Lese auf FB gerade, dass eine Seite aufruft, den besten Späti aller Bezirke zu küren; mit kleiner Geschichte und am besten Fotos, um dem ganzen mehr Authenzität zu verleihen. Prinzipiell ein echt netter Ansatz, sind sie doch die Geschäfte, die einen bei akutem Bedarf Abhilfe schaffen, sei es in erster Linie mit Alkohol- hab noch nie jemanden Käse oder Eier kaufen sehen- ist ja schließlich auch ’ne Daseinsberechtigung. Allerdings kann ich aus aktuellerem Anlass ( jetzt doch schon bestimmt 2 Monate her) nicht wirklich ein gutes Wort an diese Einrichtungen verlieren.
Wir haben unten im Nebenhaus ein solches Geschäft, schon seit über 10 Jahren eigentlich und bis vor einiger Zeit- wahrscheinlich in Summe dann doch schon ein paar Jahre- hatten wir kein schlechtes Verhältnis zueinander. Man kaufte zwar aktiv nichts mehr, denn dazu sind Frankfurt/ Oder – Besuche beim Handel dann doch verlockender, als die teure Variante beim Späti zu erwerben,- wenn man denn Raucher ist ( ja, es gibt noch Raucher)- und auch die Parties lassen im Laufe der Jahre nach, in denen kaltes Bier als Nachschub von Bedarf ist. Also alles in allem eine “ Leben und leben lassen“- Situation. Asis waren sie von Anfang an, die Besitzer, hat halt nur erst später angefangen zu stören. Asi deswegen, da plötzlich gefühlt Ansprüche angemeldet wurden, bzw. ein Verhalten an den Tag gelegt wurde, was sich nur beschreiben lässt, wie Sido einst über seinen Block gerappt hat…klar, ist ja eben auch nur Spandau, aber Grenzen im Benehmen gibt es auch hier!
Naja, um mich jetzt nicht in alten Zeiten und dem damit verbundenen passiven Stress zu befassen, rutsche ich doch lieber gleich in den aktiven und aktuellen Stress rüber- geht ja schließlich um den Späti des Jahres. Wie aus heiterem Himmel hat wohl die Asi- Familie den Laden an- bis zu dem vermeintlichen Tag- unbekannte Fremde abgetreten.
Ich komme mit Mann im Schlepptau vom Einkaufen nach Hause, es ist Freitag und Parkplätze zu dem Zeitpunkt eher Mangelware. Ich entdecke in unserer Einfahrt eine „wird eher knapp Lücke“ und sehe dann, dass ein Wagen nur zwei Parkplätze vor der Einfahrt, offenbar frei wird: der Mann packt Dinge in den Kofferraum und geht zur Fahrertür, sieht dann aber, dass ich wieder ausparken will und den Blinker setze…um mir dann zu offerieren, dass er nicht heraus fährt; ich merke, dass das ein beschissenes Spiel am Start ist und gestikuliere nur, dass es echt nicht ok ist. ( Und das ist nur die halbe Wahrheit, denn die Vorbesitzer haben schon dieses Ding drauf gehabt, sich immer mit drei Autos die Parkplätze frei zu halten. Ich bin ehrlich gesagt außer mir und würde am liebsten aus dem Auto springen und richtig ausrasten. Weil es einfach nicht cool ist und eher unter die Rubrik fällt, assi zu sein….ich könnte einfach ausflippen. Punkt.)
Es kommt noch besser, denn der Sohn – ich gehe davon aus, dass es der Sohn ist- kommt vor den Laden gelaufen und wirbelt mir mit abwiegelnder Geste zu, dass ich hier nicht parken kann/ könnte. Da wir TK- Dinge dabei haben und das Wochenende vehement an die Tür klopft, fahre ich los, um einen anderen Ort für das Gefährt zu finden, wir werden auch fündig.
