Ich durchlebe aktuell eine, für alles mögliche um mich herum, sehr aufmerksam aufsaugende und ins Detail verliebte Zeit, in der ich- intensiver als sonst offenbar- sensibler auf Taten, das geschriebene und verbal geäußerte Worte und Gesten, innermenschliche Reaktionen und soziales Gebaren mittenmang meiner aktiven Umwelt und des Miteinanders, reagiere. Das fühlt sich nur semi- gut an, denn es schafft mich mehr, als das es mich in meinem persönlichen Sein nach vorn katapultiert, was ich eigentlich schade finde; man sollte doch genau dies jetzt zelebrieren und genießen, oder? Eventuell ist es ein post- pandemisches Phänomen, da jetzt, wo vieles- beinahe alles wieder möglich ist- was vorab für einen schier unendlich wirkenden Zeitraum versagt war, so akut und geballt auf einen einprasselt, dass mir das ungewohnte und unüberhörbare Gewusel um mich herum ,einhergehend mit einer derart anstrengenden Reizüberflutung, tatsächlich mein auf „stand-by- Modus“ eingestelltes Gemüt schlägt.
Ich ertrage einfach keine größeren Menschenmengen mehr, denn es überfordert mich in allen erdenklichen Formen- besonders aber ertrage ich diese ganze, auf mich soziopathisch wirkende, „hedonistische Tretmühle“ der Allgemeinheit nicht, denn offenbar ergibt sich durch das in den letzten 15 Monaten erlebten Ereignis im jeweiligen persönlichen Bereich, eine jetzige Narrenfreiheit, die freudenhausgleich nun öffentlich ausgetragen wird/ gelebt wird und ich dieser aber irgendwie keine Gemeinsamkeit abgewinnen kann.
Sollte nicht jeder aus diesem Anlass eigentlich komplett aus dem – nicht irgendeiner Logik folgenden- Häuschen sein? Sich wie ein Derwisch gleich, ohne Sinn und Verstand, wie in Trance, zum Kreisel der wiedergewonnenen Freiheiten drehen? Seltsam, denn mir geht es halt nicht so, auch wenn ich mich wohl ebenso über die „Lockerungen“ in Form von ungewohnter, alter Normalität freue, wohlgleich nur anders und nicht ganz so menschenmassenfanatisch, wie der gefühlte Rest der Republik. In mir keimt die Frage auf, ob ich nicht insgeheim, all die Jahre einer Rolle gleich-angepasst an die Gegebenheiten- wider meiner Natur gehandelt habe und eigentlich schon immer eher wenige Menschen in meinem direkten Umfeld eher geschätzt habe, als dass es dergleichen viele waren?
Ist es schon immer so gewesen, dass ich eigentlich ein Unwohlsein im Sinne von Überforderung fühle, wenn es sich um mehr als die normale Menschenmenge in einem Raum (also übersichtlich und am besten mit selbst gewählten Teilnehmern) handelt? Und wenn ja, warum habe ich es all die Jahre so erfolgreich überspielt und ignoriert? Da ist doch irgendwas nicht in Ordnung; stimmt da eventuell irgendwas nicht mit mir? Ein kleines Beispiel meines fast schizophrenen Verhaltens sind Geburtstagsfeiern- meine in diesem Fall: vorab sei gesagt, dass ich meinem Geburtstag wirklich gerne einen besonderen Platz ein räume, ihn auch echt gerne mit einer Party huldige- mit allen, mir zum aktuellen Zeitpunkt wichtigen Menschen in meinem Leben, feiere. Doch jedes Mal, wenn es darum geht, dass nach allen Vorbereitungen, die eine Party erfordert, bin ich kurz vor einem Nervenzusammenbruch, wenn es um das Eintreffen der geladenen Gäste geht; ich würde dann am liebsten nur jeden Einzelnen, nacheinander im Bestfall, in Beschlag nehmen, um der ganzen Aufmerksamkeit, die mir zuteil wird, zu entgehen, die ich ja ursprünglich aber offenbar gewollt habe. Aktuell nähert sich der nächste runde, in dem Fall eckige, weil 50ster dieses Jahr und ich hoffe, dass ich es schaffe, nicht einem innerlichen Kollaps zu erliegen und zu genießen- wie es sein sollte und das dann vorhandene Hier und Jetzt zu feiern- aber ich bin jetzt eigentlich schon überfordert und denke über Alternativen nach.
Als ich vor 14 Tagen zum Geburtstag eines alten Freundes im spandauer Bermudadreieck geladen war, hab ich es wirklich genießen können, denn wir waren ein kleiner illustrer Kreis, der sich in der Konstellation auch schon Monde nicht mehr getroffen hat und es war wirklich schön. Auf dem Rückweg sind wir noch an einer anderen Lokalität vorbei und beschlossen dort einen Absacker zu nehmen, denn an der anstehenden Kreuzung hätten sich unsere Wege getrennt und ein wenig Zeit wollten wir dann doch noch genießen. Dort waren- eventuell bedingt durch König Fussball- die ganzen altbekannten Gesichter zugegen, mir mittlerweile fast fremd geworden, da nicht mehr aktiv im wochenendlichen Nachtleben unterwegs, deshalb auch in teilweise überraschte Gesichter geblickt, aber ich war komplett überfordert und habe- bis auf Ausnahmen- keinem wirklich Aufmerksamkeit schenken können, denn es war mir zu viel: geballte Ladung at it’s best, too much for me.
Den Fokus auf einzelne, mir vertraute Menschen, bzw. Freunde zu setzen, ist mir das liebste und trägt enorm zu meinem persönlichen Wohlbefinden bei. Vielleicht ist auch der berufliche Aspekt hierbei nicht ganz unwichtig, wie mir soeben bewusst wird. Permanent mit und von Leuten umgeben, erreichbar bis zur Schmerzgrenze und unweigerlich mit allen Facetten des menschlichen Seins konfrontiert, kann es wahrscheinlich dazu führen, dass man im privaten Bereich zum Misanthrop mutiert, nur dass das Gleichgewicht ausser Kontrolle geraten ist, bzw. die Prioritäten verschroben sind und man in einer schlechten Variante der altbekannten Matrix gefangen ist. Ist es in echt nicht ganz einfach und man muss nur zurück in eine Zeit des unbeschwerten Umgangs im Berufsleben, wo einem der Anspruch auf persönliche Kontakte vehement wichtiger war, als die Zufriedenheit und Bestätigung im tagesgeschäftlichen Tun, wo man, nur um normal leben zu können, eine Tätigkeit ausgeübt hat und diese sogar gerne- aber mehr Freude in der Freizeit aufbrachte?
Es stimmt mich nachdenklich. Vielleicht geht es ja irgendjemanden auch ähnlich- ich würde mich dann über Feedback freuen!