Once in a lifetime

Damals war es noch ganz großes Kino, als wir ’96 nach Südafrika runter sind, 5 Wochen, also kein verlängertes Wochenende, so wie heutzutage. Dazu war uns unser schwer verdientes Geld und die Zeit als Studentinnen, mit der wir unser gefühltes Überdurchschnittlichleben finanziert haben, zu kostbar; gab es damals in der Pflege noch richtig Schmotter, weil keine Abzüge als Student… zusätzlich haben meine Eltern sogar noch meine Miete anfänglich bezahlt. Easy living as a freaky young student in der Mutterstadt! Hat nicht gereicht, denn Kneipe nebenher ist mit 18 losgegangen und dies hab ich auch erst knapp 20 Jahre später aufgegeben, zu sehr hat mich der soziale Psychoscheiß all die Jahre am Wochenende bereichert; froh ist man erst, wenn man los lässt und auf entspannte Art erfährt, wie es ist überhaupt Wochenenden zu haben und irgendwann glücklich ist, auf der anderen Seite des Tresens zu sitzen. Aber zurück zu der abgefahrendsten Zeit meines Lebens, denn soviel ist klar: niemals hast du mehr Zeit für Entertainment als Student! Die Einstellung hat mich kein Jahr später die Zwangsexmatrikulierung gekostet, war wohl zu lax mit der Materie umgegangen.

Im Oktober erst wieder gekommen mit meinem damaligen Freund, insgesamt 8 Wochen in USA und Mittelamerika unterwegs gewesen, sind meine neue 2. Hälfte (aka beste Freundin) und ich nach Südafrika los, insgesamt 5 Wochen…ein unvorstellbares Leben hatten wir damals, es war 1996, wir waren in der wahrhaftigen Blüte unseres Lebens, fuck man, wir waren 24! What the fuck hätte uns schon passieren können? Auslöser war meine Schulfreundin  die nach’m Abi wieder in die Heimat gezogen ist. Was machst du so, hmm, keine Ahnung, willste mich besuchen? Na sicher, keinen anderen Plan für die Semesterferien; Geld war da, Freundin hatte auch genug davon, also nichts wie weg mit uns beiden. Selbst die aktuellste Liebesbeziehung meinerseits konnte nichts daran ändern, zu frisch allemal, doch auch nicht egal. Egal genug aber, um ans andere Ende der Welt zu fliegen, um die große weite Welt nicht nur auf dem Globus für immer zu bestaunen, sondern – weil alle Fakten auch dafür sprachen- einfach los zu fliegen und sich dabei wirklich frei zu fühlen. Jetzt, 27 Jahre später, fühle ich mich immer noch besonders, wenn ich über diese Zeit rede, da es auch für immer in meinem Kopf sein wird, all das, was wir damals so erlebt haben. Laut einem
Werbespruch gibt es für alles andere die Mastercard- bei uns war es damals VISA, aber ehrlich- scheiß die Wand an!

Es ist also so weit, es geht los. Sehr bizarr, da uns meine neue Liebe zum Flughafen bringt, welches der mittlerweile zum Erholungsgebiet umfunktionierte Flughafen Tempelhof ist; ich komme mir vor wie ein VIP, denn ich bin vorher noch nie von Tempelhof geflogen und selbst der Weg durch die von  Hitler’s Wahnsinn getriebenen Megahallen zum Flugzeug hin, lassen alle jemals getätigten Flüge tatsächlich im kältesten Schatten erblassen, denn es ist wahrlich ein erhebenes Gefühl, und wir lieben es; es könnte nicht besser starten. Ab in die größere Ausgabe einer Chesna, 30 Personen haben Platz, und ab nach Brüssel. Es gibt Getränke und einen kleinen Snack, heutzutage undenkbar, aber damals selbstverständlich und wir sind nicht abgeneigt. Brüssel Airport, kurzer Halt- ich gestehe, dass ich nicht mehr mehr weiß, ob wir irgendwo rein gegangen sind- wir rauchen eine Zigarette und boarden. Fette Maschine, super First Class , jugendlicher Neid kommt kurz hoch, doch selbst unsere Economy ist bequem und ab geht’s nach SA!

What a feeling! Es ist kurz nach der Regenzeit in Südafrika, dementsprechend ist es gefühlt (und auch in echt) recht tropisch. Uns gehört die Welt!!! Kein jemals zuvor erlebtes Gefühl entspricht dem, was wir ab sofort als Dauerzustand haben. Unbeschreiblich! Johannisburg ist der place- to- be für die erste Woche und meine Schulfreundin hat alles erdenkliche unternommen, um es uns nicht langweilig werden zu lassen. Apartheid hin oder her (komme ich später noch einmal drauf) , es hat uns an nichts gemangelt. Prätoria, Johannisburg selbst und alles drum herum, nebst Sun City und dem eng verbundenem Township,in dem Winnie Mandela einen Palast bewohnt, der es einem kurzzeitig schwer fallen lässt, den sozialen Hintergrund des ganzen Kampfes um Gerechtigkeit in diesem Moment zu verstehen. Aber wir sind abgelenkt und zudem im super euphorischen Urlaubsmodus. Der Planet brennt und lässt uns in jeder Sekunde spüren, dass wir keine Einheimischen sind, keine Ahnung, ob es denen wirklich besser geht aber zumindest sind sie an dieses Klima gewohnt, wir halt nicht.

