Da ist er ja! Zwar noch nicht von sich selbst überzeugt aber dennoch merklich und schon alleine wegen der verfrühten Dunkelheit dem kalendarischen Lauf folgend, nicht auf zu halten: der Herbst. Ich bemerke an mir, dass ich nicht mehr ganz so Energie geladen aus dem Bett springe; es könnte schlimmer sein, kommt es ja eh früher als mir lieb ist, noch.Obwohl es schon ein heftiger Cut im Vergleich zu noch vor drei Wochen zuvor darstellt. Erschwerend kommt wahrscheinlich auch noch hinzu, dass wir ja den Oktober begrüßend, erstmal nach Griechenland gedüst sind, um doch noch ein wenig Sonne und damit die Akkus voll zu tanken, um der anklopfenden „von- Licht- bis- Licht- Arbeitszeit gegenüber gewappnet zu sein. Hat ganze drei Tage angehalten; hätte man wohl doch länger einplanen sollen. Naja, nächstes Jahr dann. Seltsam auch, dass man tatsächlich denkt, dass nach einem ganzen halben Jahr eine Woche Urlaub ausreicht, um überhaupt irgendwelche Energiepunkte zu ergattern. Auch hier: nächstes Jahr dann anders, wahrscheinlich besser. Nach dem Urlaub ist alles wie vorher- ist ja auch irgendwie klar, denn es nimmt ja keiner Rücksicht auf dich oder schont dich, nur weil du ja gerade erst ein paar Tage frei hattest. Warum auch? Schön wäre es trotzdem gewesen, einfach so.
Da kommt einem so ein Konzertbesuch ja hervorragend als Ablenkung entgegen, mitten in der Woche, und dann sogar auch noch eine Band, die ich seit ich 13 bin sehr, sehr gerne mag, damals geradezu vergöttert habe, diese aber bevorzugt mittlerweile nur noch im Herbst auflege, denn dann passt irgendwie alles drum herum: Stimmung, Stimme, Sound und Draußen halt. Ich hab die schon so oft live gesehen, dass meine Reaktion, als ich die Karte zum Geburtstag bekommen habe, vielleicht nicht die euphorischte war und auch als erstes nach dem Termin gefragt habe, da ja seit 2020 alle plötzlich alles nachholen und ich ernsthaft Sorge hatte, dass ich da verplant bin ; gefreut habe ich mich natürlich trotzdem, denn es gab keine Doppelbelegung! So richtig hab ich mich aber erst gefreut, als es soweit war und ich mich startklar zum Aufbruch gemacht habe. Es flirren einem ja alle möglichen Dinge durch den Kopf. Wie zum Beispiel das erste Konzert, die Lieder, die man unbedingt hören möchte, das letzte Konzert, als man einfach ’ne Stunde vor Ende abgehauen ist, weil man nicht fassen konnte, dass es nach 2 1/2 Stunden noch weiter gehen kann, usw. usf. …
Die Truppe ist mega gut drauf und wir stellen fest, dass wir alle noch nie so viele Wege- Getränke auf irgendeinem Weg, wohin auch immer, dabei hatten und trinken trotzdem ein paar Drinks und reden wild durcheinander, bevor die Planung es vorgibt auf zu brechen. Kein Support, Einlass ab 18 Uhr: irgendwie hoffe ich darauf, dass es zu einer humanen Zeit endet und werde beim ersten Wege- Gin Tonic eines Besseren belehrt, denn es geht erst um 20:45 los…vorher aber ist es schon so Puppen-lustig, denn der Sniper meiner alten Mafia- Gang vom RuG ist dabei: Regionalbahn, Maskenpflicht- wir simulieren erstmal eine Entführung und planen für den Rückweg einen Organhandel. Business as usual! Gin Tonic für alle! Vor der immer krasser wirkenden Mercedes-Benz- Arena suchen wir einen sympathischen Abnehmer unserer Pfanddosen und treffen auf Bernd, der nicht fassen kann, dass wir schon gar nicht mehr austrinken wollen. Ich hab‘ ein Bowie- Shirt an und er reagiert darauf. Die anderen sind schon fast beim Reingehen und ich habe ein wirklich unerwartet nettes Gespräch mit eben diesem Bernd. Konzerte, Bowie…er ist 70 mittlerweile und hat tatsächlich alte Orginal- Konzertplakate von Ende 70 und Anfang 80 Zuhause: BÄM! Er gibt mir seine Adresse, weist darauf hin, dass ich echt lange klingeln müsste, da er eher fest und lange schläft und wir verabreden uns für die kommende Woche. Er freut sich für uns, wünscht und maximalen Spaß und nimmt nach langen Überredungskünsten sogar unsere letzten beiden vollen Biere- ich glaube, es war ihm irgendwie unheimlich. Cooler Typ auf jeden Fall, echt!
