Handwerkermangel

Echt super, wenn man aus dem Urlaub zurück ist und fest stellen muss, dass der Boiler defekt ist; dies aber auch nur, weil eben dieser über der Toilette angebracht ist (unter der Decke halt) und man sich wundert, dass es auf die Schulter tropft. Klasse. Die Hausverwaltung umgehend mit Beweisbildern, die das ganze Ausmaß belegen, via Mail informiert und Wasser abgedreht, damit es nicht üble Ausmaße annimmt. Natürlich vergisst man ab und an, dass das Wasser abgedreht ist und das führt unweigerlich zu Situationen, in denen du dich – alleine dadurch bedingt- wunderst, wie oft man so überhaupt Wasser aufdreht, bzw. benötigt. Das Wochenende hat uns gezeigt, dass wir hier noch Verbesserungsbedarf haben bezüglich Sparen der Ressourcen. Montagmorgende sind nach Urlauben eh schon die unbeliebtesten aller Wochenanfänge, besonders wenn es mittlerweile rostig auf die Schulter tropft. Leider bekomme ich erst Dienstag eine Antwort auf meine Bekanntgabe unseres Problems und eigentlich auch nur die Info, dass sich Firma XY bei uns melden wird. Fein, denke ich, immerhin. Es ist mittlerweile Mittwoch als der erwartete Anruf eingeht und es wird nach einem Termin gesucht; aufgrund der aktuellen Situation, die Mitarbeiterprobleme impliziert, werde ich darüber in Kenntnis gesetzt, dass es leider vor nächster Woche nicht klappen wird. Allerdings nur deshalb, weil Nachmittagstermine nicht in Frage kommen. Klar, arbeite auch nicht gerne am Nachmittag, kann aber nicht an mich halten, ’nen Spruch zu machen, der gepflegt ignoriert wird. Nun denn, besser als nichts akzeptiere ich kommenden Dienstag um 7 Uhr. Die Woche vergeht mit viel Ärger über das ständige An- und Abstellen des Haupthahns und die unglaubliche Tatsache, dass es nur morgens geht und deswegen so lange dauert bis was passiert. Egal, pünktlich um kurz nach 7 Uhr klingelt es und ein Mann Ende 50, so mein Eindruck, schleppt sich zu uns in den 2. Stock, leise vor sich hin fluchend und ich denke mir so, dass es offenbar nicht sein Tag ist, bzw. dieser vor kurzem schon ruiniert wurde. Kurzes „Hallo“ und direkt vis à vis ins Bad, um fast umgehend fest zu stellen, dass dies ja ein Blablabla von Boiler ist, ihm was komplett anderes zugetragen wurde und er nun erstmal so ein Teil besorgen müsste. Mach doch, wenn das die Lösung ist. Ach ja, bevor er wieder abgedampft ist, stellt er noch fest, dass er das eh nicht alleine hin bekommt und weg ist er. Um 8:15 Uhr wundere  ich mich dann doch, dass ich noch nichts gehört habe und rufe in der Zentrale an, um zu erfahren, dass heute eh keiner mehr kommt (hat mein Kollege etwa nicht Bescheid gegeben? Immer diese Mitarbeiter…tut ihr Leid) und weil das Modell bestellt werden muss und die Verwaltung dies auch erst genehmigen muss, da höher preisig, müssen wir eh erstmal abwarten, um einen neuen Termin zu finden. Aha, klar, verstehe. Eine ganze Woche später bekomme ich die postive Info, dass die Hausverwaltung den Vorgang abgenickt hat und besagtes Teil bestellt wurde, könne aber dauern. Erneutes Aha! Mein Mann findet den aktuellen Stand der Chose mittlerweile auch nicht mehr lustig aber wir können ja eh nichts tun, leider. Die Nummer geht in die dritte Woche und der Termin ist gefunden, um dem Ganzen endlich ein Ende zu bereiten. Besagter Vorsichhinflucher quält sich die Treppen rauf und hat tatsächlich einen Kollegen im Schlepptau- Chefkoch von Southpark in Persona! Da bin ich mal gespannt, denn unser WC ist eh schon schmal geschnitten und ich bezweifle, dass der gestresste Ältere das hin bekommt, bzw. muss er dies, denn Chefkoch wird dem körperlich nicht gewachsen sein, es sei denn er ist ein Schlangenmensch. Alleine der Abbau des defekten Gerätes gestaltet sich wohl umständlicher als erwartet, zudem er hilfreiche Tipps des Kollegen ignoriert und lieber ausufernd Kraftausdrücke vor sich hin schleudert, die mich auf die Geduldsprobe stellen. Ich muss gestehen, dass ich nicht die Wunsch- Kundin von Handwerkern bin, denn ich schaue gerne zu, weil es Neuland für mich ist und frage halt auch ab und an was, weil ich es nicht verstehe.  Nach einer gefühlten Ewigkeit ist das alte Ding endlich ab und ich stelle mich zur Verfügung, denn es läuft echt viel Wasser aus in dieser Wand verbliebenem Konstrukt und dem Rohr. Wären die nur zu zweit hätte es ’ne Flutung gegeben. Oh man, was für eine surreale Situation! Das Anbringen der neuen Gerätschaft ist auch nicht ohne, denn das Gefluche im Klo nimmt kein Ende. Als ich nach Vorwarnung, ob der anstehenden Bohrung den Putz unter der Decke, wegen Durchbohren der Wand, über unsere Küchenregale rieseln sehe, bin ich innerlich doch schon ein bisschen angepisst, unterdrücke dies aber. Das zweite Bohrloch wirkt gut, doch hämmert er den Dübel durch die Wand und es rieselt wieder vor sich hin. Chefkoch versucht die Situation zu retten und beschließt die anstehende Aktion zu übernehmen. Harald, wie ich seit ein paar Minuten weiß, rennt zwei, drei Mal zum Auto runter und da ich eine am Fenster rauche, sehe ich, dass er rückwärts in unseren Hausflur fährt, auf den Hof nehme ich an. Es knallt, scheppert und Harald kommt mit knallroter Wutfresse wieder zurück und berichtet, dass er sich den Aussenspiegel abgefahren hat. Ich frage, ob ich kurz auf die Toilette darf und bin froh darüber, denn sonst hätte ich mir garantiert in die Hose gemacht. Das hier gleicht einer Live- Conedy- Show und langsam finde ich Gefallen daran. Ganze 1 1/2 Stunden später ist es vollbracht. Das Bad gleicht einem Schlachtfeld und ohne nach ‚ nem Lappen zu fragen, verlassen sie ihre Baustelle. Ach, vorher noch grinsend anmerkend, dass ich nicht die Einzige bin, bei der durch die Wand durch gebohrt wurde. Was soll man dazu noch sagen? Ich bin unfassbar erleichtert, dass es überstanden ist und fahre endlich auf meine Kundentour in den so schräg beginnenden Tag. Ach ja! Harald fragt tatsächlich noch, ob ich wirklich zur Arbeit fahre und ich antworte, dass ich heute mal ’ne Ausnahme mache, weil ich ansonsten assozial Zuhause herum sitze und auf Termine wie diesen warte. Erik kommt nach Hause und- ohne Scheiß- sagt umgehend, dass es aus dem Boiler tropft. Ich flippe ein wenig aus und rufe die zuständige Firma an. Mitleidiges Verständnis kann mich nicht wirklich beruhigen, denn auf der Suche nach einem neuen Termin, schlägt sie plötzlich einen Nachmittag vor, worauf ich ihr sage, dass das jetzt nicht sein kann, denn es geht ja nicht nachmittags und ich jetzt nur früh könnte; sie daraufhin sagt, dass das aber schade ist, denn dann geht es erst wieder in einer Woche und ich kurz vorm Amoklauf bin, denn ich kann fürwahr kein Verständnis mehr aufbringen für diese Absurdität aber sichere mir den Termin dann doch und wünsche sogar noch einen schönen Feierabend.

