Irgendwas ist immer oder halt 6 Stunden in Hamburg

Es ist 9:45, Samstag. Und anstatt um 11 Uhr die gemütliche Bootstour auf der Alster zu absolvieren, sitze ich Zuhause und kümmer mich um meine Vogelbrut. Tsja, es scheint wie vertäufelt mit uns, Erik und mir. Zumindest was Reisen betrifft, sein sie auch noch so kurz, wie dieses geplante Wochenende.  Gestern sind wir ab 14 Uhr auf dem Weg nach Hamburg, um bis Sonntag dort gechilled Zeit zu verbringen; Auslöser ist unser Ticket für Metallica am selbigen Tag und weil man schonmal da ist, kann man ja auch gleich noch mehr hanseatische Luft schnuppern und sich der Gelassenheit des Nordens hin geben. Nun denn, der Start ins Wochenende ist müßig, denn nach über einer halben Stunde sind wir erst raus aus Berlin, um dann der 24 folgend im Permanentstau zu stehen. Erst gehe ich vom Pfingstferien- Stau aus, würde sich ja anbieten, es entpuppt sich aber nach (!) 50 km als reiner „Ich glotz nach drüben zum Unfall“ – Stau (davon gab es auf dieser Strecke in Summe 3), der in mir schon leichte Zornesfalten ins Gesicht brennt, denn dies macht mich fassungslos – diese Geilheit am eventuellen Leid anderer, mit dem Denken, dass diese abscheuliche Neugier auf Real- Time- Szenarios den restlichen Reisenden den Tag verschleppt. Zeit-Diebe, die ebenfalls geahndet werden sollten, wie diese, die sich für den Globus auf fälschliche Weise ereifern. Wie dem auch sei, nach Kilometer 70 läuft es und wir fahren Richtung Norden. Wir genießen die Sonne, die flache aber schöne mecklenburgische Landschaft und freuen uns einfach mal wieder unterwegs zu sein. In Hamburg rein fahrend stellen wir fest, dass auch hier extremer Berufsverkehr vorherrscht und so sind wir erst gegen 18:15 Uhr am Hotel. In duschiger Vorfreude auf den Kurzstop im Hotel, bis es alsbald zum Volksparkstadion geht, schießen wir in die Lobby. Und dann folgt das: unser Zimmer wurde annuliert, ich müsste das ja von Booking.com wissen. Atmen. Atmen ist angesagt, denn in mir rastet gerade mein Inner- Monster aus. Ich so: das wüsste ich ja, sonst wäre ich ja schließlich nicht hier und übrigens habe ich heute morgen erst eine Nachricht vom Hotel bekommen, mit der Info, dass, sollte ich noch irgendwelche Fragen oder Wünsche haben, ich sie doch bitte noch mitteilen soll. Ich bin fassungslos und weiß nicht so Recht, wohin mit mir. Erik ist das erste Mal (gefühlt) instant ohne Plan, denn er suggeriert mir, das ich jetzt auch echt ausflippen kann und darf. Ich beschwere mich aufs Äußerste und als sie sagt, wir hätten heute morgen erst gebucht, raste ich (innerlich) komplett aus, krame meine Brille raus, um ihr zu zeigen, dass alles seit Februar in Sack und Tüten ist. Sie telefoniert kurz und teilt uns mit, dass wir in einem Partnerhotel unter kommen könnten. Prima! Wo ist das? Bei Hamburg, nur 25 km südlich. Aha. Kommt für uns nicht in Frage, denn wir wollen hier zum Konzert und das passt dann nicht mehr für uns- es sei denn, dass ein Taxi als Ausgleich übernommen würde. Nein, das geht nicht. Wann kommen sie denn zurück heute? Erik und ich wissen nicht, was jetzt kommt und sagen: wahrscheinlich gegen 0:00 Uhr. Sie jetzt: sie könnten ja ihr Gepäck hier lassen und es danach dann abholen und dann erst zum anderen Hotel fahren. Ich bin sprachlos und froh, dass Erik das übernimmt. Wir lassen uns trotzdem die Adresse aufschreiben, um dann flugs diesen furchtbaren Ort zu verlassen. Wir geben tatsächlich kurz die neue Anschrift ein, um dann nach 3 Minuten zu beschließen, Hamburg noch in dieser Nacht zu verlassen- stressig ja, schließlich ist er seit 4 Uhr wach und ich seit halb sechs, aber es ist die beste Lösung, die sich und bietet gerade. Natürlich checken wir noch Verzweiflungs- Hotelmöglichkeiten, um fest zu stellen, dass 350€ plus uns nicht passen. Also ab zum Volksparkstadion. Yeah! Mir ist kurzzeitig gar nicht mehr nach Konzert aber ich fange mich, bis wir im stauigsten Stau ever stecken. 