Klarer als sternenklar jedoch die Situation beim “ um die Ecke und zu unserem Haus laufen“: der Wagen ist weg und es klafft mir diese riesige Lücke im Parkhafen entgegen, in die sich nun, mit einem Transporter, der vermeintliche Sohn versucht ein zu lotsen. Das will ihm nicht so recht gelingen, denn er stellt sich dann in unsere doch nicht ausreichend Platz bietende Lücke unserer Einfahrt, meinem Ausgangspunkt des ganzen Dilemmas. Ich gehe erst normal rein ins Haus, schwer bepackt, da Omnieinkauf getätigt, Männe schleppt den Rest rein und ist schon auf halber Treppe, als ich kund gebe, dass ich doch nochmals raus gehe, um meinem Groll wegen des Parkplatzfreihaltens freien Lauf zu lassen.
So warte ich also in der Haustür, bepackt mit Taschen im Fußbereich, damit der Einkauf nicht flöten geht, darauf, dass der Typ eingeparkt hat. Innerlich bin ich schon nervlich am Ende, es gibt nichts, was mir verhasster ist, als Leuten eine Ansage zu machen, aber nun habe ich mich dazu entschieden und warte also. Die nachfolgende Situation ist so bizarr und trifft mich eiskalt in meinem vorgefertigten Plan, dass ich für das Verhalten meinerseits keinerlei Erklärung finde: er parkt ein, steigt aus- sieht mich die ganze Zeit dort stehen – und haut folgendes zu mir raus: (O- Ton) haste keine Hobbies? Was glotze denn so, du alte Fotze? Verpiss dich!
Ich glaube in dem Moment, dass ich im falschen Film bin, ich habe spontan die Wüste Gobi im Mund und in der Kehle, bekomme fast keine Luft mehr, bin kurz vor einem Herzriss. Ich bin so fassungslos, dass ich ihm nur entgegen schreie (spätestens da bin ich nicht mehr ich selbst), dass er derjenige ist, der sich verpissen soll.
Klack. Die Tür geht zu und ich gehe hoch zur Wohnung. Ich kann keines der Dinge, die in meinen Taschen sind, ausräumen, denn mein Puls erstickt mich fast und ich kann nicht klar denken. In einer anderen Welt- einer bösen- würde ich nochmals runter gehen und ihm nonverbal klar machen, was ich ursprünglich sagen wollte. Aber ich bin lieber fast eine halbe Stunde wie auf Droge und versuche zu atmen, denn ich kann es echt nicht fassen, was da eben passiert ist. Ich gehe irgendwann auf den Balkon, um die Blumen zu gießen und schaue automatisch runter und eben welcher, der sich mir so unsagbar gut als neuer Besitzer des Spätis vorgestellt hat, schaut hoch und sieht, dass ich ihn sehe und steigt in sein Auto, um es um zu parken, denn es gilt Parkverbot in unserer Einfahrt.
Ich habe ihn seitdem echt nicht mehr gesehen, nur den Vater, der ja nicht wegfahren wollte. Das Autogeschiebe um den Parkplatz läuft natürlich auf vollen Touren. Ich habe keiner meiner geplanten Aktionen umgesetzt, sondern einfach mal Ruhe bewahrt; freue mich darüber, aber bin mir nicht sicher, ob es diesmal tatsächlich ein Erfolg ist, nichts zu tun.
Fakt ist auf jeden Fall, dass dieser Späti nicht in die engere Auswahl kommt, um erwähnt zu werden ( außer hier- und das ist schon mehr als er verdient) aber eins ist klar: ertappe ich irgendeinen, der dort auch nur einen Cent lässt, bin ich wirklich persönlich beleidigt!
Übrigens auch eine sehr geschäftstüchtige Art, sich im Kiez bekannt zu machen…. glücklicherweise gibt es eine Ecke weiter gleich den nächsten, die paar Meter klappen dann doch ganz gut, falls man doch mal einen braucht. Hopefully, dass die Inhaber eures Lieblingsspätis preisverdächtig sind, verbleibe ich mit den Worten: der in der Pichi 33 ist es nicht!
… vielleicht mache ich doch heimlich mal ein Foto, damit auch klar ist, wo man nicht hingehen sollte…
Ich bekomme schon wieder Schnappatmung…also für kreative Vorschläge bezüglich heimlicher Rachepläne bin ich doch dankbar!