüber, aber bin mir nicht sicher, ob es diesmal tatsächlich ein Erfolg ist, nichts zu tun.

Fakt ist auf jeden Fall, dass dieser Späti nicht in die engere Auswahl kommt, um erwähnt zu werden ( außer hier- und das ist schon mehr als er verdient) aber eins ist klar: ertappe ich irgendeinen, der dort auch nur einen Cent lässt, bin ich wirklich persönlich beleidigt!

Übrigens auch eine sehr geschäftstüchtige Art, sich im Kiez bekannt zu machen…. glücklicherweise gibt es eine Ecke weiter gleich den nächsten, die paar Meter klappen dann doch ganz gut, falls man doch mal einen braucht. Hopefully, dass die Inhaber eures Lieblingsspätis preisverdächtig sind, verbleibe ich mit den Worten: der in der Pichi 33 ist es nicht!

… vielleicht mache ich doch heimlich mal ein Foto, damit auch klar ist, wo man nicht hingehen sollte…

Ich bekomme schon wieder Schnappatmung…also für kreative Vorschläge bezüglich heimlicher Rachepläne bin ich doch dankbar!

Wenn Corinna zu Besuch kommt

Seit nunmehr 15 Monaten wissen wir es und leben mit der Gewissheit, dass sie jeden aufsuchen kann, diese hinterlistige Corinna, man versucht ja schließlich alles, um dem ungebetenen Gast den Einlass zu verwähren.  Ich kenne so viele, die aus unzähligen Gründen, trotzdem von ihr aufgesucht wurden, bei manchen sogar ein Familienmitglied auf die unendliche Reise in ferne Dimensionen mitgerissen hat oder aber dafür gesorgt hat, dass man die Begegnung so schnell nicht vergisst.

Aber so richtig hatten wir noch keine ernsthaften Berührungspunkte; abgeschotteter und auch vorsichtiger kann man auch gar nicht seinen aktuell einseitigen Alltag bestreiten. Und doch klopfte sie gestern bei uns an, bei der Arbeit im Freien, da, wo man es gewiss nicht erwartet hätte. Mein Mann war der sogenannte Erstkontakt der unerwünschten Dame und sitzt aktuell in Quarantäne zuhause, wartend, dass sich das Gesundheitsamt endlich meldet, um durch den ersehnten PCR- Test zu erfahren, dass Corinna nur an ihm vorbei gehuscht ist, ohne wirklich Spuren zu hinterlassen oder gar bleiben zu wollen. Diese Info hat mich erstmal sprichwörtlich aus den Schuhen gehauen; habe mich dadurch tatsächlich meinem allerersten Test unterzogen, sah vorher nicht wirklich eine Notwendigkeit darin, dieser glücklicherweise negativ ausgefallen ist und verspüre seitdem trotzdem eine innere Unruhe, dass doch etwas es in unseren kleinen intimen Familienkreis geschafft hat, vor dem ich – aus gesundheitlicher Vorerkrankungsgeschichte- tatsächlich große Angst habe, denn ich würde diese Begegnung wahrscheinlich nicht überleben. Kaum vorstellbar, was seit gestern zuhause anders läuft, bis Klarheit als Ergebnis quasi Schwarz auf Weiß vorliegt, Ausnahmezustand ist der richtige Begriff, bzw. am treffendsten.

Kein Kontakt in der Wohnung, Desinfektionsgeruch schlägt mir allerorts entgegen, was wirklich höchst unangenehm ist, gibt ja Dinge, an die kann man sich einfach nicht gewöhnen. Ich lebe im Wohnzimmer, er ist ins Schlafzimmer gezogen; ohne TV aber bestens via WLAN versorgt, eine absurdere Situation ist in heimischen Gefilden schlicht undenkbar.

Da ich ab morgen auch zuhause bleibe, da ich ja nicht unnötig Kunden besuchen muss um evtl. unwissentlich Besucherkarten für Corinna zu verteilen, denn die Karenzzeit ist ja erst am Wochenende rum, war ich heute einkaufen, als würden wir wer weiß wie lange im Exil leben- totaler Quatsch eigentlich, aber ich konnte nichts gegen den inneren Versorgungstrieb machen, seltsam. Es ist auf jeden Fall die verrückteste Zeit, nicht nur unseres Lebens, aber auch diese wird hoffentlich- in diesem gesonderten Belang- positiv ausgehen. Wer mag, darf kräftig Daumen drücken. Gebt einfach acht auf euch und checkt genau, wen ihr reinlasst!

