Gefangen im Punktewahn

Bis vor 1 1/2 Jahren war ich völlig vogelfrei was diese ganzen Bonuskarten, die es ja für nahezu alle Bereiche des täglichen Lebens zu Hauf gibt, betrifft. Und mir hat auch eigentlich nichts gefehlt. Ein Kollege, der offenbar Meister der Rabatte und Bonussysteme zu sein scheint, fragte mich dann nebenbei mal, ob ich denn auch über unsere Firma eine Payback- Karte angefordert hätte. Super Sache sei das! Schließlich könne man ja alleine durch unsere Aral- Tankkarte den einen oder anderen Artikel seiner Wahl durch diese Punkte in ausgewählten Shops online erwerben. Nein, noch nicht drüber nachgedacht! Meine Abneigung gegenüber Werbetreibenden, die einen durch solche Karte am Schlawittchen haben, ist relativ groß; man hat ja schon genug Spam in seinem Leben. Ich befrage aber trotzdem den Familien- und Kollegenkreis und siehe da: irgendwie besitzt nahezu jeder solch eine Payback- Karte! Kann ja dann eigentlich nicht so schlimm sein denke ich. Na gut, Firma angerufen, mein ok abgeholt und das Ding dann beantragt. Ist übrigens keine Firmenkarte, sondern man hat nur einen Link für die Aral- Payback erhalten. Keine Ahnung, jetzt, wo ich darüber nachdenke, entzieht sich mir der Sinn, warum ich das über die Firma und nicht einfach privat gemacht habe. Seltsam.

Wie auch immer, los ging es mit dem fleißigen Punktesammeln! Anfangs tatsächlich nur über’s Tanken, kam auch ziemlich schnell was auf’s Punktekonto, tanke ja 2x die Woche durch mein vieles Gefahre! Fakt ist, dass man schwuppdiwupp natürlich auch die anderen Anbieter oder besser Partner dieses Geld- zurück- Systems scoutet und- klar!- diverse Shops auffindet, in denen man gelegentlich oder regelmäßig sein Geld los wird. Lustigerweise hatte ich bei DM eine Situation, wo mich eine Kassiererin etwas verdutzt ansieht und mich fragt, ob ich wirklich nur dieses eine Teil kaufen möchte, da ich doch aktuell einen 20- fach- Gutschein in Aktion habe! Ich bin echt kurzzeitig irritiert, da ich nicht nachvollziehen kann, dass jemand bewusst shoppen geht, nur um mehr Punkte zu ergattern. Ich benicke die banale Transaktion und verlasse das Geschäft. Im Auto angekommen durchsuche ich trotzdem (neugierig bin ich ja doch) die Seite und entdecke den Coupon- Button- Wahnsinn! Ohne Sinn und Verstand aktiviere ich wild alles, was der Finger bis zum nächsten Telefonat hergibt. Da das Punktekonto stetig steigt, bekommt nun sogar der Gatte eine Partnerkarte. Hab mir nämlich eine Prämie für 12500 Punkte heraus gesucht; gemeinsam sammelt es sich einfach schneller. Katsching, katsching! Da meine befürchtete Werbebelästigung ausbleibt, wird nun volles Rohr gepunktet. Einmal habe ich – aus Testgründen- mit dem Punktekonto bezahlt: absolutes Unverständnis meines Mannes war die Folge! Ein großer Abstrich unseres gemeinsamen Plans….es tat mir Leid.

Mittlerweile habe ich in meinem Portemonnaie mehr Sonderpunktebelege von Aral als Bargeld und muss diese schon akribisch nach Datum sortieren, denn diese verfallen nach 14 Tagen. Aber auf dem Weg zur Super- Umsonst- Prämie ist einem auch diese kleine Zeitrauberei nicht zu viel. Oh mein Gott! Ich komme mir schon vor wie die Extrem- Couponer in USA, die ihre Coupons in Sammelalben sortiert aufbewahren, um irgendeinen Rieseneinkauf durch gesammelte Rabatte und Rabatte auf besagte Rabatte letztendlich umsonst zu bekommen….obwohl ich davon noch Lichtjahre entfernt bin. Naja, vielleicht ein bisschen übertrieben der Vergleich.

Neulich allerdings, beim Rewe meines Vertrauens, der, wo eine Sushi- Theke leckerste japanische Kreationen frisch daher zaubert, besorge ich für ein paar Kunden Sushi- to Go für unser Baustellenmeeting und weiß, dass ich damit meine 7000 Punktemarke knacke. Ich zeige demonstrativ mein Handy mit der App beim Bezahlen und die Kassiererin sagt: es gibt aber keine Punkte für Sushi!!! Auch nicht mit dem 10- fach- Coupon für Fischware? Nein, Sushi zählt nicht bei Payback.

WTF?

Frustriert verlasse ich den Supermarkt und denke: was hat dich bloß so ruiniert?

Veröffentlicht von stefkasays

Ich wollte schon immer schreiben. Über die kleinen Dinge im Leben, die einen manchmal an den Rand des Wahnsinns treiben können. Über große Dinge, die einfach zum alltäglichen Dasein dazu gehören und die Beachtung finden sollten, um nicht in der Versenkung der Unwichtigkeit zu landen. Dies ist ein persönliches Sammelsurium der Kostbarkeiten, die einen unweigerlich begleiten und die einem tagtäglich vor die Füße fallen.

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