Die Welt ist klein, sie war es schon immer!

Am letzten Sonntag habe ich mich auf den Weg ins Mutterschiff meiner Firma auf gemacht und der einzige Tatbestand, der mich zum Grinsen gebracht hat, war der, dass ich meine Lieblingskollegen treffe zum verdonnerten Vertriebsseminar und die Möglichkeit hatte, nach über einem Jahr meine Innendienstler mal wieder zu sehen. Ansonsten ist nichts schön an der Tatsache, dass man ganze vier Tage von zu Hause weg ist, nichts. Hatte im Vorraus im American Diner einen Tisch für uns alle reserviert, damit es ungezwungen und fußläufig abläuft; nicht, dass das Restaurant im Hotel nicht Weltklasse hätte, aber es ist halt sehr gediegen und mit unserem Außendiensttemperament nicht immer kompatibel, that‘ s so. Also trifft man sich nach über 600 km, quer durch die Republik reisend, später in der Lobby und quatscht so vor sich hin, wie man das halt so macht, wenn man unter sich ist, zudem durstig und trotz allem im Wochenendmodus und sich lange nicht mehr gesehen hat. Das Laufen zum Diner tut allen gut und wir lassen echt sogar 7 gerade sein! Nach dem recht ausgelassenen Festmahl stolpern wir zurück zum Hotel und ob der Tatsache, dass morgen ab 8:30 Uhr die Schulung statt findet, verschwinden fast alle gleich aufs Zimmer.

Ich leide ja leider seit geraumer Zeit unter seniler Bettflucht und dies ändert sich natürlich auch nicht in BK, fern ab der Heimat.

Es ist morgens um halb 5. Ich fasse es nicht, dass ich nicht mehr schlafen oder ruhen kann und beschließe in meine Sportklamotten zu springen und erstmal eine rauchen zu gehen, natürlich nicht, ohne meine Tassimo an zu schmeißen. Schmerzfrei war ich auch vorher schon, nur diesmal gehe ich tatsächlich danach ins Fitnessstudio des Hotels. Kaum unten angekommen, beim zweiten Zug, die recht frische noch nächtliche Kälte freudig aufsaugend, umhertapsend und – natürlich- schlaftrunkend, bekomme ich plötzlich Besuch. Sie ist vollkommen angezogen und schleicht wie ein Ninja hin und her, das macht mich nervös, zumindest ein wenig. Ich nippe an meinem Kaffee und versuche einfach weiter dem Hier und Jetzt keine sonderliche Gewichtung bei zu messen. Weil Kapuze auf, erscheint wie aus dem Nichts eine Frage. Eher eine Verwunderung. Warum ich denn hier draußen bin, um diese Zeit. Naja, sage ich. Bin halt schlaflos in BK und dachte, dass eine Zigarette gerade der beste Zeitvertreib wäre. Passiert ihr nicht oft, sagt sie. Das kann ich nur zurück geben und frage sie, woher sie kommt und was sie hier macht. Und jetzt kommt’s! Sie kommt aus Berlin und beginnt in unter 3 Stunden ihre erste IHK- Prüfung hier. Wow! Das empfinde ich tatsächlich als sehr sonderbar und frage genauer nach; wo genau sie her kommt und was zum Teufel sie hier für eine Prüfung ablegt. Sie gibt mir zu verstehen, dass diese Prüfung nur hier abgelegt werden kann und sich selbst fragt, was sie hier tut und zudem gibt sie zum Besten, dass sie aus Steglitz stammt, was mein urst gemütliches Heimatherz höher schlagen lässt! Die Welt ist klein, sogar BK macht hier keine Ausnahme, vor so skurrilen Begegnungen! Da sie alsbald ihre Prüfung hat und ich ich nur semi- kommunikativ unterwegs bin, beschließen wir uns morgen um diese Zeit wieder zu treffen.

Beim Frühstück berichte ich allen, die es hören wollen, wie krass ich die Begegnung heute früh fand und wie klein doch diese ach so große Welt ist. Jep! Und jeder berichtet über absurde Treffen von Menschen, all over the world, herrlich!

Ist ja nicht so, dass ich diesbezüglich nicht auch Senf dazu geben kann, nicht unwesentliche Mengen. Das aber mit Abstand absurdeste an Begegnungen ist mir wohl damals auf Utila, einer Insel vor Honduras, passiert, als ich beim Frühstück im einzigen Inselcafe saß und gerade über die temporäre Trennung meines Partners nach dachte, um vollkommen aus dem Nichts gerissen zu werden und die Frage lauthals im gegenwärtigen Hirn Einzug erhielt, die da lautete: Steffi???? Was machst du denn hier? WTF? Kein Mensch auf dieser Insel kannte mich und ich werde namentlich angesprochen, meilenweit von Zuhause entfernt? Ja, krass. Ich hab damals kurz überlegt, wie sie heißt, Corinna fiel mir dann doch noch rechtzeitig ein und ich bin komplett überfordert, freue mich aber schon, denn die Trennung von M. war damals echt heftig. Irgendwie war diese surreale Situation dann doch erfreulich, denn etwas “ Gewohntes“ vor zu finden ist dann doch besser als über das aktuelle Sein nach zu grübeln. Win: win!