Glücklicherweise kenne ich aktuell keine echte Corinna persönlich, würde mir für den gewählten Namen dann doch Leid tun!

Count your stars…

Du weißt, dass du richtig bist, wenn du an einem Montag nachmittags mit deinem Mann zuhause sitzt, leicht übermüdet von der Oscar- Nacht, aber doch schon wieder ’n Prosecco auf machst- evtl. als sogenanntes Konterbier, nur eben in Sektform- und dir wegen all dem musikalischen Konzertentzug in voller Lautstärke das Guns ’n Roses Konzert von ’93 in Sascatoon/ Canada in voller Länge rein ziehst. Was für ein Urlaub, denke ich. Eigentlich wollten wir jetzt in Sankt Peter Ording mit unserem WoMo beim Kollegen von mir hinter der Düne am Haus stehen und ein wenig Urlaubslaune tanken. Egal, denke ich allerdings jetzt, denn ich habe alles was ich brauche direkt vor meiner Nase und wenn wir Wasser wollen, gehen wir einfach rüber zum See oder an die Havel. Also scheiß drauf! Da endlich die T-Shirts aus Asien angekommen sind, die Axl während der Tour von ’91-93 getragen hat, ist es an einem Tag wie diesem in zweierlei Hinsicht super, denn der Mensch mit dem ich irgewann tot umfallen will, sitzt neben mir und sieht zudem auch noch aus wie der Mann, der uns nicht nur diesen nachmittäglichen Montag so stimmgewaltig unterhält, sondern von dem ich auch damals schon unfassbar Groupie war, jedoch nicht so sehr, wie bei ihm; ich glaube er würde sich von mir scheiden lassen, wenn er die Wahl hätte, irgendwie läuft da noch ’n anderes Ding als bei mir damals. Aber das ist vollkommen okay, denn das wird sowieso nicht passieren! Lach! Und so grinst mich ein Charles Manson- Shirt an und es wird  die E- Gitarre gezückt und schwupp sind wir in unserer eigenen Welt, glücklich darüber, dass genau wir beide uns getroffen haben, denn kein Dritter auf der Welt kann genau diesen großen Knall haben, den wir hier heute und jetzt abfeiern….harmlos ausgedrückt. Es gibt nix besseres als solche Tage!

Knocking on heaven’s door läuft gerade und ich glaube, dass wir gleich beim Nachbarn klingeln, einfach so, um zu pöbeln. Ist weitaus nicht so krass, wie es sich anhört, denn das kennt er schon; naja, uns zumindest. Ein super gechillter Mensch, der sich immer über unsere leidenschaftliche Seite mit freut. Grandiose Nachbarn haben wir, denn manchmal glaube ich, ist es zu laut. Mein Mann sagt dann immer, dass wir ja nur über den Fernseher hören, richtig laut wäre es ja erst, wenn wir die Anlage an schmeißen. Prinzipiell hat er ja Recht, ist halt auch Ermessenssache…mal so und dann halt mal so. Kann auch gar nicht so schlimm sein, denn seit unsere Übermieter mit der Tochter die Zimmer getauscht haben, sie jetzt also über unserem Wohnzimmer wohnt, hat sich heraus gestellt, dass sie angefangen hat, Gitarre zu spielen. Ich glaube, dass sie uns mag. Ich glaube, dass sie auch ein kleiner Punk ist. Also ich mag sie.

Jetzt spalten sich unsere Geschmäcker, es läuft November Rain, bin ich drüber, kann’s echt nicht mehr hören. Also nippe ich mehrfach am Prosecco und rauche erstmal ’ne Zigarette. Wir philosophieren darüber, wie super cool es wäre, wenn wir selbst ’ne Band wären und was es auf sich hat, mit den beiden Getränkepullen von Axl. Fuck, ich habe das Gefühl, dass ich mich mit mir selber unterhalte und kann nicht fassen, dass es tatsächlich jemanden gibt, der echt genauso crank ist. Unbezahlbar so ein Moment, ein Montag, ein Leben!

Und dann geht’s los… der Terminator 2- Song…erster Film im Kino mit Dolby Surround…und es gibt keinen Menschen auf diesem Planeten, dem ich (und andersrum) so gerne ins Gesicht schreie, dass er seine Sterne zählen soll, weil ich zurück bin!