Und so ergibt es sich, dass ich nach einer Spritztour mit dem Cabrio schon vor der Weiterreise denke, dass ich mich absehbar schlangenmäßig von meiner überschüssigen Haut trennen muss, nicht ausgemalt, was noch schlimmer kommen kann, als dass man die Verbrennungen seines Lebens von sich getragen hat. Weit weg von der Realität, die mich dann heimgesucht hat, bewegen wir uns per Flieger nach Kapstadt, von wo aus unser richtiges Abenteuer erst los gehen soll. Angezogene Handbremse ist kein Ausdruck für die erste Zeit in Kapstadt, die Stadt der Superschönen und coolsten people ever met auf diesem Planeten. Ich war es jedenfalls nicht, eher so die „ich schäle mich dreimal, bis ich irgendwann wieder aussehe, dass es sozial erträglich ist“ und das hat echt gedauert. Glücklicherweise war in unserem Hostel ein Typ, der offenbar noch fester stand als ich als rollender Stein, und mich normal behandelt hat- Back Gammon spielen und dabei ’ne Ananas rauchen haben evtl. dazu bei getragen, nichts genaues ist überliefert- so dass ich mich tatsächlich 5 Tage nicht außerhalb der Backpackerlodge in Kapstadt bewegt habe. 1000 Spiele später und einem Gefühl des ewig bleiben wollens  haben wir es tatsächlich zusammen raus in die Stadt der Models und Reichen geschafft! Insgesamt, soviel muss vorgegriffen werden, haben wir abzüglich meiner Pell- Woche tatsächlich 2 1/2 Wochen in dieser Stadt verbracht, also ausreichend Zeit, um alles in und drumherum von Capetown zu erkunden; auch erleichternd, dass ich plötzlich wieder ein Gesicht hatte, welches nicht bei der kleinsten Bewegung aufplatzt und eine Fratze hervorruft; Südafrika hat sich von seiner schönsten Seite gezeigt und wir haben alles, was uns vor die Füße fiel, ausgehungert in uns aufgesogen und uns vom Erfahrungen sammeln ernährt. Ein Leben, wie man es sich zuhause einfach leider nicht vorstellen kann. Nearly a teenage- dream, hätte auch klappen können, denn wir haben irgendwann Leute kennen gelernt, die uns nicht abgeneigt waren, keinen Plan, ob tatsächlich was draus geworden wäre, aber der Ansatz war da… Dr. Greenthumb hat garantiert seinen üblichen Shit dazu beigetragen…who knows!? Aber wir reden heute manchmal noch darüber, was es mit unseren Leben gemacht hätte, hätten wir zu all dem ja gesagt. Und unter uns, es gibt kein besseres Alter, um dem deutschen Land den Rücken zu kehren! Haben wir aber nicht, wer weiß, für was es gut war. Alleine darüber nach zu denken macht mich irgendwie traurig, obwohl ich hier und jetzt so super glücklich bin, ich denke einfach seit längerem nicht mehr drüber nach, Fakt.

Wir sind ,als Teil des alltäglichen Lebens, ins Kino zu ner Doublefeature gefahren, vorher natürlich ordentlich was aus unserem Fundus geraucht- in Südafrika hat man damals Schlaftabletten rein gebröselt, was deswegen überaus hilfreich bei Filmen wie Heat und Casino ist….wir reden hier von 7 Stunden Film…den 2ten Film haben wir auch gar nicht mehr gesehen, uns war nach Baden gehen- ab zur Waterfront! Gleich mal nen halben (Höhe nicht dramatisch, 60m, deswegen halb) Bungeesprung hingelegt, man gönnt sich ja sonst nix,  auf dem Rückweg dann durch die City gecruised und einfach fett Spaß gehabt. Soll ja auch so sein! Nur manchmal fällt uns die unglaubliche Grätsche zwischen Arm und Reich auf, meistens allerdings laufen wir im Zwist liegenden Schwarzen über den Weg, die sich lauthals zoffen.