Etwas näher dran an die Heimat, im Norden Portugals, ergab sich aber auch eine ähnliche Situation, die damals zumindest echt schräg war. Ich war nach dem Abi mit meinen besten Freunden in einem asiatischen VW- Bus- Verschnitt unterwegs Richtung Südportugal, der Weg dahin war schon Erfahrung genug, bis wir in einer kleinen Stadt- circa eine Stunde hinter der spanischen Grenze, keine Ahnung, wie der Ort hieß, einfach nur durch Hunger gezwungen, eine Pause eingelegt haben und in eine Bar rein geschlittert sind, wo zwei sehr bekannte Gesichter aus der berliner Hood uns entgegen blickten, auch nur vom Hunger getrieben. Pah!!! Was??? Hatte draußen nur eine Ente gesichtet, ohne allerdings das Kennzeichen gelesen zu haben und genau mit diesem Vehikel waren sie unterwegs! Ein Traum!!! Zumal ich nur ein halbes Jahr später auch meine erste Ente hatte und immer gehofft habe, so eine Tour mal zu machen. Leider nie passiert.

Es gibt tatsächlich noch ein paar mehr Stories des Aufeinandertreffens bekannter Gesichter an Orten, die nicht in die Rubrik fallen, gewöhnlich zu sein aber das ist hier jetzt auch nicht Thema.

Es folgte ein sehr anstrengender Schulungstag: 9 1/2 Stunden Vollinput. An Konzentration und persönlicher Contenance nicht zu überbieten, zudem man es wirklich einfach nicht gewohnt ist nur zu zuhören und in sich zu gehen. Wirklich anstrengend! Waren dann auch erst kurz vor Abendessen wieder im Hotel, was zum einen den Vorteil hatte, dass man nicht dröge auf dem Zimmer rumhängt aber auch keinen echten Raum zum Erholen lässt und man deswegen im Dauermodus ist. Da der Chef mit dabei ist, ist anfangs die Stimmung bei allen angespannt, bis klar ist, dass er ebenfalls platt ist und gefühlt froh darüber, dass es einigermaßen gesittet zu geht. Bei einer gemeinsamen Raucherpause treffen wir auf meine morgendliche Bekanntschaft und er lädt sie spontan an unseren Tisch ein und zum Dessert. Ich finde das großartig, denn ich fühle mich echt maulfaul und auch nicht in Bestlaune den Gesprächen zu folgen und empfinde es als Bereicherung für mich und unser Team, eine Fremde mit an Bord zu holen. Es ist wirklich erstaunlich, wie anders das Verhalten einiger ist, wenn jemand dazu kommt! Ich bin amüsiert darüber und bin im Kino- Modus. 1-2 Zigaretten später fällt ihr auf, dass wir alle doch echt seltsame Menschen sind, was ich nicht verneinen kann, denn es ist so! Hoffe aber, dass sie sich trotzdem wohl fühlt und sich nett aufgehoben weiß. Sie bleibt letztlich länger als ich, denn ich kann nach kurzer Zeit meine Augen nicht mehr ohne Anstrengung auf halten und wünsche allen noch eine tolle Zeit. Sie sagt: bis morgen früh zur ersten Zigarettenpause! Finde ich gut und verlasse die wild quatschende Runde gerne, denn ich bin durch für diesen Tag!

Ich schaffe es erst zu 5 Uhr nach unten und sie ist nicht da oder nicht mehr. Ich treffe sie aber zum Frühstück und wir quatschen wie alte Bekannte. Mit Eintreffen meines ersten Kollegen verlässt sie das Hotel und ich werde gefragt, wie lange ich sie schon kenne, was ich natürlich kurzerhand aufklären kann und aber auf Erstaunen treffe, denn es wirkte so vertraut. Berlin halt!

Gestern browse ich durch die Social Media Kanäle und lese, dass ein Bekannter seine Eltern in Spanien besucht. Stelle dabei fest, dass alles, was er besucht mir so familiär vor kommt und es auch so ist, denn meine Mutter hat dort ebenfalls ein Häuschen, zumindest in der Ecke. Verrückt!

So klein ist diese Welt! Wer hätte das gedacht?

Veröffentlicht von stefkasays

Ich wollte schon immer schreiben. Über die kleinen Dinge im Leben, die einen manchmal an den Rand des Wahnsinns treiben können. Über große Dinge, die einfach zum alltäglichen Dasein dazu gehören und die Beachtung finden sollten, um nicht in der Versenkung der Unwichtigkeit zu landen. Dies ist ein persönliches Sammelsurium der Kostbarkeiten, die einen unweigerlich begleiten und die einem tagtäglich vor die Füße fallen.

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