…’Cause you could be mine…

Das schönste am Nichtstun

Oh man, nach der ersten Woche zuhause im wohlverdienten Urlaub fühl ich mich wie nach drei Wochen Krankschreibung letztes Jahr. Es passiert genauso wenig, das Wetter ist das erste Mal seit Jahren wieder den Jahreszeiten entsprechend und demnach nicht wirklich aktivitätenfördernd; die Wohnung seit letzter Woche quasi auf Erstbezug gereinigt, da dem Beschäftigungsdrang nach gegeben – durchaus aber happy mit dem Ergebnis, da innerhalb der normalen Arbeitswoche doch nicht wirklich an Aufraffen des selben zu denken ist- war das bisherige Highlight die in der letzten Nacht stattfindene Oscar- Verleihung live (!) aus LA. Hab mir früher tatsächlich gerne mal frei genommen am Montag danach oder im schlimmsten Fall Homeoffice eingeläutet, obwohl pandemiefreie Welt vorherrschte und gespannt gelauscht, bzw. geglotzt habe, wer und was in der Kinowelt so -manchmal- endlich mal eine Wertschätzung seines Tuns erhalten hat. Gestern allerdings, in Vorfreude auf das Happening, da keine Termine, leicht einen sitzen, beginnend mit der erstmaligen Verlegung, der doch mittlerweile langwierigen Tradition des Spektakels vom Chinese Theatres ins Dolby Theatre am Union Sqare und der Tatsache, dass nur Nominierte anwesend waren, drapiert an Tischen, wie man es aus Vergas kennt ( außer die Ladies, die im Film „Emma“ mitgewirkt haben und deswegen aussahen wie Scarlett ‚O Hara, ohne verweht zu werden, aber so überladen) und wie auf Abruf einfach nur so da saßen, weil offenbar das Publikum und die damit verbundene wirkliche Aufmerksamkeit fehlten, hat mich ernsthaft in meiner kineastischen Welt erschüttert. Es hat keine offensichtliche Moderation stattgefunden und wenn, dann war die Erwähnung der Nominierten so unauffällig, dass ich durchaus irritiert war, dass es plötzlich eine Verleihung gab. Bekanntlich kommen ja eh erst am Schluss die richtig bedeutenden Rubriken, bester Film, Schauspieler und Schauspielerin. Doch seit ein paar Jahren interessieren mich tatsächlich auch die zahlreichen, vermeintlich zweitrangigen Bereiche dieser abendfüllenden Veranstaltung. Aber irgendwie ist das alles so wischiwaschi abgehandelt worden, dass es echt eigentlich eher traurig war, als dass es Glamour oder sonst irgendwas von Show implizierte, so, wie man es sonst erwartet hätte, zumindest. Man, die Oscars sind mein komprimiertes „was- geht- bei- den- Leuten- ab- die- ich nur- aus- dem-TV/ Film- kenne“- Info- Event, welches ich ansonsten maximal alle 2-3 Monate beim Lesen der GALA oder INSIDE während des Einwirkens meiner Blondierung beim Friseur meines Vertrauens in Erfahrung bringe…und nun dies…keine Infos, keine wirklichen Interviews, außer Frauen in schicken, gesponserten Kleidern, nichts.

Schade um den Schampus gestern. Müde bin ich auch, obwohl der Schlaf noch nicht ausreichend Einzug erhalten hat- eh nicht so wichtig, hab ja Urlaub- kann man ja mal überm Zaun hängen. Glaube, ich werde erstmal ’n Lachsfrühstück einwerfen und dann dem Nichtstun fröhnen, naja und maximal nach dem Film „Father“ suchen, denn Anthony Hopkins hat den Oscar als bester Hauptdarsteller erhalten. Sehenswert, bzw. Prädikat: besonders wertvoll!

