Du weißt, dass du richtig bist, wenn du an einem Montag nachmittags mit deinem Mann zuhause sitzt, leicht übermüdet von der Oscar- Nacht, aber doch schon wieder ’n Prosecco auf machst- evtl. als sogenanntes Konterbier, nur eben in Sektform- und dir wegen all dem musikalischen Konzertentzug in voller Lautstärke das Guns ’n Roses Konzert von ’93 in Sascatoon/ Canada in voller Länge rein ziehst. Was für ein Urlaub, denke ich. Eigentlich wollten wir jetzt in Sankt Peter Ording mit unserem WoMo beim Kollegen von mir hinter der Düne am Haus stehen und ein wenig Urlaubslaune tanken. Egal, denke ich allerdings jetzt, denn ich habe alles was ich brauche direkt vor meiner Nase und wenn wir Wasser wollen, gehen wir einfach rüber zum See oder an die Havel. Also scheiß drauf! Da endlich die T-Shirts aus Asien angekommen sind, die Axl während der Tour von ’91-93 getragen hat, ist es an einem Tag wie diesem in zweierlei Hinsicht super, denn der Mensch mit dem ich irgewann tot umfallen will, sitzt neben mir und sieht zudem auch noch aus wie der Mann, der uns nicht nur diesen nachmittäglichen Montag so stimmgewaltig unterhält, sondern von dem ich auch damals schon unfassbar Groupie war, jedoch nicht so sehr, wie bei ihm; ich glaube er würde sich von mir scheiden lassen, wenn er die Wahl hätte, irgendwie läuft da noch ’n anderes Ding als bei mir damals. Aber das ist vollkommen okay, denn das wird sowieso nicht passieren! Lach! Und so grinst mich ein Charles Manson- Shirt an und es wird die E- Gitarre gezückt und schwupp sind wir in unserer eigenen Welt, glücklich darüber, dass genau wir beide uns getroffen haben, denn kein Dritter auf der Welt kann genau diesen großen Knall haben, den wir hier heute und jetzt abfeiern….harmlos ausgedrückt. Es gibt nix besseres als solche Tage!
Knocking on heaven’s door läuft gerade und ich glaube, dass wir gleich beim Nachbarn klingeln, einfach so, um zu pöbeln. Ist weitaus nicht so krass, wie es sich anhört, denn das kennt er schon; naja, uns zumindest. Ein super gechillter Mensch, der sich immer über unsere leidenschaftliche Seite mit freut. Grandiose Nachbarn haben wir, denn manchmal glaube ich, ist es zu laut. Mein Mann sagt dann immer, dass wir ja nur über den Fernseher hören, richtig laut wäre es ja erst, wenn wir die Anlage an schmeißen. Prinzipiell hat er ja Recht, ist halt auch Ermessenssache…mal so und dann halt mal so. Kann auch gar nicht so schlimm sein, denn seit unsere Übermieter mit der Tochter die Zimmer getauscht haben, sie jetzt also über unserem Wohnzimmer wohnt, hat sich heraus gestellt, dass sie angefangen hat, Gitarre zu spielen. Ich glaube, dass sie uns mag. Ich glaube, dass sie auch ein kleiner Punk ist. Also ich mag sie.
Jetzt spalten sich unsere Geschmäcker, es läuft November Rain, bin ich drüber, kann’s echt nicht mehr hören. Also nippe ich mehrfach am Prosecco und rauche erstmal ’ne Zigarette. Wir philosophieren darüber, wie super cool es wäre, wenn wir selbst ’ne Band wären und was es auf sich hat, mit den beiden Getränkepullen von Axl. Fuck, ich habe das Gefühl, dass ich mich mit mir selber unterhalte und kann nicht fassen, dass es tatsächlich jemanden gibt, der echt genauso crank ist. Unbezahlbar so ein Moment, ein Montag, ein Leben!
Und dann geht’s los… der Terminator 2- Song…erster Film im Kino mit Dolby Surround…und es gibt keinen Menschen auf diesem Planeten, dem ich (und andersrum) so gerne ins Gesicht schreie, dass er seine Sterne zählen soll, weil ich zurück bin!
…’Cause you could be mine…