Düstere Zeiten…

Never ever in my lifetime hätte ich folgende Dinge annähernd in Betracht gezogen: Eine weltweite Pandemie diesen Ausmaßes: historisch gesehen passiert dies round about alle 100 Jahre, soviel ist bekannt. Trotzdem war ich mir felsenfest sicher, dass dies in einer so umfangreich geplanten und vermeintlichen Zukunftspräsenz, ready to enter den Mars und für alles gewappnet kommenden Irrsinns, nicht passiert, nicht so. Die 2020er haben aber noch viel mehr vom Nichtgedachten, niemals erahnenden, meinem persönlichen Horror in petto: seit kurzem herrscht Krieg. Kurz vor der Haustür und so unwirklich, dass es urst- eigene Ängste empor kriechen lässt, die sich durch selbst erwählte Wochenendablenkungen nicht weg denken lassen. Ein Alptraum wird wahr: es ist Krieg!

Eigentlich herrscht immer Krieg, irgendwo auf der Welt. Aber nicht so greifbar und erdrückend wie jetzt. Ich bin kein Russland- Experte, ich bin keine Journalistin, die von der Pike auf dieses Phänomen studiert hat und geschult Kommentare hierzu (und in den letzten 20 Jahren) abgeben kann; da bin ich Lichtjahre entfernt von, das gebe ich gerne zu. Was ich aber sicher sagen kann, dass mich die jetzige Situation massiv in Unruhe versetzt und ich tatsächlich seit genau 34 Jahren, fast punktgenau, der Zeitpunkt gekommen war, als das AKW in Tschernobyl geleckt hat und daraus ein erstes, endzeitliches, globales Armageddon passierte; das erste Mal, dass ich über filmisch vorgelebte Endzeitszenarien nachdachte, meine Phantasie hier ihr Übriges erledigte und ich an mich halten musste, um sprichwörtlich nicht komplett durch zu drehen. Und da war Terminator noch Geschichte. Just saying. Und dies alles aber geschieht JETZT! Dieses Zeitalter der neuen 20er ist gerade geschlüpft. In was für einer Dunkelheit dies gerade geschieht ist allen – glaube ich- aber bislang nicht zu greifen. Man wird übermannt von Ereignissen, die man sonst nur aus Geschichtsbüchern kennt. Während unsere Jugend sich teilweise geghostet fühlt, kehrt ein Geist der Vergangenheit wieder zurück: der Sensenmann geht um, mitten in Europa. In Gestalt eines Menschen, der verlorene Zeiten zurück wünscht und deswegen zur alleinigen Macht seines Landes greift: dem Militär. Man kann sagen, was man will. Dieser Mensch (und verzeiht mir meine naive Herangehensweise) will die alte UdSSR zurück, aus Gründen, so absurd sie erscheinen; um was? Dem Westen endlich Kontra zu bieten, weil er jahrelang die Füße still gehalten hat? Um genau jetzt evtl. zu demonstrieren, dass das „neue“ Russland durchaus in der Lage ist, um als Global – Player mit zu halten in diesem Irssinn an Anerkennung? Ich weiß es nicht. Mein Vergleich geht auch Richtung Hitler, der auch fanatisch, grundlos, Dinge durch setzen wollte, die ad absurdum geführt wurden.

Ich sehe meinen Opa vor mir, der voller Stolz im Kampf bei Stalingrad in letzter Instanz die Kurve bekommen hat und per Fahrrad Richtung Deutschland los geradelt ist, mit Einschusslöchern im Körper, die ihn immer mit Stolz erfüllt haben und niemals über den kranken Scheiß, der damals wirklich im Nachgang berichtet wurde, auch dazu ausgesagt hätte. Er war einfach nur froh der Hölle entkommen zu sein. Totalitarismus war noch nie gut für die Menschen und den Rest der Welt.

In dieser eh global katastrophalen Ausgangssituation trifft mich der Tod eines sehr geliebten Menschen dann doch abrupt: Robby hat den unerbittlichen Kampf gegen Gevatter Krebs verloren. Informationen über dies Ereignis sind um ein Vielfaches schlimmer, als dass der Nachrichtendienst schlimme News verbreiten kann. Eine wirkliche Welt stürzt in sich zusammen. Buchstäblich. Wissend über den Zustand und das Ausgehen zieht eine solche tatsächliche Begebenheit einem die Schuhe unter dem Boden weg. Und fast nur Robby weiß das: dies ist in meinem Leben echt nicht all zu häufig passiert. Umso mehr bei seinem Abgang dieser Bühne, die er so unfassbar geliebt hat, wie nur ich es von mir gerade behaupten kann. (Falls dies irgendjemand liest und anderer Auffassung ist, so sei dies so. Will und wollte keinen damit verletzen.) Er liebte das Leben und war einer der spontansten Menschen, denen ich je begegnet bin. Da genau bestand unsere gegenseitige Liebe glaube ich: nimm den Moment einfach mit! Warum warten? Wir haben nie gewartet und – bis auf wenige Ausnahmen – auch dieses nie bereut! Mit ihm geht ein mir sehr, sehr wichtiger Mensch. Ich habe so etwas in 2005 schonmal mit gemacht; nur ist es diesmal ein wenig anders. Intimer. Persönlicher. Nicht der Öffentlichkeit Preis geboten.

Dein letztes Geschenk an mich war dein Erscheinen an meinem 50. Geburtstag im PlanB. Ich danke dir von Herzen im Nachhinein dafür, denn ich habe erfahren, dass du danach nicht mehr außerhäusig warst. Was für eine Anstrengung Du auf dich genommen hast…mir fehlen die Worte. Du hast zu unserem letzten Treffen gesagt, dass du es echt Scheiße findest, dass wir immer über Eriks Geburtstag und/ oder unserem Hochzeitstag verreisen. Haste Recht, unfair den Leuten gegenüber, die uns/ ihn gerne gefeiert hätten. Hast aber auch gleichzeitig immer – und auch unseren letzten- jetzigen Plan geliebt und hast uns nur für unser gebuchtes Slash- Konzert in SC verflucht, da du das letzte in Berlin an Finlandia verloren hattest und mich mit einer Kusshand verabschiedet, der ich dir vorab zugeworfen habe….das schönste Geschenk, was du mir hättest geben können, geliebter Bruder! Ich liebe dich sehr! Krieg, Pandemie und Robby…es kann nicht härter kommen. Nicht möglich. Not in this lifetime

Veröffentlicht von stefkasays

Ich wollte schon immer schreiben. Über die kleinen Dinge im Leben, die einen manchmal an den Rand des Wahnsinns treiben können. Über große Dinge, die einfach zum alltäglichen Dasein dazu gehören und die Beachtung finden sollten, um nicht in der Versenkung der Unwichtigkeit zu landen. Dies ist ein persönliches Sammelsurium der Kostbarkeiten, die einen unweigerlich begleiten und die einem tagtäglich vor die Füße fallen.

Hinterlasse einen Kommentar