Harald schleppt sich erneut die Stufen hoch und ist dieses Mal wieder allein unterwegs. Ich zeige ihm die undichte Stelle und präsentiere ihm die Real- Situation und er sagt, dass es eigentlich nicht sein kann. Ja, finde ich auch! Er reinigt ein Rohr, schraubt irgendwas vor sich hin fester als es vorher war und verlässt die Wohnung. Bis, ja, bis Erik erneut fest stellt, dass alles beim Alten ist. Aufgrund meiner kurzen Haare, fällt mir nicht übertrieben auf, dass sich diese vor Wut lösen und ich erwische glücklicherweise sogar noch jemanden im Büro der Firma. Frau Soundso ist schon im Feierabend und die Dame am anderen Ende der Leitung will mich vertrösten: ohne mich! Kurze, versucht entspannte Schilderung des Permanentdilemmas mit einem klitzekleinen Unterton, ob der Unfähigkeit des Mitarbeiters und des einen Monat umfassenden Auftrags nunmehr für die Abhilfe des immer gleichen Problems. Da sind die aber eisern; obwohl die halbe Firma meinen Vorgang mittlerweile kennt, schlägt mir ein unfassbar gleichgültiges Ding entgegen, welches mir klar machen will und soll, dass ich echt froh sein kann, dass so zeitnah ein Mitarbeiter wieder zur Verfügung steht, denn schließlich bestünde aktuell ja eine Notsituation und diesbezüglich Handwerkermangel. Ich schlucke meine überschüssige Wut nur trocken herunter und freue mich auf den neuen Termin nächste Woche und frage mich, ob denn nach professioneller Erledigung einer Baustelle eventuell mehr Handwerker zur Verfügung stehen würden, als es offenbar erforderlich ist und denke mir aber nur meinen Teil.