Wir reisen also durch dieses schöne Land, nehmen ein nach Woodstock benanntes Festival mit und schwimmen im eiskalten Wasser mit Pinguinen, vorher bestaunen wir noch andere Touri- Autos, die sich von dahergelaufenen Affenhorden beklauen lassen und fühlen uns, in der Tat, jeden Tag mehr als würde uns alles gehören, so frei sind wir von allem, was uns in der Heimat wahrscheinlich viel zu schnell wieder in die Maschinerie trudeln lässt, so dass wir auch sehr erfolgreich nicht daran denken. Manchmal überkommt mich ein verliebter Gedanke an den Menschen, den ich erst kurz vorher ins Herz geschlossen habe , aber dieser verfliegt glücklicherweise alsbald auch wieder, zumindest tut er nicht weh. Wir lernen ebenso verrückte Menschen wie uns kennen, die alle auf der Suche nach dem Sinn des Lebens sind und deswegen durch die Welt reisen- und wahrscheinlich hat jeder Dritte es auch nicht mehr nach Hause geschafft, da er- im Gegensatz zu uns die Eier hatte, um seinem Bauchgefühl mehr Bedeutung zu zumuten, als wir es taten , aber es war wirklich wie im Paradies. Keinen Gedanken an das, was kommt oder einen erwartet, bzw. einfach nur machen, wonach einem gerade ist…es war tatsächlich ein Zustand, der gerne von Dauer hätte sein können. War er aber nicht…weil wir halt nicht den Mum hatten, dies umzusetzen, auf dass wir aber eigentlich richtig Bock hatten. Bis zum letzten Tag haben wir aber auch nichts durchblicken lassen, geschweige denn, dass wir uns gegenseitig irgendwas eingestanden haben; und ich war sogar schon kurz davor meine Mama anzurufen, um ihr zu offerieren, dass sie mein komplettes Hab und Gut zu Geld machen soll, weil ich tatsächlich nicht mehr zurück komme, da es einfach der wahrhaftige Traum hier ist; in der Tat aber leider nicht so weitsichtig war, wie erhofft, und deswegen nach einer letzten Woche in Johannisburg doch am Airport stand, um die Heimreise anzutreten, sodass alles mit dieser Entscheidung  vorprogrammiert war. Wir mussten sogar die Hälfte unseres Bob Marley Gedächtniskrauts am Airport in die Tonne hauen, passiert halt, waren gar nicht so wild an Start, also kein Ding. Berlin, der Ort der finalen Destination, natürlich wieder VIP- mässig in Tempelhof gelandet, ist schneller erreicht, als uns lieb ist. Auch ein ebenso verknallter Typ wie ich in ihn kann dem doch fühlbaren Ende eines Traums nicht wirklich positiv entgegen wirken, obwohl ich mit einem Strauss Rosen in Empfang genommen werde. Peng. Landung. Hitler- Gedächtnis- Rundgang zum Exit und ab in irgendeine Bar, denn nach Hause wollen wir nicht, zumindest hat es noch Zeit. Ein paar Prosecco später am Winterfeldplatz und der Gewissheit, dass wir nicht im Viertel unseres Vertrauens den weltbesten Schwarma essen, bringen wir die Frau, die ich eigentlich nicht verlassen möchte, da sie der einzige Beweis für das erlebte Abenteuer für mich ist, nach Hause und sind kurze Zeit später bei mir. Ist doch ganz schön; ich berichte natürlich nicht über meine über Bord geschmissen Auswanderungspläne, das bleibt ein Geheimnis, ein sehr schönes.

Gestern erst haben wir beschlossen, dass wir im Sommer eine Woche auf Ibiza zusammen verbringen wollen, das erste Mal seit 1996. Ich piss mir jetzt schon in die Hose vor Freude, denn es kann nichts schief gehen- uns gehört eh schon alles, das steht seit Kapstadt fest. Aber wie damals werden wir uns wieder für die Heimreise entscheiden… vielleicht auch besser so, sind ja schließlich keine 24 mehr. Erik würde mitziehen, ein wichtiges Detail.

Love you! Aber wer war nochmal Klaus???🤪

Veröffentlicht von stefkasays

Ich wollte schon immer schreiben. Über die kleinen Dinge im Leben, die einen manchmal an den Rand des Wahnsinns treiben können. Über große Dinge, die einfach zum alltäglichen Dasein dazu gehören und die Beachtung finden sollten, um nicht in der Versenkung der Unwichtigkeit zu landen. Dies ist ein persönliches Sammelsurium der Kostbarkeiten, die einen unweigerlich begleiten und die einem tagtäglich vor die Füße fallen.

Ein Kommentar zu “Once in a lifetime

  1. Steffi….fühle mich geehrt♥️. So eine schöne Erinnerung. Konnte alles wieder nach fühlen , sehen und riechen und alles. Soooo lustige Situationen.
    Über Klaus reden wir auf Ibiza…piss mir in die Hose vor Freude…lieb dich meine Freundin🥰

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