Gestern war ein wirklich schöner Tag. Nicht nur, dass der kalendarische Sommer schon einen ganzen Tag alt ist, eben dieser fühlt sich auch endlich so an und lässt ungeahnte Energie aufkommen! Ich hüpfe gleich mal vor dem Wecker aus dem Bett, begleitet vom pichelsdorfer Vogelorchster und bin selbst ohne ersten Kaffee und morgendlicher Zigarette spontan in Bestlaune und einem inneren urlaubigen Gefühl, was eventuell mit der einen Tag zuvor gebuchten Reise nach Ibiza zusammen hängen könnte, welches mich dazu verleitet heute mal léger und farbenfroh zur Arbeit auf zu brechen, mutiger Weise sogar in meiner Huckleberry Finn- Latzhose. Gewagt. Aber die erste Begegnung mit einem Kunden bestärkt mein Unterfangen, heute allen mein sonniges Gemüt richtig unter die Nase zu reiben, denn ich „sehe ja so nach Urlaub aus“ und wie „toll es ist, morgens gleich so gut gelaunt zu sein“ ( bekannterweise ist der gemeine Deutsche morgens ja eher muffelig, da kann das schonmal auffallen) ! Ich beschließe meinem Auto heute auch was zu gönnen und fahre in die naheliegende Waschstraße, sauberes Gefährt passt auch viel besser zum Sommer. Es ist nur ein Auto vor mir dran (So ’ne Vordränglerin, die erst vor die Waschstraße fährt und dann erst ihr Ticket holt. Mag ich nicht aber was soll’s, heute nicht aufregen!) und die Schummeltante fährt rein und es will einfach nichts passieren bezüglich Waschvorgang. Die Tür geht auf und sie ruft lautstark “ drücken sie mal den Knopf!“ und das tue ich; sehe aber, dass die Karte klemmt. Bevor ich irgendwelche Zeichen geben kann hat sie wohl das Schild entdeckt, wo drauf steht, dass man doch bitte Hupen soll, wenn etwa nicht in Ordnung ist. Mir fallen fast die Ohren ab, denn es hallt wie in einer Höhle und ist so unerträglich laut, dass mir der Kopf schwirrt. Da sie auf meine winkenden Zeichen nicht reagiert und offenbar Gefallen am Hupen gefunden hat und dieses ohne Pause mittlerweile tut, beschließe ich einfach im Shop Bescheid zu geben- denn heute lass ich mir durch nichts die Laune verderben. (Wobei ich sagen muss, dass einfach weg zu fahren und sie dort hupend sich selbst zu überlassen wahrlich ein netter Gedanke wäre. Denn ich glaube sie hätte noch ganz lange dort verweilt, schon aus Angst, dass es dann doch losgeht! Muss ich mir unbedingt für solch kommenden Ereignisse merken!) Hilfe ist also im Anmarsch und ich empfange eine Entschuldigung wegen des Hupüberhörens und freue mich, dass es weiter geht, genieße die Sonne und warte auf meinen Einsatz.
Der Tag verlauft sehr angenehm. Ich erfahre von Zuhause, dass unser Internet nun wieder funktioniert (immerhin 4 Tage ohne) und unsere alte Vogelgruppe wieder zum Trinken und Baden erscheint; ist mir fast schon unheimlich, soviel Positives. Beim Haare schneiden erfahre ich, dass STAU die Abkürzung für STehende AUtos ist und bin wirklich froh, dass man nie aus lernt und erst recht nicht dümmer stirbt und freue mich über meine wiedergewonnene Sommerfrisur; um eine Kissenfüllung an Wolle auf dem Kopf erleichtert lässt sich auch gleich die anstehenden Hitze besser meistern. Meinen letzten Termin erreiche ich fast ’ne halbe Stunde früher und suche mir einen Platz in der Sonne um Vitamin-D zu tanken; dringend notwendig, denn es gibt keinen Menschen in Berlin, der so blass ist wie ich.
Nach einer Stunde erfahre ich zudem, dass ich auf einem guten Weg bin und meine unfreiwillige Auszeit letztes Jahr nicht mehr vorkommen wird, zumindest nicht in solcher Form und auch nicht absehbar. Voller Glücksgefühle und einem echt verdammt guten Tag fahre ich nicht nur mit Sonne von oben, sondern auch im Herzen nach Hause. Das Leben ist schön!