Freunde kommen und gehen im Laufe eines Lebens, das ist nunmal so. Früher, wo man noch jedem und allen gefallen wollte, dachte man ja, dass die, die einem nur annähernd Aufmerksamkeit entgegen brachten, automatisch Freunde sind. Es ist geradezu faszinierend, dass ein gewisses Alter erst erreicht werden muss, wo sich die Einstellung dazu offenbar ändert.
Der Klassiker an Freundschaften entwickelt sich ja zu Schulzeiten. Klar, man durchlebt den aufregendsten Teil seines Lebens miteinander, all die Höhen und Tiefen des jugendlichen Daseins, hin zum Erwachsen werden. Wobei “ erwachsen werden“ für mich nicht so passen will. Vernünftig sein, verantwortlich sein für sich und sein Tun ok, aber erwachsen? Kann man auch später noch werden, denke ich.
Aber der schulfreundschaftliche Weg ging durch die Schwerstpubertät hin zum vermeintlichen Erwachsensein. Das schweisst zusammen und wird, egal was passiert, auch immer in besonderer Erinnerung bleiben! Aber selbst diese Freundschaften können sich aus den Augen verlieren, ganz ohne Absicht, einfach durch unterschiedliche Pläne, die die Zukunft bereit halten soll, verbunden mit Wegzug in eine andere Stadt oder anders gearteter Dinge.
Der nächste Freundeskreis gestaltet sich um den ersten Freund herum, wenn dieser nicht in der selben Klasse ist. Der ist cool, die sind cool und umso cooler ist es, wenn sie einen auch cool finden. Man bewegt sich ausserhalb der gewohnten Umgebung, fremder Bezirk und trotzdem im Bann dieser Clique, die um so vieles mehr zu einem passt, als es der Rest im vertrauten Schulalltag her gibt. Aus diesen Kreisen entstehen oftmals Bindungen, die tatsächlich von Dauer sind und die einen lange durch die nächsten Stationen des Lebens begleiten; bis heute, wenn auch mit Unterbrechungen, weil man einfach gleich tickt, das Leben parallel verläuft und, dass ist natürlich elementar wichtig, man sich mag, so wie man ist und mit den Macken des anderen bestens vertraut ist. Nicht umsonst hält eine Freundin/ ein Freund so etwas über Jahre überhaupt aus! Es ist trotzdem die Jugend, die zu diesen Bindungen führt und langfristig bindet. Es geschehen aber noch wirklich unglaublich verrückte Situationen, die zufällig erscheinen, doch im Nachhinein Bestimmung sind oder waren; anders kann ich mir das Zusammenfinden mit einer meiner später engsten Freundinnen nicht erklären. Wilde Zeiten, die Mittneunziger, alles war möglich und wir wollten überall dabei sein; haben wir auch ganz gut hin bekommen würde ich behaupten. Und alles, während wir uns beruflich um alte Menschen gekümmert haben; und das mit Leidenschaft, ernsthaft! Widersprüche waren damals eh Gang und Gäbe…also passte das ganz gut! Anfang/ Mitte 20 war die Welt auch noch in Ordnung und an Vernunft nur eher am Rande zu denken.
Tsja, und dann ging es in den Bezirk, aus dem alle, die ich dort irgendwann kennen gelernt habe, weg gezogen sind und ich habe meine neue Heimat gefunden. Liebe hin, Liebe her. Hier passierten Dinge, Beziehungen und Techtelmechtel, wie es die BRAVO Lovestory nicht besser in Worte und Bilder hätte fassen können. So verhält es sich offenbar auch mit Freundschaften. Es ist ein bisschen so, wie damals, als er cool war und das coolste war, dazu zu gehören oder aber man dachte, dass man Freunde hat, weil hier Sympathie und Status noch ganz groß geschrieben wurde. Ich bin hier auf ein Phänomen gestossen, was mich irritiert. Schwarmlogik und Schwarmverhalten, die/ das sich mir nicht erschließt oder aber auch nicht zu begreifen ist. Egal, was genau vorgefallen ist- mehrfach, nur anders irgendwie- immer das gleiche Procedere. Person X gerät in Situation Y, womöglich mit Person V, was eigentlich legitim ist, aber irgendwie nicht ins Gesamtbild der Aute Volaute, selbst dazu erchoren, passt oder unstimmig ist, weil….wird urplötzlich aus der vermeintlich freundschaftlichen Runde ins Exil verbannt, ohne Erklärung des „warum“ und „weshalb“, ist dann einfach so. Punkt. Mit ein bisschen Glück erfährt man über Umwege, dass XV in Ungnade gefallen sind, weil das, was vorgefallen ist, ja überhaupt nicht gehe! Soso! Wurden XV denn mal befragt, warum, wieso, weshalb? Nein, aber ist doch offensichtlich; außerdem denken alle so. Na gut, ist dann wohl so. Irgendwie ein bisschen einseitig, die ganze Schose, ich denke mir meinen Teil.
Ich habe leider einige dieser vermeintlichen Freunde durch wahrscheinlich eben geschildertes Schwarmverhalten verloren und weiß bis jetzt nicht warum. Hat mich lange beschäftigt, weil diese – mir zumindest- echt am Herzen lagen. Aber so ist es hier wohl. Werde ich eh nicht mehr in Erfahrung bringen. Schön allerdings, wenn der Moment kommt, wo es einem egal ist, oder es einen zumindest nicht mehr verletzt, bzw. beschäftigt, ein zuweilen wahrlich langwieriger Prozess, und man bereit ist, innerlich den Mittelfinger zu strecken und sich inbrünstig denken kann: Dann like mich doch am Arsch!
Das tut gut und hat fast etwas therapeutisches an sich; irgendwie stellt man dann auch fest, dass einem – wie durch Zauberhand- eigentlich auch gar nichts mehr fehlt und es einem besser geht! Schade nur, dass der Weg dahin ein so holperiger war!
Ich glaube, dass ich rückwirkend dies alles sogar richtig gut finde, bin ja weiß Gott nicht die, die aktiv Leute um sich scharrt, weil sie im regelmäßigen Turnus alle um sich haben muss. Dafür habe ich einfach zu viel mit Menschen zu tun, als dass ich aus fehlenden sozialen Kontakten verwahrlose. Ganz im Gegenteil: die dadurch komprimierten, gefilterten und verbleibenden „heiligen Grale“ der Freundschaft haben mich wohlwissend als Freundin gewählt, so wie ich sie und erwarten keinerlei Gegenleistung oder dass gar andere Sperenzien unsere unregelmäßig regelmäßige Vertrautheit stören. Das liebe ich, das beruhigt mich. Weil ich nicht irgendeiner Denke entsprechen muss oder überhaupt auf die Idee kommen müsste, annähernd etwas zu sein, was ich einfach nicht bin.
Tsja, irgendwie will mir hierzu kein passendes Ende einfallen, zumindest schießt mir nichts Stimmiges in den Kopf. So bleibt dieser Gedankenerguss wohl unvollständig…
Zuhause ist das Wort, trifft es wohl am ehesten, dieses Gefühl, was mich so sehr an die Gralhüter bindet. Heutzutage ein wirklich zu hütender Schatz, unbezahlbar, dafür bin ich unfassbar dankbar!