100 Meter in 8 Minuten und noch 800 bis zum Ziel, welches nach Unfall direkt vor uns im Stau, dann zur Sisyphos- Aufgabe mutierte. Meine Nerven liegen nackig auf der Haut, ich bin pissed, sowas von, ich finde keine Worte. Die Abbiegerspur, die unser Navy geraten hat, ist gesperrt und wir biegen hilflos rechts ins Industrieviertel ab. Nichts geht. Keine querstellmögliche Paklplatzgmöglichkeit bietet sich- noch nicht einmal absolutes Halteverbot, es ist zum  letzte Haare raufen, die letzten heute. Aber dann: dritte Runde auf der Straße nebst allen Nebenstraßen, entdecken wir einen Platz, der quasi gemacht ist, für unser Vehikel. Es steht zwar groß Privateigentum dran, aber erst nach dem Zaun, 4 Meter dahinter. Zack! Eingeparkt und dann geht altes Festival- Survival- Dings von statten, fast robotergleich ziehen wir den Koffer hervor, um unsere Konzert- Outfits raus zu kramen und sitzend in Rekordschnelle anzuziehen, um nach unter 10 Minuten startklar zu sein für den heutigen Abend. Der gekühlte Jacky Cola schmeckt heute so wunderbar erfrischend, wie noch nie zu vor und so reihen wir uns in die strömende Masse ein, um Richtung Stadion zu laufen. Als wir eintreffen, ist es 20:15 Uhr und die Vorbands sind Geschichte. Beim Herunter laufen in den Innenraum schallt tatsächlich “ Space Cowboys- Home on the range“ aus den Lautsprechern und ich persönlich feiere das sehr ab, Erik findet es auch cool glaube ich, saugt aber das Stadion in sich auf. Schade, sind noch nie auswärts erst zum Mainact aufgelaufen, was aber unter diesen Umständen gar nicht so übel ist, finden wir. Wir holen uns erstmal ein Bier und auch das wird in meinen Ohren mit bester Musik untermalt, nämlich Queens of the Stoneage! …Nach erstem Scouten des Innenraums und Finden der für uns besten Position, treffen wir auf Bernd. Er sieht Metallica zum 8 Mal, was mich echt beeindruckt und ich nur mit noch mehr Konzerten aufwarten kann, was Peter and the Testtube Babies betrifft, 17 an der Zahl nämlich ( ja, get jinxed!) aber zum ersten Mal zu Gast bei Metallica bin, er es aber eher toll als schlimm findet, stellen wir fest, dass er ab und an in Berlin Spandau ist. Pichelssee. Als wir mitteilen, dass wir Pichelsdorfer Straße wohnen, ist das Maß voll und die Welt wieder klein…und wir freuen uns, dass wir den Abend irgendwie zusammen verbringen werden. Leider werden wir gespoilert, denn er hat Opener und Setlist gescoutet und ich bin leicht frustriert deswegen, denn „Seak and Destroy“ wird wohl erst Sonntag gespielt. Toll.  Dann geht’s aber los- mit „A Long way to the top“ von ACDC, wie Bernd schon offerierte, aber egal, weil echt cool. Ich filme die ganze Nummer, und denke kurzzeitig, dass ich es armmuckimässig nicht schaffe, denn es ist echt richtig lang, dieses Intro. Und dann kommen sie auf die Bühne, die mittig ist und sehr groß, so dass man nie alle gleichzeitig sehen kann, leider. Aber die Menge tobt, wir auch und es wird gehadbangt, als hätten wir nie was anderes gemacht! Wahnsinn! 2 1/2 Stunden später ist das Spektakel zu Ende, ohne Pause durch gezogen, haben sie (fast) alles gebracht, was man erwartet hat. „One“ ist wirklich legendär; der Hubschrauber hört sich wie überm Stadion an, das Feuer ist unfassbar warm und die Schüsse wirken, wie im Krieg- mehr geht nicht, bis auf den unsagbar schmetternden Sound der Jungs. Genial!

