Rezensionen sind ja heutzutage Gang und Gäbe, vor allem weil es einem endlich die Möglichkeit bietet, je nach Empfinden, eine Sache positiv oder negativ zu bewerten. Früher war eben nicht alles besser! Ausser Mundpropaganda gab es ja eigentlich nichts, man hat sich auf das Urteil anderer verlassen, es sei denn man belas sich in Fachmagazinen. Stiftung Warentest war und ist glaube ich auch immer noch, der absolute Anführer im “ ich brauche XY, also belese ich mich dort“- Verbraucher- Magazin- Geschäft. Umso schöner, dass man jetzt alles und jeden kritisieren oder loben kann! Ich zum Beispiel werde regelmäßig nach Geschäftsverlassen- egal welcher Branche zugehörig- von Google gebeten, eine persönliche Bewertung ab zu geben. Erscheint mir ein wenig übertrieben, also selektiere ich. Muss ja schließlich nicht jeden Supermarkt oder jede Tankstelle bepunkten. Da ich ja nun ( in der normalen Welt) viel unterwegs bin und quer durch die Republik nächtige, bin ich mittlerweile ein wahrer Fan von Hotelrezensionen geworden. Das macht Spaß und ich selbst lese mir ja auch vor meinen Buchungen gerne mal ein, zwei Erfahrungsberichte durch. Außerdem finde ich es immer interessant, was ich später selbst über die bewerteten Örtlichkeiten denke. Obwohl ich ein Gewohnheitstier bin, suche ich nunmehr nach immer neuen Übernachtungsmöglichkeiten, fast als wäre ich eine Hotelkritikerin, die inkognito unterwegs ist! Das macht richtig Laune und gestaltet die Auswärtstätigkeiten ein wenig spannender.
Es gibt aber auch andere Aspekte im Bewertungsuniversum, die mich eher nerven oder mir zumindest lästig sind. Gerade jetzt, wo man größtenteils online einkauft, empfinde ich die angefragten Bewertungen als müßig. Die kommen ja als E-Mail daher und ich lese nicht wirklich regelmäßig meine privaten E-Mails, da eh das meiste über WhatsApp geregelt wird. Aber neulich war ich echt überrascht, da sich unsere Alexa zu Wort meldete und ich überhaupt nicht mit gerechnet habe, dass die sich jetzt auch noch einmischt ins Bewertungserinnerungsgeschäft! Es ging um einen doch länger her liegenden LP- Kauf, die geliefert wurde, wo ich offensichtlich mal wieder keine Info über Zufriedenheit und was weiß ich noch abgeliefert habe. Sie fragt einfach so- ohne konkretes Ansprechen- ob ich nun meine 1-5 Sternebewertung über besagte Schallplatte abgeben könnte. Nach kurzer Irritation, ob des unaufgefordert Plauschs, murmel ich 5 (denn ich bin ja zufrieden!) und will mit dem weiter machen, was ich vorher halt gemacht habe. Reicht ihr nicht! Sie fragt unaufgefordert weiter, was genau denn so gut war und überhaupt! Also das ist mir jetzt dann doch zu penetrant, ich fühle mich quasi belästigt, und ich deaktiviere die Funktion in ihrem Aktivitätendasein. Man sollte schon die Wahl haben, wann und zu was seine Angaben gemacht werden, oder? Eigentlich wieder einmal eine Sache, die man hätte besser doch lassen sollen; Sklave der Kunsumbenotung, fast wie bei „Die Geister, die ich rief!“ !
Neulich habe ich eine Aufforderung anderer Art erhalten, doch bitte ein positives Feedback ab zu geben, da durch einen Eintrag, der bewusst extrem negativ verfasst wurde, die allgemeine Sternebewertung herunter gezogen wurde. Hab ich gerne gemacht, musste mir auch nichts aus den Fingern leiern oder sogar lügen; die Allgemeinbewertung war verbessert und sie glücklich. Wie schön!
Wie ich dieses Verhalten/ Mobbing finde, ist mir glatt demnächst einen eigenen Post wert! Traurig und schlimm aber offenbar eine neue Form von perverser Genugtuung, anderen Schaden zu zu fügen.
Schade trotzdem, dass ganz normales Einkaufen offenbar nun auch schon in Stress ausartet und man sich nicht einfach, ganz still und heimlich, über besagt Erworbenes freuen kann und ohne (Be-)Wertung auskommt!
…ich gebe diesem Artikel 3 von 5 möglichen Punkten…