Die Polizei, dein Freund und Stalker

Typischer Montag Morgen, antriebsarm und ein klein wenig zu spät unterwegs. Ich peile mein Auto an und stelle verwundert fest, dass ein Polizist sich die Straßennamen an der Kreuzung, wo ich parke,  notiert und angeregt etwas in sein Büchlein kritzelt. Kann ich helfen? Er schaut mich an und freut sich offenbar, dass er die Halterin gefunden hat. Wo ich denn herkomme fragt er und sieht dabei irgendwie wie ein Wiesel aus, sehr forsch. Ach, sie meinen das Kennzeichen! (Auch ich als passionierte  KfZ- Schilder- Raterin wäre nie im Leben auf den Herkunftsort gekommen!) KH steht für Bad Kreuznach, ist ein Dienstwagen; ich wohne gleich da drüben und zeige mit dem Kopf auf die andere Straßenseite. Und was machen sie beruflich? Ich denke, dass ihm das eigentlich total egal sein müsste und nichts zur Sache tut, beantworte ihm aber trotzdem diese Frage und denke, dass ich dadurch vielleicht aus der Nummer raus komme. Soso…er  wirkt ein wenig irritiert, kann ich mir aber zu dem Zeitpunkt nicht erklären. Ich dürfe hier nicht stehen, zu dicht an der Kreuzung, es könnte kein Feuerwehrwagen durch, etc. etc. . Sehe ich ein und will meinen Strafzettel entgegen nehmen. Nein, nein! Ich habe ja schließlich schon den Abschleppdienst gerufen sagt er, da müssten sie dann schon die Leerfahrt bezahlen. Und schwupps biegt dieser schon oben von der Heerstraße zu uns ab. Ich entgegne ihm, dass es doch keine Leerfahrt sein muss, denn schließlich parke hier jeder direkt an die Straßenkreuzung ran und zeige einfach nur 5m gegenüber auf ein Auto mit selbigem nicht vorschriftsmäßigen Parkverhalten. Er lehnt meinen Vorschlag ab und scheint verblüfft über meinen für ihn eigentlich lukrativen Alternativvorschlag. Er wäre ja jetzt schließlich mit mir beschäftigt und winkt dem Abschlepper gönnerisch zu, er solle doch weiterfahren. Na dann, denke ich und will los. Das gelingt auch fast aber nicht ohne dass ich mein Knöllchen von ihm ausgefertigt bekomme, auf dem eine recht passable Skizze des Tatorts abgebildet ist. Super, danke und schönen Tag noch!

Am Ende der Woche komme ich mal wieder zum Auto und entnehme, hinter meinen Scheibenwischer eingeklemmt, erneut ein Ticket in Empfang, selbige Thematik, nur ohne Skizze diesmal. Ich blicke mich um und sehe, dass wiederum kein anderes Auto solch grünen Zettel angesteckt bekommen hat und denke mir aber nicht wirklich was dabei. Schließich will ich ja auch los. Nach dem insgesamt dritten (3!) Knöllchen innerhalb eines Monats, fange ich dann doch an gegenüber parkende Autos zu fotografieren und bin fleissig am Dementis schreiben. Obendrein habe ich die “ Zeugenkürzel“ auf allen Tickets verglichen und musste echt leicht verdutzt feststellen, dass es sich immer um den selben Uniformierten handelt, diesen überaus talentierten Skizzenzeichner nämlich, der, der mir vor fünf Wochen die Leerfahrt unterjubeln wollte. Da steckt doch pure Absicht hinter! Ist doch echt nicht zu fassen!

Bis dato habe ich noch kein Feedback von meinen Widerrufen bezüglich aller vorliegenden Strafzettel, die ich ja mittlerweile auch fotomäßig dokumentiert habe. Ich werde ähnlich wie Alf, der bei zu großen Fressgelagen, einen seiner sieben Extramägen öffnet, mein irgendwo tief im Inneren verstecktes Geduldskissen aufspüren und das ganze soweit es geht aussitzen. Warum auch immer ich die Auserwählte dieses eifrigen Knöllchenschreibers bin, nicht mit mir!

Veröffentlicht von stefkasays

Ich wollte schon immer schreiben. Über die kleinen Dinge im Leben, die einen manchmal an den Rand des Wahnsinns treiben können. Über große Dinge, die einfach zum alltäglichen Dasein dazu gehören und die Beachtung finden sollten, um nicht in der Versenkung der Unwichtigkeit zu landen. Dies ist ein persönliches Sammelsurium der Kostbarkeiten, die einen unweigerlich begleiten und die einem tagtäglich vor die Füße fallen.

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