Die Macht der Socke

An Tagen wie diesen, an dem wichtige Termine anstehen, es beruflich auf eine „Hopp oder Topp“- Situation hinaus läuft, trage ich gerne meine Glücks avocado- Socken. Seit wir 2017 in Kalifornien waren ist diese Frucht bei uns irgendwie zu einem Symbol des Glücks, des Wohlfühlens und in meinem Fall sogar als Talisman in Form eines Kleidungsstücks geworden. Und so krame ich meine gute Bluse, die, wo das Firmenlogo im Kragen eingestickt ist und die einfach seriöser daher kommt, raus und wähle zum Schluss gezielt meine Avocadosocken. Sicher ist sicher! Sieht ja keiner, ist ja ’ne Hose drüber.

Man trifft sich am ausgemachten Ort, um gemeinschaftlich- natürlich nur mit einem Auto- zum vereinbarten Termin zu fahren. Ein bisschen nervös sind wir beide, der Außendienstler und ich auch, aber wir sind auch genauso überzeugt davon, dass wir das Ruder auf unsere Seite herum reißen können. Schließlich hätten wir das ganze ja sonst nicht von langer Hand geplant!

Auf der Baustelle angekommen warten schon Bauleiter, Auftraggeber und Vorarbeiter auf uns und ich denke noch: Oha! Die fahren ja richtiges Geschütz auf! Die richtigen Worte zur Begrüßung werden irgendwie auch nicht gefunden : „Eine Frau haben wir von der Industrie ja jetzt nicht erwartet!“ Aber davon lasse ich mich schon lange nicht mehr aus der Bahn werfen! Trotzdem fühlt man sich immer ein wenig aufgefordert, jetzt mehr leisten zu müssen, besser zu sein oder einfach nur überzeugender zu sein als meine männlichen Kollegen. Kann ich, denke ich. Und eigentlich muss ja auch nur unser Produkt die Herren komplett aus ihren Schuhen hauen!

Auf geht’s, hier wird keine Zeit verloren. Nicht, dass wir heute zu zweit auch schon ein echt straffes Programm haben, aber wir sind ja auch nicht so wichtig, als das dies eine Bedeutung hätte. Gesagt, getan. Farbe wird ausprobiert und nebenbei bekomme ich schon Sprüche mit, die so typisch sind, wenn man ferner der Praxis nicht sein kann oder aber offenbar überredet würde, doch Mal etwas Neues auszuprobieren. Nach ’ner 1/4 Stunde, die sich gefühlt extra in die Länge zieht und vieler Fürs und Widers, ist er dann da, der Moment, der zumindest für mich heute der wichtigste scheint: der Vorarbeiter, der gar meisterlich das Material an die Wand gezaubert hat, befindet unser Produkt für überaus super- in allen dafür in Frage kommenden Kriterien! Jippieh! Quieke ich in mich hinein! Shakka, geschafft!

Ratzfatz werden dann auch gleich Nägel mit Köpfen gemacht und man setzt sich für alles Weitere in einen, mit ausreichend Abstand gewährleistenen, Besprechungsraum.

Beim Übernanderschlagen der Beine lugt rechts unter meiner Hose frech eine kleine Avocado heraus, fast so, als wolle sie mir sagen: Siehste! Hab ich dir doch gesagt!

Veröffentlicht von stefkasays

Ich wollte schon immer schreiben. Über die kleinen Dinge im Leben, die einen manchmal an den Rand des Wahnsinns treiben können. Über große Dinge, die einfach zum alltäglichen Dasein dazu gehören und die Beachtung finden sollten, um nicht in der Versenkung der Unwichtigkeit zu landen. Dies ist ein persönliches Sammelsurium der Kostbarkeiten, die einen unweigerlich begleiten und die einem tagtäglich vor die Füße fallen.

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