Es ist vorbei, wir strömen mit der Masse raus und glücklicherweise funktioniert mein innerer Kompass noch, finden wir auch unser Auto in Kürze. Zack, reingesetzt und im Warmen ist die Welt trotzdem noch nicht ganz so super, wie es jetzt eigentlich hätte sein sollen. Denn wir fahren justamente nach Hause, nach Berlin zurück. Jesus!!! Durch den Konzertstau (Stau, Stau, fucking Stau!!! Again and again!) brauchen wir über eine halbe Stunde raus aus Hamburg und haben dann noch 3 Stunden auf dem Tacho. Fucking hell!!! Ich bin müde und mache aber das beste draus und fahre einfach so vor uns hin Richtung Bett, Wärme und Ankunft, mehr ist auch nicht drin. Ich fühle mich wie Alex, der die Landstraße hinweg fegt, nur die Straßenmarkierungen sehend, alles andere an sich vorbei fliegen lässt. Es ist stockduster, zappen quasi.  Das klappt auch ganz gut, bis 1 Stunde vor dem Ziel die akute Müdigkeit mich rausfahren lässt und wir einen Powernapp in Stolpe ein nehmen. Frierend werde ich nach 45 Minuten wach und auch  wegen der Schmerzen am rechten Handrücken – ich habe super verkrampft meinen Ärmel umklammert und habe bis jetzt den Knopfabdruck an diesem. Ich beschließe weiter zu fahren und wecke Erik. Er ist auch völlig neben sich, was kein Wunder ist nach fast 24 Stunden Wachheit.. Also ab geht’s Richtung Home! Die letzten 100 km vergehen recht schnell und als wir auf die B5 abbiegen geht links von uns am Horizont schon die Sonne auf und wir beeilen uns, um vor dem Wächter der Nacht sicher ins Heim zu gelangen. Die letzten Meter verbringen wir mit allen  komplett geöffneten Fenstern, denn der Schlaf möchte gewinnen und so frieren wir uns die Pichelsdorfer durch. Das Geschenk des Wochenendes beschert uns jemand, der tatsächlich um diese Uhrzeit zur Arbeit aufbricht oder eine Party verlässt und wir vor der Tür einen Parkplatz ergattern. Unbezahlbar! Es ist 4:10 Uhr als wir in die Wohnung kommen, um nach einer letzten Zigarette den Kurzaufenthalt in Hamburg Revue passieren zu lassen und ins Bett zu gehen. What a life! What a weekend! Good to be Home!

Veröffentlicht von stefkasays

Ich wollte schon immer schreiben. Über die kleinen Dinge im Leben, die einen manchmal an den Rand des Wahnsinns treiben können. Über große Dinge, die einfach zum alltäglichen Dasein dazu gehören und die Beachtung finden sollten, um nicht in der Versenkung der Unwichtigkeit zu landen. Dies ist ein persönliches Sammelsurium der Kostbarkeiten, die einen unweigerlich begleiten und die einem tagtäglich vor die Füße fallen.

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