Dies und das / A9

Gestern hatte ich einen wirklich anstrengenden Tag, lange und irgendwie auch nervig. Selbst aufgebrummte Komplett- Ost- Tour ( selbst Schuld am Stress also) begleitet mit unzähligen Anrufen, die einen an den Rand des Wahnsinns treiben können, weil sie so überflüssig sind aber Unmengen an Zeit stehlen. So fahre ich also die A9 Richtung München und rege mich über dies und das auf der Strecke auf, wie immer eigentlich, als auf der rechten Spur die komplette Riege von LKW s auf die Mittelspur rüber zieht. Ist ja eigentlich nichts ungewöhnliches, denke ich, aber rege mich aus Prinzip schonmal über das Geschehen auf. Bis ich mitbekomme, dass eine Reiherfamilie auf der rechten Spur spazieren geht und den Brummifahrern nichts als absolute Tierliebe und Nettigkeit vorzuwerfen ist! Ich bin wirklich sehr angetan von dem, was da gerade passiert ist und freue mich über soviel Weitsicht und werfe dem vordersten Fahrer einen Manne- Daumen (Auf Achse, Manfred Krug) zu. In meiner heilen Welt versunken, dass LKW- Fahrer doch nicht alle miese Spurschneider und Kamikaze-Fahrer sind, werde ich durch ein rotes Licht zurück in die Autobahnrealität geholt. Komisch, gerade war doch noch All- you- can- Bleifuss, wieso ist hier plötzlich 80? Schön die kommende Baustelle durch Heile-Welt- Denken verpeilt und ein schickes Foto geschossen, keine Ahnung ob es bei den Entwicklungskosten bleibt; ich befürchte nicht.

Stunden und einem Aprilwetter, wie es im Buche steht, später, komme ich im Vogtland an und bin irritiert, dass hier partiell echt noch Schnee liegt und von Frühling weit und breit nichts zu merken ist. Obwohl, an einigen wenigen Büschen und Bäumen sind auch hier schon Knospen zu erahnen. Aber es ist bitter kalt, gerade mal 2 Grad plus und ich will hier weg. Also weiter nach Sachsen und dann nach Thüringen. Den Kunden fällt auf, dass ich nicht so gesprächig wie sonst bin aber bemängeln dies auch nicht. Meine innere Uhr treibt mich voran, habe ich doch um 16 Uhr einen privaten Termin in Berlin einzuhalten, und so beschränke ich mich auf das Nötigste. Da ich seit 5 Uhr wach bin, mir das ewige Wetterschauspiel von Weltuntergangsstimmung bis wonnemonatigem Sonnenschein zusätzlich zu schaffen macht, komme ich leicht schläfrig wieder in Sachsen an. Gott sei Dank gibt es hier Kaffee, der so stark ist, dass er mir seine bittere Faust ins Gesicht drückt und ich stopfe mich wild mit meinem Süßigkeitenvorrat voll, der leider auf dem Weg von Leipzig nach Halle leider vollständig erschöpft ist, so dass ich ohne weitere Zuckerzufuhr auskommen muss. Drei Unfälle später, Standart auf der A9, bin ich schon wieder vollends entzückt, wie schön es doch in Sachsen Anhalt ist, wenn die Sonne scheint und lasse meine Augen über die noch kahlen Baumgruppen und die kleinen Flüsse schweifen. Herrlich, finde ich, obwohl ich hier nie Leben wohnen wollen würde, ist mir dann doch zu weit draußen. Aber schön ist es trotzdem. Nun ja, in die Ferne schweifen hat so seinen Preis, in diesem Fall den des zweiten Fotos. Bombenstimmung macht sich breit, bin quasi auf dem Höhepunkt des heutigen Nervtages angekommen. Frustriert schaffe ich es aber doch noch nach Wittenberg und bin dort noch maulfauler als vorher aber bekomme zumindest tröstende Worte mit auf den Weg und mir wird ein toller Urlaub gewünscht. Stimmt ja! Immerhin etwas, was die Laune wieder normalisiert und den Rückweg erträglicher macht. Ich bin mittlerweile so müde, dass ich die Klimaanlage auf kalt drehe, um mich wach zu halten; offenes Fenster geht nicht, denn es schüttet wie aus Eimern, mal wieder. Laut Navi bin ich genau 10 Minuten vorm Termin da, ich bin trotzdem gestresst. Also minimalste Akklimatisierungszeit, bin gespannt, ob ich das hin bekomme. Endlich in Berlin angekommen, vom Feierabendverkehr aber doch leicht gereizt, sitze ich noch ein bisschen im Auto und rauche bevor sie los geht, meine Entspannungstherapie. Eine Stunde später und wirklich überglücklich, nicht eingeschlafen zu sein, bin ich tatsächlich geerdeter, stressfreier und wirklich froh, genau diesen -durchaus nervigen Tag- so ausklingen zu lassen. Also doch gar nicht so ein schlechtes Timing gewesen.