Spandau…mon amour!

Freaky friday klingt immer mehr denn je, auch in meiner Hood im frühabendlich, sommerlichen Straßenklingklang wider, mehr freaky than friday…aber schlimm genug, denn in diesem Teil der Wilhelmstadt hat es sich bis dato recht ruhig Leben lassen…Der weltbeste Pizzamann hat sich offenbar selbst mit meinem so verhassten Späti arrangiert, denn er stellt bis knapp vor unsere Haustür Tische auf und dem gut gelaunten Spandauer- genauer gesagt,  wilhelmstädter Straßen- Haute Volaute- People- steht nun nichts mehr im Wege, um sich fernab der Adamstraße zu präsentieren und mal richtig den Zamperno raus hängen zu lassen. Jippieh! Kein Wunder, dass aus der Pichi mit verschwenderischem Tatendrang eine Flaniermeile hervorgehen soll, dessen Grundgedanken ich bis dato nicht fassen konnte, der aber nun- durch ausufernde Geschäftsgebaren eines einzelnen Dienstleisters, zu Bestform motiviert und an Expansionsgedanken nicht zu stoppen ist, mir sich langsam erschließt. Ursprünglich wollte ich etwas Positives schreiben, denn als ich gerade einfach nur Hände waschen war erklingt in meinem nach Musik ausgehungertem Ohr ein Breakbeat, den jeder, der in den 90ern nicht taub war, sofort und auf Meilen erkennen würde, entgegen und ich ertappe mich dabei, dass ich selbst die glücklichste Frau auf diesem Planeten wäre, würde ich timetravelmässig ins Jahr 1996 in die Arena reisen können, um den Auftritt von Prodigy mit “ Smack my bitch up“ erneut live erleben zu dürfen. Ein knappes halbes Jahr zuvor haben uns die Chemobrüder noch an selbiger Stelle ermahnt, dass man doch jeden sein eigenes Loch graben lassen soll. Same, same but different…wie der Thai sagen würde…nur dass Keith Flint in seiner Art uns einfach dann doch mehr das Hirn weggeblasen hat.

Irgendjemand auf der gegenüberliegenden Bank hat auf jeden Fall- mich betreffend- endlich mal guten Geschmack bewiesen und hat eben dieses Lied selbst mich voller Freude hören lassen und das richtig laut. Feini. Das an sich würde ich als “ make my day“ bezeichnen aber auf der anderen Seite steht dann doch die anstehende Bedrohung durch eben solche Läden, die sogar dafür sorgen, dass komplett alle Natur, in Form von Bäumen, entfernt werden…durch angeblich abgestimmter Mittel eines Ausschusses, der sich Wilhelmstadt- e.V. nennt; gegründet um den Bürgern Gehör und Mitspracherecht zu verschaffen, letztendlich aber doch durch in der kommunalen Politik vertretende unterwandert wurde und alles, nur nichts bürgerliches mehr an sich hat und man vor vollendete Tatsachen gestellt wird, da man den Gehweg erweitern wird, Punkt. (Mein Unmut würde jetzt wahrscheinlich zu weit gehen, wenn ich noch in den Fokus stelle, dass dies alles ja online in der Wilhelmstadt- Gruppe diskutiert wurde…aber ganz ehrlich, ein Flugblatt mit Informationen hätte hier bei weitem mehr erreicht, als die Tatsache, dass ich mich auf eine- zudem nicht allen zugänglichen- Umfrage berufe, um dann vor vollendete Tatsachen zu stellen…mit der Hasskappe gerade gerückt sieht die Realität leider gerade auch nicht besser aus)

Ich mochte Spandau immer sehr gerne, lebe selbst als alte Lichterfelderin schon 25 Jahre ( Silberhochzeit dieses Jahr!)  hier…aber das, was hier entweder umfangreich in Planung ist oder aber generell über die letzten Jahre verändert wurde, passt nicht mehr mit meinem „Yeah, ich lebe hier und das für immer!“ zusammen. Stimmt mich traurig; zumal auch die geliebten Menschen hier es nicht mehr raus reißen…

5- minute- break: Mein Mann ist gerade durch die Tür und stellt fest, dass draußen echt der Pank abgeht…ich gönne den Balkonflanzen eine vornächtliche Dusche und bin mir nicht mehr sicher ob der nicen Klänge vor unserer Tür, denn wenn dies dazu führt, dass ich demnächst in einer Art spandauer Bermudadreieck- gleichen Ecke wohne, ist hier nichts mehr, was Amour verheißt. Dabei bin ich doch Fan von dem, was mich hier die letzten 25 Jahre immerhin ausharren lässt und allen Wegziehenden ein großes Fragezeichen an den Kopf werfen lässt, nicht nachvollziehbar, wieso, weshalb, warum man dem Berlin-20 Bezirk nicht den Rücken kehrt. Ein kleiner Hoffnungsschimmer bleibt…nämlich dass die Politik (die, die wirklich was zu sagen haben!) richtig entscheiden und das Geld in Projekte gesteckt wird, die es weitaus nötiger haben, als die Pichi…zuletzt stirbt die Hoffnung vermeintlich…in etwas zu verwandeln, was sie in diesem Leben nicht mehr sein wird.

Es ist jetzt tatsächlich nur einen Freitag später und ich stelle erneut fest, dass der tatsächliche angekündigte Irrsinn Einzug erhalten hat: es ist soweit, ab Mittwoch gibt es eine Vollsperrung ab Adamstraße- für kurzweilige 3 (!) Jahre. Es werden weitere 69 Bäume gefällt (angeblich im Summe mehr neu gepflanzt- yeah, danke Stadtplaner! Danke für die vorgewachsenen 2,5 m hohen Bäumchen, die natürlich alles heraus reißen, denn die jetzt 20m hohen Bäume sind dadurch gleichsam ersetzt: sag das mal den Vögeln, die dann keinen Nistplatz mehr haben- eigennützig muss gesagt sein, dass jetzt im Sommer, unser Blick ins Grün fällt, da Bäume direkt vorm Haus (2. Etage) und eine Neubepflanzung ein unschöner Ersatz sind- die Kotzgrenze ist da schon erreicht- aber nicht genug: ich habe heraus gefunden, dass selbst einige der Entscheider nicht wirklich einverstanden mit der anstehenden Umsetzung sind, dies aber notwendig ist, damit andere Projekte in Wilhelmstadt bewilligt werden und final auch in die Praxis umgesetzt werden können. Aha! Daher weht der stinkende Ausschuss- Wind also. Ich für meinen Teil werde versuchen in diesen Verein rein zu kommen, bringt vielleicht etwas, wenn ne höhere Quote an tatsächlich betroffenen Bewohnern dem politisch gewordenen Gremium inne wohnt, um dem realitätsfernen Gesockse, welches über elementare Dinge und Gelder in meinem/ unserem Umfeld entscheidet, ein dickes Kontra in elementaren Dingen zu liefern… einen Versuch ist es wert.

Denn ansonsten war es das mit meiner Liebe zu Spandau…und das fände ich echt traurig. Hoffnung und so…zuletzt sterben…

Veröffentlicht von stefkasays

Ich wollte schon immer schreiben. Über die kleinen Dinge im Leben, die einen manchmal an den Rand des Wahnsinns treiben können. Über große Dinge, die einfach zum alltäglichen Dasein dazu gehören und die Beachtung finden sollten, um nicht in der Versenkung der Unwichtigkeit zu landen. Dies ist ein persönliches Sammelsurium der Kostbarkeiten, die einen unweigerlich begleiten und die einem tagtäglich vor die Füße fallen.

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