Schön war’s, als wir noch zwei ganze Balkone unseren eigenen Besitz nennen konnten. Dadurch, das wir Vogelliebhaber wurden, hat sich unser “ outside“ zum quasi “ inside“ Sommer- Ding entwickelt. Ganz ohne Hindernisse, denn die Vogelwelt hat es sich justamente zu Eigen gemacht, was von mir liebevoll bepflanzt wurde, um ein 1/ 4 Zimmer mehr im Sommer zu haben, just in case. Aktuell läuft das letztjahrige Konzert von Nick Cave im Hintergrund und ganz aktuell „The Mercy Seat“, was mich vor Ehrfurcht erstarren lässt und inne halten lässt, so sehr berührt mich dieser Song. Den ich übrigens nach Erscheinen damals in Dauerschleife auf meinem AiWA- Walkman hatte, nur im Tausch mit “ Nichts- Tango 2000″, einem ebenfalls sehr eindringlichen Song zu der Zeit. Aber jetzt scheint sogar die Sonne und ich beschließe es zu wagen, setzte mich raus ins Freie, der ursprünglichen Aufgabe des Balkons und werde von allen Seiten angetwittert, aufs Äußerste sogar. Kurz vor 11 Uhr, ich beschließe fast den ersten Caipi der Saison ins Boot zu holen, zu schön ist es gerade hier in der normal befahrenen Pichelsdorfer. Doch halt ,es ist ja noch viel zu früh!
Naja, was ist schon zu früh? Wer gibt mir die innere Deadline für ein korrektes Timing?
Ach ja, Frau Meise (Meckermeise) und Herr Fink ( weniger aggressiv)! Glücklicherweise habe ich das Eichelhäher – Paar verpasst, die sind einfach früher am Start gewesen. Die würden wahrscheinlich komplett Amok laufen, wenn der- ihr Platz- besetzt ist; dieses Drama bleibt mir glücklicher Weise erspart! Aber der fordernde Lärm der verwöhnten Hausvögel schubst mich geradewegs zurück in die Wohnung, ganz ohne Aufnahme von Vitamin D. Prima.
Und so ziehen die saisonalen Balkonzeiten an uns vorbei, nicht ohne diesen, als Geheimtipp geltenden Ort, jedes Mal auf’s neue liebevoll zu bepflanzen. Die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt. Bei uns wird sie metaphorisch quasi im Keim erstickt, arme Hoffnung, schade drum. Denn was eventuell nicht alle wissen, weil womöglich die reine wochenendliche Spazierfreude an Vögeln und deren Gezwitscher nicht im geringsten dazu beiträgt, heraus zu finden, wie hinterhältig und egoistisch dieses vermeintlich flauschige Federvieh tatsächlich ist. Wir hingegen können mit Fug und Recht behaupten, dass keimendes Angepflanztes auch ein Risiko darstellt, denn heimische Vögel lieben frischen gärtnerischen Nachwuchs. Oh ja, das tun sie, vernichtend.
Der Gedanke an keine farbenfrohe Außengestaltung oder- worst case scenario – Attrappen zu erwerben, um zumindest dem Blick ins Freie eine Wohltat zu bescheren, verschwindet ebenso schnell, wie der Häher die Nuss klaut, blitzartig.
Sich dieser Freiheit, der eh schon unverschämt freien Kreaturen zu beugen, erscheint seltsam, aber das ist es nicht. Ich folge einer inneren, fast lautlosen Stimme, die mir dieses Verhalten befiehlt. Faszinierend!
Und jetzt kommt der Knaller, die Bridge zum Titel dieser Shortstory:
Es gibt da diesen Song von They Might be Giants: Birdhouse in your soul- entspannt euch, macht euch frei, seid vogelfrei. Ich bin echt neidisch ob dieser Freiheit.
Make a little birdhouse in your soul!
Amen!