Freue mich, dass ich endlich mal wieder im Innenraum bin und wir suchen nach dem Place to be. Die Mucke vom Band ist echt gut und nach ’ner Runde Gin Tonic (klar!) wird es endlich dunkel und es geht los! Robert Smith beginnt mit seiner musikalischen Heilung und ich bin kurzfristig wieder sehr jung und freue mich über diese Stimme, die mir allzu vertraut ist und so unfassbar gut zu dieser Jahreszeit passt und muss mich unweigerlich bewegen, deswegen Innenraum! Die Musik macht mich im Gegensatz zu früher aber weder melancholisch, noch kann ich den mal ursprünglichen Weltschmerz nicht mehr nach vollziehen, denn ich höre nur perfektes Zusammenspiel und bin glücklich, dass ich hier bin und ab und an doch älteres Material über die Marshalls dröhnt. Irgendwann werden dann aber Songs gespielt, die ich nicht kenne und auch nicht kennen will und so gehe ich raus zum Rauchen und vertreibe mir ein bisschen die Zeit alleine. Gar nicht mal so wenig los hier draußen, scheint mehreren wohl so zu gehen. S. kommt auch raus und während ich auf ihn warte, läuft ein Typ an mir vorbei, den ich erst in ’ne Schublade stecke, da er wie so ein fieser Schläger aussieht, bis ich den Rücken seines freien Oberkörpers sehe, der komplett mit Alien Sex Fiend zu tätowiert ist und haue ihn prompt an, ob ich ein Bild machen darf. Quatschi, quatschi…wie das halt immer so ist und S., der wie aus dem Nichts auf taucht, erinnert mich daran, dass die Jungs noch was trinken wollten und ab geht’s wieder rein. Gruppendynamik und so. Leider sind die restlichen 75 Minuten wie eine Best- Of- Scheibe und ich finde es echt schade, dass nicht mehr alte Perlen eingestreut werden, Songs wären ja genug vorhanden; aber so ist das wahrscheinlich heutzutage: man bedient einfach die Masse. Schade. Dann ist es nach ein paar wirklichen Klassikern vorbei, irgendwie traurig. Beim Rausgehen stelle ich fest, dass es aber dann doch ein sehr gelungener Abend war! Denn ich war in bester Gesellschaft und hab‘ natürlich auch echt Spaß gehabt, also echt jetzt! Wäre Leiden auf hohem Niveau.
Wir besinnen uns kurz noch auf M., der leider nicht mitkommen konnte und zu S. noch gesagt hat: Mach mal ein Video von Tainted Love! LOL! Also setzen wir uns alle auf die erstbeste Bank und fangen an zu singen und machen ein Video (sind dadurch jetzt alle auf Lebzeiten erpressbar!) und fallen fast hinten rüber, weil der Lachflash uns überkommt und wir zudem feststellen müssen, dass wir damit keinen Karaoke- Contest gewinnen würden, wirklich keinen!
Die Jungs haben fast alle frei morgen und wollen zur Bahn, wieder einmal falsch geplant von mir! Ich falle diesbezüglich fast vom Glauben ab und suche verzweifelt nach einem Taxi und renne einfach über die Straße- mit Erfolg! Es ist mittlerweile kurz nach 12 und ich will einfach nur nach Hause. Schwuppdiwupp sind dann doch 3 von 5 mit am Wagen und springen lautstark rein, um dann doch den bequemeren Weg zu nehmen. Der Fahrer quatscht ununterbrochen und ich blicke nur auf die Straße ins Dunkel und hätte gerne meine Ruhe. Dabei entdecke ich in Kreuzberg ein Rudel nachtaktiver Katzen in einer Unterführung, die offenbar ein Nagetier erbeutet haben und Katzendinge tun. Komisch, denke ich. „All Cats are grey“ haben sie gar nicht gespielt und befinde mich umgehend in der damals mit der Musik einher gehenden Melancholie und grinse leicht debil vor mich hin, Summe in mich hinein und freue mich auf den Herbst, der ja nun auch kommen darf, jetzt ja.
…der nächste Morgen war übrigens echt eine Qual…Planung ist das A und O, ich sag’s euch! Der Gin des Lebens halt…