Dies und das / A9

Gestern hatte ich einen wirklich anstrengenden Tag, lange und irgendwie auch nervig. Selbst aufgebrummte Komplett- Ost- Tour ( selbst Schuld am Stress also) begleitet mit unzähligen Anrufen, die einen an den Rand des Wahnsinns treiben können, weil sie so überflüssig sind aber Unmengen an Zeit stehlen. So fahre ich also die A9 Richtung München und rege mich über dies und das auf der Strecke auf, wie immer eigentlich, als auf der rechten Spur die komplette Riege von LKW s auf die Mittelspur rüber zieht. Ist ja eigentlich nichts ungewöhnliches, denke ich, aber rege mich aus Prinzip schonmal über das Geschehen auf. Bis ich mitbekomme, dass eine Reiherfamilie auf der rechten Spur spazieren geht und den Brummifahrern nichts als absolute Tierliebe und Nettigkeit vorzuwerfen ist! Ich bin wirklich sehr angetan von dem, was da gerade passiert ist und freue mich über soviel Weitsicht und werfe dem vordersten Fahrer einen Manne- Daumen (Auf Achse, Manfred Krug) zu. In meiner heilen Welt versunken, dass LKW- Fahrer doch nicht alle miese Spurschneider und Kamikaze-Fahrer sind, werde ich durch ein rotes Licht zurück in die Autobahnrealität geholt. Komisch, gerade war doch noch All- you- can- Bleifuss, wieso ist hier plötzlich 80? Schön die kommende Baustelle durch Heile-Welt- Denken verpeilt und ein schickes Foto geschossen, keine Ahnung ob es bei den Entwicklungskosten bleibt; ich befürchte nicht.

Stunden und einem Aprilwetter, wie es im Buche steht, später, komme ich im Vogtland an und bin irritiert, dass hier partiell echt noch Schnee liegt und von Frühling weit und breit nichts zu merken ist. Obwohl, an einigen wenigen Büschen und Bäumen sind auch hier schon Knospen zu erahnen. Aber es ist bitter kalt, gerade mal 2 Grad plus und ich will hier weg. Also weiter nach Sachsen und dann nach Thüringen. Den Kunden fällt auf, dass ich nicht so gesprächig wie sonst bin aber bemängeln dies auch nicht. Meine innere Uhr treibt mich voran, habe ich doch um 16 Uhr einen privaten Termin in Berlin einzuhalten, und so beschränke ich mich auf das Nötigste. Da ich seit 5 Uhr wach bin, mir das ewige Wetterschauspiel von Weltuntergangsstimmung bis wonnemonatigem Sonnenschein zusätzlich zu schaffen macht, komme ich leicht schläfrig wieder in Sachsen an. Gott sei Dank gibt es hier Kaffee, der so stark ist, dass er mir seine bittere Faust ins Gesicht drückt und ich stopfe mich wild mit meinem Süßigkeitenvorrat voll, der leider auf dem Weg von Leipzig nach Halle leider vollständig erschöpft ist, so dass ich ohne weitere Zuckerzufuhr auskommen muss. Drei Unfälle später, Standart auf der A9, bin ich schon wieder vollends entzückt, wie schön es doch in Sachsen Anhalt ist, wenn die Sonne scheint und lasse meine Augen über die noch kahlen Baumgruppen und die kleinen Flüsse schweifen. Herrlich, finde ich, obwohl ich hier nie Leben wohnen wollen würde, ist mir dann doch zu weit draußen. Aber schön ist es trotzdem. Nun ja, in die Ferne schweifen hat so seinen Preis, in diesem Fall den des zweiten Fotos. Bombenstimmung macht sich breit, bin quasi auf dem Höhepunkt des heutigen Nervtages angekommen. Frustriert schaffe ich es aber doch noch nach Wittenberg und bin dort noch maulfauler als vorher aber bekomme zumindest tröstende Worte mit auf den Weg und mir wird ein toller Urlaub gewünscht. Stimmt ja! Immerhin etwas, was die Laune wieder normalisiert und den Rückweg erträglicher macht. Ich bin mittlerweile so müde, dass ich die Klimaanlage auf kalt drehe, um mich wach zu halten; offenes Fenster geht nicht, denn es schüttet wie aus Eimern, mal wieder. Laut Navi bin ich genau 10 Minuten vorm Termin da, ich bin trotzdem gestresst. Also minimalste Akklimatisierungszeit, bin gespannt, ob ich das hin bekomme. Endlich in Berlin angekommen, vom Feierabendverkehr aber doch leicht gereizt, sitze ich noch ein bisschen im Auto und rauche bevor sie los geht, meine Entspannungstherapie. Eine Stunde später und wirklich überglücklich, nicht eingeschlafen zu sein, bin ich tatsächlich geerdeter, stressfreier und wirklich froh, genau diesen -durchaus nervigen Tag- so ausklingen zu lassen. Also doch gar nicht so ein schlechtes Timing gewesen.

Veröffentlicht von stefkasays

Ich wollte schon immer schreiben. Über die kleinen Dinge im Leben, die einen manchmal an den Rand des Wahnsinns treiben können. Über große Dinge, die einfach zum alltäglichen Dasein dazu gehören und die Beachtung finden sollten, um nicht in der Versenkung der Unwichtigkeit zu landen. Dies ist ein persönliches Sammelsurium der Kostbarkeiten, die einen unweigerlich begleiten und die einem tagtäglich vor die Füße fallen.

Hinterlasse einen Kommentar