Mittwoch letzte Woche ging es los: nach 21 Monaten hat unsere Firma zu einer Tagung ins Mutterschiff eingeladen und der Ruf des Captains wurde von der durstigen Anhängerschaft mit Wohlwollen erhört. Balsamartig rann der Aufruf zum gruppalen Meeting unsere Gehörgänge hinab und die Tatsache, dass es ein Treffen außerhalb von Teams- Sitzungen im realen Leben wieder gibt- es quasi einen bekannten Menschen, aka Kollegen, nicht in virale Quadrate auf Bildschirmen gepresst zeigt, sondern in 3D- Optik, weil leibhaftig in Persona, hat zumindest bei mir zu einer Aufregung gesorgt, die unbeschreiblich ist und doch auch ein Staunen über das Vermissen und Realisieren dessen, dass so etwas in diesen Tagen wirklich besonders ist, hervor gebracht hat. Schlimm, dass einem selbst im vor kurzem verbrachten Urlaub die österreichische Maskenfreiheit ungewöhnlich vorkommt und man dem bekannten Braten erstmals nicht wirklich trauen will. Umso schöner, dass selbst in einem Kurzurlaub diese Bedenken dann doch recht fix der aufkommenden Leichtigkeit des Seins, weil unbeschwert urlaubend, weichen und man wie vor 2020 einfach die Natur aufsaugt und sich gedankenlos einen Berg runter stürzt, ohne an irgendwas anderes zu denken- bis man dann wieder in der eigenen Republik eintrudelt, weil der Wagen nach Sprit verlangt und man sich dabei ertappt wieder zurück zum Wagen laufen zu müssen, da man die Unbeschwertheit, aka Maske aufsetzen müssen, hinter der Grenze gelassen hat. Dauert offenbar immer ’nen Moment, um das Gesamthirn zu informieren, bzw. ist das hoffentlich ein Beweis für Entspannung, weil Urlaub. Keine Ahnung. Wir haben auf jeden Fall kurzerhand ein paar Tage mit ungewohnter aber Alter- Welt- Freiheit verbringen dürfen und sind verwirrt, dass uns dies tatsächlich so irritiert. Was soll nur werden? Ist demnächst- so die Welt es zulässt- allem nur noch mit Skepsis zu begegnen oder aber erlangt man erst nach ein paar Tagen die Entspannung, die einem normalerweise ansonsten sofort nach Ankunft, bzw. Eintreten einer Situation ins Gesicht springt?
Update: kurz nach Verlassen unseres Urlaubortes erhob die österreichische Regierung wieder straffere Maßnahmen im Alltagsleben.
Unser Firmentreffen, um darauf zurück zu kommen, war unfassbar gut. Ohne eine Diskussion los treten zu wollen; die wenigen, die jeden Morgen ein Testzentrum aufsuchen mussten, hielten sich in Grenzen- wobei mir persönlich die Ausgelassenheit der Mannschaft bzgl. Abstand und „Ich bin geimpft, Hey ho- Mentalität“ ein wenig seltsam vorkam, zumindest hatte ich dafür teilweise kein Verständnis. Kein Wunder, dass die Auflagen in Summe nicht spürbar gelockert werden. Zumindest so, dass die alte, aktuell noch verrückt wirkende Personalität eines jeden wieder durchprescht, wie eine ungebremste D- Lok, ohne jegliches Nachdenken über sein Handeln wieder freie Fahrt aufnimmt und sich erst durch selbst gesetzte Grenzen einschränkt. Das wünsche ich nicht nur mir.
Ich dürste so unfassbar nach dem alten Ich, welches unbekümmert, nicht verwundert über Gebaren anderer und vielleicht auch planlos durch die Welt tingelnd, wochenendlich abschaltend das pure Leben genießt und weiß, dass es für immer so sein wird. Nie war Normalität wichtiger als jetzt.
Get behind me Satan!
Definitiv eine Sache, mit der man offenbar klar kommen muss; ist halt so! Das sind ja jetzt auch nur nicht statistisch erhobene eventuelle Spätfolgen, die man mal genauer beleuchten sollte.