Es ist wie so viele Freitage, nur geht es mir heute das erste Mal seit langem wieder echt ins Ohr und es erfasst mich emotional, dein Gitarrenspiel. Letztes Wochenende warst du erst spontan in dem neuen Laden, der zum Jahresende eröffnet hat, nur kurze Gehminuten von unserem Zuhause entfernt, einfach so weg, weil ab 17 Uhr immer Live- Auftritte stattfinden und du dies als Anlass genommen hast um hinzugehen. Ich fand’s großartig und konnte diese Aktivität einfach nicht teilen, da ich zum x- ten Mal beschlossen habe Breaking Bad zu sehen und viel zu gefesselt war um lokalitätsgetreu Neuland in deinem Beisein zu erkunden. Schade eigentlich. Aber ich hab’s echt bereut! Irgendwann habe ich dich angerufen, weil selbst ich nach stundenlangem BB- Gegucke, mich nach einer Pipi- oder Zigarettenpause später, gefragt habe, wo du bleibst. Erst per WhatsApp,dann per SMS, nachträglich wissentlich, dass du wegen Speicher gar keine internetlastigen Nachrichten mehr empfangen kannst, frage ich nach, wo du bleibst. Die mittlerweile fast fünf Stunden kann ich nicht anbringen, denn: was soll ich dir vorwerfen? 1 1/2 Staffeln später denke ich plötzlich an dich und frage mich justsmente, wie es dir wohl geht, während Pinkman angefesselt schon wieder kocht. Gar nicht fragend im eigentlichen Sinne, sondern wahrnehmend, dass du nicht da bist oder es ein Zeichen von dir gab. Irritiert, dass mein Handy vibriert, welches ich wegen Schreibwahn permanent in Händen halte, schalte ich aus Versehen einen Beitrag auf Freigegeben und höre dich in Bestlaune sagen, dass die Nacht sich dem Ende neigt und du beim Stühle hochstellen hilfst und alsbald aufbrechen wirst. Alles klar. Nebenbei ist wieder die Wüste Arizonas zu sehen, weil irgendein Kollege von Walthers Schwager ’ne heiße Spur aufgenommen hat und ich mache einfach weiter in meinem Tun.
Du kommst irgendwann nach Hause und ich bin tatsächlich noch wach. Nicht aus Gründen, die negativ ausgelegt werden könnten, sondern einfach nur wach, erneute vier Folgen schlauer und im Thema gefangen und freue mich!
Das, was du erzählst, bewirkt in mir eine Art von “ Scheiße, ich war nicht dabei“- Gefühlsregung, denn du bist so krass euphorisch, dass es mich mitreißt! Natürlich bin ich auch kurzerhand genervt, denn ich hab immerhin meine 4te Staffel unterbrochen, aber das legt sich auch in unter einer Millisekunde. Du berichtest nicht nur von Olaf, der für den angekündigten Gig alternativ Auftritt, sondern impulsiv von den Besitzern, die du über den Abend komplett kennengelernt zu haben scheinst. Drei ganze Sets später endete dieser, den du noch nicht einmal im Sitzen genießen konntest, den Künstler, da der Laden restlos überfüllt war von offenbar zahlreichen Menschen aus der Hood, die den Laden allwöchentlich wegen der Ohrensause belagern und tatsächlich sind auch bekannte Menschen dabei.
Da nun der nahezu neidische Bestandsbericht der vor Ort befindlichen Gitarren erfolgt, die wohl alle auch käuflich zu erwerben sind, bin ich echt aufmerksam, eine 62er Akustik- Gitarre ist auch des Besitzers liebstes Kind und spontanverliebt wohl auch deins. Ein Spielen war offenbar nicht möglich, da sie noch in Aufarbeitung ist, aber du hattest sie in der Hand und warst begeistert.
Heute allerdings, eine Woche später, sitzt du in der Küche- wie so oft -und spielst vor dich hin. Heute, besonders irgendwie, mit deiner 3- seitigen Wander-Gitarre, eigentlich auch wie so häufig. Ich höre gespannt was du spielst und genieße dein Expermentiergut unkommentiert aus dem Nebenzimmer.
Ich sage dir, dass ich dich höre und du reagierst nicht. Dann kommst du ins Wohnzimmer und erzählst mir Dinge über alles betreffende und ich lausche gespannt, wie alles endet. Dies und Das und erneutes Dies und Das. Vice versa berichte ich von mir.
Auf das angesprochen, was ich gehört habe, antwortest du verhalten. Ich höre so vieles von dir: krampfhaftes Versuchen wie Axl zu klingen und Stimmenwirrwarr…und das, was heute mir zu Ohren gekommen ist: pure Leidenschaft, wie es nur von dir kommen kann, beflügelt durch deine Vorbilder und doch du selbst. Leider heute ohne Gesang. obwohl ich das genau so liebe, denn du bist du und du musst keinen imitieren, obwohl du es so sehr möchtest. Heute habe ich dich gehört, mit Soul, Blues und dem gewissen Style, der dich ausmacht, ohne abgelenkt zu sein. Auf deiner Drei- Seitigen- Wander-Gitarre. Simpel halt. Klar.
Warum kannst du nicht begreifen, dass die Musik, die von dir verkörpert wird, so unfassbar großartig ist?
Ich frage gerade und ertappe mich dabei, dass eben diese Frage genau von der Richtigen kommt, aber es schadet ja nicht.
Aktuell bin ich nach intensiver Kurzschlafphase zurück und du spielst immer noch, was ich nach noch kürzerer Aklimatitionszeit auch echt toll finde aber noch nicht drauf einsteigen kann. Wird aber. Ist es schließlich auch.
13:34, Samstag, Logbucheintrag 1.0: White Stripes, Hotel Yorba, Detroit
Ich höre dir zu und mach mir ein Bier auf. Fast so, als wäre gar nichts passiert.
Du und ich, deine Musik. Besser geht’s nicht!