Quer durch die Stadt

Manchmal ist es erstaunlich, dass Menschen den komplett gleichen Weg zu ihrem Ziel gleichzeitig bewältigen, sogar mitten durch die Stadt. Gestern, als ich von meinem Neurofeedback im tiefsten Lichterfelde, meiner alten Hood, Richtung Heimat losgefahren bin, biegt kurz hinter mir ein fetter Mercedes ab und hat offenbar die selbe Route vor sich. Vorbei an meiner alten Schule, schnurstracks an der alten Uni vorbei, immer im Beisein des Mercedesfahrers. Mir kommt das Lied „Im Wagen vor mir…“ in den Kopf, nur dass ich kein junges Mädchen mehr bin und auch schon seit über 20 Jahren keine Ente mehr fahre. Seltsam, denke ich, am Rathenauplatz links einordnend, macht der hinter mir auch, nur neben mir; ist ja ’ne Doppelabbiegerspur. Ich schaue rüber aber er sieht in die andere Richtung, zum Funkturm. Egal, es ist grün und es geht weiter. Am ICC drunter durch und links zur Jafféstraße, um nicht über den Theo fahren zu müssen, zu viel Verkehr und Stau vorprogrammiert. Kurzer Blick in den Rückspiegel, weil Baustelle und Spurverengung und da ist er wieder. Zwei Wagen dazwischen aber immer noch da. Rechts, links und ab auf die Heerstraße. Kurz vor Eintritt nach Spandau, also offizieller Bezirksgrenze, steht er nochmals neben mir, ich muss allerdings rechts abbiegen, um nach Hause zu kommen. Er fährt geradeaus, grinst zum Schluss aber nochmal zu mir rüber als die Ampel auf grün wechselt und ich muss schmunzeln. Vielleicht hat er sich auch die ganze Zeit gefragt, was ich wohl auf seinem was- auch- immer- für- einen Weg er hatte, mache, so wie ich! Erstaunlich, finde ich und singe laut: Rattadadadadadadaaaa…im Wagen vor mir fährt ein junges Mädchen und grinse!

Veröffentlicht von stefkasays

Ich wollte schon immer schreiben. Über die kleinen Dinge im Leben, die einen manchmal an den Rand des Wahnsinns treiben können. Über große Dinge, die einfach zum alltäglichen Dasein dazu gehören und die Beachtung finden sollten, um nicht in der Versenkung der Unwichtigkeit zu landen. Dies ist ein persönliches Sammelsurium der Kostbarkeiten, die einen unweigerlich begleiten und die einem tagtäglich vor die Füße fallen.

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