Harald hat einen mir Unbekannten dabei, Mitte 20, der sich sofort ins Wohnzimmer setzt und meine Plattensammlung bestaunt und mir ungefragt gleich seine halbe (zeitlich bedingte, da sehr jung) Lebensgeschichte erzählt. Harald- kaum der Wiederholung wert- schafft es auch in den zweiten Stock. Er überlässt umgehend dem Neuzugang den Vortritt, nicht aber ohne vorher wieder Gott und die Welt und den technischen Fortschritt zu bemosern und dieser findet alsbald den Knackpunkt des ganzen Dramas. Jippieh! Eine nicht eingebaute Brücke war der Fehler und nach erneuter Testphase steht fest, dass zumindest dieses Problem behoben ist- leider haben sich dadurch auch weitere offeriert. Ich harre nun schon zwei ganze Stunden aus und erfahre urplötzlich, dass es ein Grundproblem im Küchenabfluss zu geben scheint und es noch dauert. Zwei komplette Schränke ausgeräumt später, unzähligen Bohrungen und neue Rohre verlegend mit sich bringend, scheint das Komplettprogramm endlich überstanden. Himmel, hilf! Der Musikaffine fragt mich nebenbei noch auf die zahlreichen Konzerttickets am Kühlschrank aus und erzählt stolz von diversen Aussetzern auf seinen ersten Konzerten, während Harald zum hundertsten Mal irgendein Pamphlet ausfüllt und fies vor sich hin hustet. Ich frage final, ob es denn das nun endlich gewesen sei und verabschiede mich mit den Worten, dass ich echt froh wäre, ihn nie mehr wieder zu sehen; er lacht nur hüstelnd und sagt, dass er weiß, wie ich es ja meine…betont aber, dass dies eine der heftigsten Dinge seit Jahren für ihn war und die beiden aber auch weiter müssten, denn die Uhr tickt. 3 1/2 Stunden später schließe ich die Tür hinter mir und beginne meinen Alltag und hätte anstelle dessen nicht unübel Lust mir einen zu Trinken, nicht auf Harald, sondern auf die Zukunft im Handwerk, denn diese sieht stockenduster aus!

Veröffentlicht von stefkasays

Ich wollte schon immer schreiben. Über die kleinen Dinge im Leben, die einen manchmal an den Rand des Wahnsinns treiben können. Über große Dinge, die einfach zum alltäglichen Dasein dazu gehören und die Beachtung finden sollten, um nicht in der Versenkung der Unwichtigkeit zu landen. Dies ist ein persönliches Sammelsurium der Kostbarkeiten, die einen unweigerlich begleiten und die einem tagtäglich vor die Füße fallen.

Hinterlasse einen Kommentar